Das Landesdenkmalamt Berlin hat den Stettiner Tunnel aufgrund seiner herausragenden geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung in die Denkmalliste aufgenommen.
Die als Personentunnel konzipierte Eisenbahnunterführung zwischen der Schwartzkopffstraße und der Gartenstraße verlief unterhalb des Gleisfelds des Stettiner Bahnhofs und trug daher auch die Bezeichnung Stettiner Tunnel. Er wurde ab 1895 im Auftrag der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin realisiert und konnte 1897 in Betrieb genommen werden. Seine Eingänge erhielten repräsentative Portale, die in ihrer Gestaltung und Ornamentik an Stadttore erinnerten. Das östliche Portal an der Gartenstraße ist bis heute erhalten. Der Stettiner Tunnel ist eines der wenigen baulichen Zeugnisse des Stettiner Bahnhofs, der im 19. und 20. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kopfbahnhöfen Berlins für den Fern- und Vorortverkehr zählte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tunnel aufgrund seiner Lage im Grenzgebiet teilweise zugeschüttet und verschlossen. Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde er Teil des Grenzanlagen-Systems. Die direkt anschließende historische Bahnhofsmauer an der Gartenstraße wurde zur Grenzmauer umgebaut. Neben seiner verkehrs- und architekturgeschichtlichen Bedeutung kommt dem Tunnel daher auch eine besondere zeitgeschichtliche Dimension zu: Er ist ein authentisches Zeugnis der 28 Jahre lang geteilten Stadt Berlin.
„Mit der Unterschutzstellung würdigt das Landesdenkmalamt Berlin den Stettiner Tunnel als bedeutendes Denkmal der Stadt-, Verkehrs- und Zeitgeschichte – ein Bauwerk, das Berliner Eisenbahngeschichte, städtebauliche Entwicklung und die Erinnerung an die Teilung der Stadt auf einzigartige Weise verbindet“, sagt Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut.
Dank des Berliner Unterwelten e.V., der die Patenschaft für die Anlage übernommen hat, wird der Tunnel seit 2024 wieder instandgesetzt und gewartet. Der gemeinnützige Verein plant in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, das Tunnelportal wieder vollständig zu rekonstruieren und das Bauwerk der interessierten Öffentlichkeit regelmäßig im Rahmen von Führungen zugänglich zu machen.
Aktuell richtet der Verein ein Archäologisches Fenster an der Gartenstraße her. Es zeigt einen mit Grenzsicherungsanlagen versehenen Gang zu den alten, nicht mehr existenten Lagerhallen auf dem Gelände des Nordbahnhofs – Schauplatz einer spektakulären Flucht im März 1963.
Zum Tag des offenen Denkmals wird der Tunnel am Samstag, den 13. September 2025 öffentlich zugänglich sein.
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