Vorschau

Thomas Kilpper – Entwurzelt

28. April – 4. Juli 2018
Vernissage: Freitag, 27. April 2018, 18 Uhr

Der Künstler Thomas Kilpper nutzt einen umgestürzten Baum als Ausgangspunkt für seine künstlerische Reflexion über die „Ästhetik des Zusammenlebens“. Sozialer Zusammenhalt und Solidarität scheinen heute mehr denn je brüchig geworden zu sein. Die Gesellschaften in Europa werden mit wachsenden nationalistischen Tendenzen konfrontiert und zunehmend polarisiert. Gleichzeitig waren noch nie so viele Menschen weltweit auf der Flucht wie heute. Das lässt sich vielfach in direkten Zusammenhang bringen mit der Ökonomie, Wirtschafts- und Lebensweise der reichen Länder des Westens. Nicht nur, dass an allen kriegerischen Konflikten die Waffen- und Rüstungsindustrien mitverdienen, auch Erze, Mineralien, Nahrungsmittel und viele andere Stoffe werden seit Generationen aus den zunehmend verarmten Ländern in die Wohlstandszonen der Erde exportiert zu Weltmarktpreisen, die maßgeblich von den Börsenzentren diktiert werden. In der öffentlichen Wahrnehmung von Flucht und Zuwanderung hier in Europa und in Deutschland stehen allerdings die Herausforderungen für die Gesellschaft im Mittelpunkt.

Thomas Kilpper versucht, dem eine andere Perspektive entgegenzusetzen: Was könnte der Verlust von Heimat für Geflüchtete bedeuten und vor welchen Herausforderungen mögen sie stehen, wenn sie an einem unbekannten Ort ankommen? Wird der sozialen Entwurzelung, die die Flucht bedeutet, durch die Reaktionen der Menschen in den Ankunftsorten etwas entgegengesetzt, oder wird sie gar verstärkt – sei es durch offene Fremdenfeindlichkeit oder durch versteckte Alltagsrassismen? Kann aber das „Entwurzeltsein“ vielleicht auch neue Chancen eröffnen? Wie können und wie müssen wir uns gegen fremdenfeindliche Übergriffe gemeinsam organisieren und schützen?

Thomas Kilpper verwendet Teile des alten Ahornbaumes, der bei einem Sturm im Sommer 2017 unmittelbar vor der Galerie im Körnerpark umstürzte und schneidet in das Holz des Baumes Bilder von Menschen, die rassistischer Gewalt ausgesetzt waren oder die sich dagegen wehrten. Mit den Bildern dieser gesellschaftlichen Konflikte kritisiert er die Gewalt und gibt Impulse für ein offenes Zusammenleben und Solidarität.
Von den Holzschnitten im Baum nimmt der Künstler darüberhinaus Drucke und fügt sie in die Rauminstallation, die sich vor dunklen Kohlezeichnungen aus der Serie „Burnout“ (2016) entfaltet, die brennende Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland zeigen.
Während der Ausstellung werden in Zusammenarbeit mit dem Künstlerduo Birgit auf der Lauer und Caspar Pauli Workshops mit Schüler*innen durchgeführt, bei denen weitere Holzschnitte und -drucke entstehen, die ebenfalls in die Installation integriert werden.

Anke Becker – Anonyme Zeichner

14. Juli – 19. September 2018
Vernissage: Freitag, 13. Juli 2018, 18 Uhr

Die neue Ausgabe von Anonyme Zeichner lädt wieder dazu ein, sich mit den Urelementen der Zeichnung – Linie, Sujet, Farbgebung, Papierbeschaffenheit und Technik zu beschäftigen. Das von der Berliner Künstlerin Anke Becker 2006 ins Leben gerufene Projekt zeigt jeweils 600 Zeichnungen internationaler Künstlerinnen und Künstlern. So wurden in diesem Format, welches sich als eine Hommage an die Vielfältigkeit des Mediums Zeichnung versteht, bisher bereits über 9.000 Arbeiten gezeigt. Die Zeichnungen kommen durch einen Open Call zusammen, werden durch die Künstlerin zu einem kollektiven Gesamtkunstwerk zusammengefügt und anonym, also ohne Nennung von Urheberschaft und Titel, präsentiert. Dies wirft bei den Betrachtenden Fragen nach dem Urteil über und dem Wert von Kunst auf. Wie verändert sich das eigene Urteil, wenn man, unbeeinflusst von der Autorschaft, über ein Kunstwerk urteilt? Woran lässt sich die Qualität einer Zeichnung festmachen? Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst? Was ist die Identität des Zeichners? Die Anonymität der Zeichner*innen kann nur durch einen Kauf zum symbolischen Einheitspreis von 200 € aufgehoben werden.

SO IST DAS BEI UNS – Bilder vernachlässigter Europäer

Nihad Nino Pušija

28. September – Januar 2019
Vernissage: Donnerstag, 27. September 2018, 18 Uhr

Seit rund 20 Jahren dokumentiert Nihad Nino Pušija in seinen Aufnahmen die Lebenssituation der Roma aus Ex-Jugoslawien, die als unerwünschte Balkankriegsflüchtlinge über ganz Europa verstreut leben. Er zeigt ihre oft unwillkommene Rückkehr in die „Heimat“ und ihr auch heute noch weitgehend von Armut und Diskriminierung geprägtes Dasein. Dennoch werden die Roma in Pušijas Bildern weder als Opfer gebrandmarkt noch folkloristisch als Volksgruppe romantisiert. Seit 1994 arbeitet Pušija an dem von ihm großzügig angelegten Zyklus Roma in Europa. In der Langzeitstudie DULDUNG DELUXE portraitiert Pušija Roma-Jugendliche aus Bosnien, dem Kosovo oder Serbien, die von der Abschiebung aus Deutschland bedroht oder bereits abgeschoben worden sind.