Aufgrund der massiven Kürzungen des Berliner Senats im Hochschulbereich plant die HTW Berlin die Streichung mehrerer Studiengänge. Konkret bedroht ist der deutschlandweit einzigartige Studiengang Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik. Für die Archäologie ist dies undenkbar.
Die durch den Berliner Senat im Dezember 2024 aufgekündigten Hochschulverträge beschäftigen die Bildungslandschaft und die Kulturbetriebe der Stadt nachhaltig. Auch an der HTW Berlin führen die Mittelkürzungen zu gravierenden Änderungen, u.a. des Studienangebotes. Zielmarke ist es, 40 Bachelor- und 20 Masterstudienplätze in jedem der fünf Fachbereiche zu streichen. Während große Studiengänge diese Reduktionen kaum bemerken, werden andere Angebote wegfallen.
Potenziell und insbesondere betroffen sind die kleinen Fächer des Fachbereichs 5 – Design und Kultur. Hier droht zeitnah die Einstellung des tradierten Studienprogrammes Konservierung / Restaurierung / Grabungstechnik.
Ein einzigartiges Studienangebot mit internationaler Strahlkraft
Seit dem Wintersemester 1992/93 werden an der HTW Berlin Restauratorinnen und Restauratoren mit Spezialisierungen in archäologisch-historischem, technischem und fotografischem Kulturgut/Filmerbe sowie Grabungstechnikerinnen und Grabungstechniker mit Ingenieurstatus ausgebildet.
Die Studiengänge, zunächst als Diplom, seit 2006 als Bachelor- und Masterprogramme etabliert, genießen im In- und Ausland höchstes Ansehen. Ein Drittel der Studierenden stammt aus dem Ausland – ein Beleg für die internationale Bedeutung und Attraktivität des Studienangebots.
Drohender Fachkräftemangel
Die Absolventinnen und Absolventen der HTW Berlin sind in Museen, Archiven, Denkmalämtern, Forschungseinrichtungen und in der freien Wirtschaft tätig und tragen entscheidend zum Schutz, zur Erforschung und Vermittlung unseres kulturellen Erbes bei. Die Institutionen sind auf sie angewiesen. Schon jetzt ist der Fachkräftemangel spürbar. In Bezug auf die Konservierung / Restaurierung ist die Ausrichtung der HTW Berlin auf die Arbeit mit archäologischem Kulturgut deutschlandweit einzigartig. Rund zwei Drittel der Mitarbeitenden in der Restaurierungswerkstatt des Museums für Vor- und Frühgeschichte, die im PETRI arbeiten, sind Absolventinnen und Absolventen der Berliner Hochschule. Gleiches gilt für den Bereich Grabungstechnik, der ebenfalls einzigartig ist in Deutschland. Aktuell sind alle Grabungstechnikerinnen und Grabungstechniker, die durch das Landesdenkmalamt Berlin auf der Grabung Molkenmarkt beschäftigt sind, Absolventinnen und Absolventen der HTW Berlin und leisten
herausragende Arbeit bei der Dokumentation und Sicherung archäologischer Befunde.
Der Verlust wäre ein kulturpolitisches Versäumnis
Mit der Schließung des Studiengangs droht der Wegfall eines einzigartigen Kompetenzzentrums für den Erhalt des Kulturerbes vieler Ebenen: technische, industrielle, und archäologische Objekte.
Restaurierungsstudiengänge sind keine Orchideenfächer, sondern zentrale Orte der Forschung, Vernetzung und Internationalisierung. Sie sichern die Grundlage dafür, dass Museen, Archive und Denkmalämter ihrer hoheitlichen Aufgabe nachkommen können: dem Schutz und der Vermittlung kultureller Werte.
Bereits die Schließungen vergleichbarer Studiengänge in Erfurt, München oder Mainz haben die Fachlandschaft erheblich geschwächt. Der geplante Wegfall an der HTW Berlin würde eine Lücke reißen, die in Deutschland nicht mehr geschlossen werden kann.
Mit Herz und Verstand – Aktionstag im PETRI
Die HTW Berlin ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner für Denkmalschutz, Museen und Forschungseinrichtungen. Das PETRI Berlin als Kooperation zwischen Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und Landesdenkmalamt Berlin lud am 5. November gemeinsam mit der HTW Berlin dazu ein, live zu entdecken, was das Studium ausmacht.
Im 2. Obergeschoss des Hauses, in dem sich die Restaurierungswerkstatt des Museums für Vor- und Frühgeschichte befindet, zeigten Studierende ihre aktuellen Projekte – ein mittelalterliches Herzbuch und eine Bronzenadel aus Mesopotamien. Parallel dazu wurden die Türen zur Werkstatt geöffnet. Die Restauratorinnen und Restauratoren des Museums als Absolventinnen und Absolventen der HTW berichteten von ihrer Arbeit, die aktuell zahlreiche spannende Funde vom Molkenmarkt beinhaltet.
Weitere Informationen zur Schließung des Studiengangs unter:
https://krg.htw-berlin.de/
https://krg-bleibt.de/
https://www.restauratoren.de/drohende-schliessung-des-restaurierungsstudiengangs-an-der-htw-berlin/