Aktuelle Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

Blick in denGalerieraum mit dem über die länge platzierten, entwurzelten Baum. Im Vordergund die Wurzel , im Hintergrund die sich in der gersamten Höhe des Raumes entfaltende, aus Holzbalken konstruierte Baumkrone. Links an der Wand zahlreiche schwarz-weiße Kohlezeichnungen.
Bild: Nihad Nino Pusija

Thomas Kilpper – Entwurzelt

28. April – 4. Juli 2018
Vernissage: Freitag, 27. April 2018, 19 Uhr

Sozialer Zusammenhalt und Solidarität scheinen heute mehr denn je brüchig geworden zu sein. Weltweit werden die Gesellschaften mit nationalistischen Tendenzen konfrontiert. In der öffentlichen Wahrnehmung von Flucht und Zuwanderung stehen meist die Herausforderungen für die Gesellschaft im Mittelpunkt. Der Künstler Thomas Kilpper setzt dem eine andere Perspektive entgegen: Was bedeutet der Verlust von Heimat für Geflüchtete? Wird der sozialen Entwurzelung, die Flucht bedeutet, durch die Menschen in den Ankunftsorten etwas entgegengesetzt, oder wird sie gar verstärkt? Kann Entwurzelung auch neue Chancen eröffnen?
Den Anfang der Ausstellung markiert Thomas Kilppers neue Serie „Burn-out“ mit Kohlezeichnungen brennender Flüchtlingsunterkünfte. Als Herz-stück der Ausstellung entsteht ein entwurzelter Baum unter Verwendung von Teilen des alten Ahornbaumes, der bei einem Sturm im Sommer 2017 vor der Galerie im Körnerpark umstürzte. In diese raumgreifende Installation integriert der Künstler neue Holzschnitte, Porträts von Menschen, die rassistischer Gewalt ausgesetzt waren oder sich dagegen wehrten. Neben eindeutig rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen lenkt er ein besonderes Augenmerk auf Fälle, in denen Rassismus als Tatmotiv vermutet wird, wie bei den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland in Neukölln. Thomas Kilpper versteht seine Installation als Kritik an der Gewalt, aber auch als Impuls für ein offenes und solidarisches Zusammenleben.
Kuratiert von Dorothee Bienert

Diskursive Veranstaltungen

Samstag, 26. Mai 2018, 18 Uhr
Zeichen setzen – Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe „Kultur in nervösen Zeiten“ des Arbeitskreises Kommunale Galerien Berlin

Die Podiumsdiskussion anlässlich der Ausstellung “Entwurzelt” fragt danach, wie Kunst zu Rassismus und rechter Gewalt Stellung nehmen kann. Wie widerständig ist Kunst? Warum engangieren sich Künstler*innen politisch? Welche Strategien haben sie und was können diese bewirken? Darüber diskutieren:

  • Ercan Arslan, Künstler, Mitarbeiter an der Skulptur zum Gedenken an Burak Bektas in Berlin-Neukölln
  • Ayşe Güleç, Mitbegründerin der Friends of Halit in Kassel
  • Marina Naprushkina, Künstlerin und Aktivistin, Gründerin der Neuen Nachbarschaft // Moabit
  • Thomas Kilpper, Künstler
  • Dorothee Bienert, Leiterin der Galerie im Körnerpark
  • Moderation: Ingo Arend, Autor und Kritiker

Mittwoch, 4. Juli 2018, 19 Uhr
Grenzgängerbeatz – Finissage mit Lesung
Der Schriftsteller Raul Zelik liest aus seinen Erzählungen, in denen er ein differenziertes, und doch mit Humor versetztes Bild gesellschaftlicher Verhältnisse zeichnet.
.

Partizipatives Begleitprogramm

Über die Dauer der Ausstellung wird die Baum-Installation von Thomas Kilpper durch die Arbeit verschiedener Gruppen weiter wachsen. Sie bringen ihre eigene Geschichte, eigene Erfahrung und eigene Haltungen zu Rassismus und Widerstand, zu Entwurzelung und Verwurzelung ein.
Mit: Aufbruch Neukölln e. V., dritter frühling e. V., Heroes Berlin, Stadtteilmütter in Neukölln, Bewohner*innen der Flüchtlingsunterkunft des Unionhilfswerks, Neuköllner Schüler*innen
Projektleitung: Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli

Samstag, 2. Juni 2018, 14–18 Uhr
Erinnerungsschwarm – Aktion
Bildnisse und Namen der Opfer rassistischer Gewalt werden auf Stoff gedruckt und als nomadische Mahnmale in den Stadtraum entlassen. Mit Isra Abdou.

Sonntag, 24. Juni 2018, 16 Uhr
Das Tuch – Performance
Die Neuköllner Stadtteilmütter präsentieren ein riesiges, widerständiges Erinnerungstuch.

Mittwoch, 4. Juli 2018, 17-19 Uhr
Den Baum entblättern – Abschlussevent
Alle sind eingeladen, ihre entstandenen Arbeiten abzuholen.
.

Mit freundlicher Unterstützung des Bezirkskulturfonds