Bauernverbandspräsident fordert Schlachthöfe für die Region

Bauernverbandspräsident fordert Schlachthöfe für die Region

Der Brandenburger Landesbauernverband befürchtet einen weiteren Rückgang beim Selbstversorgungsgrad der Hauptstadtregion mit Lebensmitteln. «Wir brauchen Tierhaltung und auch die Verarbeitung vor der Haustür», sagte Landesbauernverbandspräsident Henrik Wendorff der Deutschen Presse-Agentur. Durch den Aufbau regionaler Lieferketten könne auch das Problem mangelnder Nachhaltigkeit angegangen werden. «Die Kunden wollen regionale und lokale Produkte», sagte er. Am Freitag wollten die Landwirte mit Vertretern aus Politik, von Verbänden sowie der Land- und Ernährungswissenschaft über diese Aufgabe diskutieren.

Henrik Wendorff

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Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg e.V.

Nach Angaben des Landesbauernverbandes werden in Berlin und Brandenburg rund 300 Millionen Kilogramm Fleisch und Wurst im Jahr konsumiert. Die aktuelle Produktionskapazität betrage lediglich ein Drittel dieser Menge - nur wenige Prozent davon gelangten dann wiederum auf die Tische Berliner und Brandenburger Haushalte.
«Grund sind die seit Jahren vor allem fehlenden Schlachtbetriebe», sagte Wendorff. Mangele es in der Verarbeitung an Kapazitäten, würden auch die Tierbestände reduziert. «Der Abbau muss gestoppt werden», betonte der Landwirt. In den vergangenen 15 Jahren habe Brandenburg etwa 30 bis 50 Prozent des Bestandes an Schweinen, Rindern und Geflügel verloren - je nach Tierart.
Es müsse eine regionale Verarbeitungsstrategie entwickelt werden, forderte Wendorff. Im Sinne der Nachhaltigkeit und des Tierwohls könnten dann lange Wege zu den Schlachthöfen und den Verarbeitungsbetrieben vor allem in anderen Bundesländern vermieden werden. Er mahnte ein Bekenntnis der Politik zur Ansiedlung von Schlachthöfen im Land und mehr Akzeptanz bei den Bürgern an. Die Betriebe seien aber nur einigermaßen rentabel, wenn mindestens 150.000 Schweine oder Rinder pro Jahr geschlachtet werden, sagte Wendorff. Das entspreche in etwa den Kapazitäten großer Schlachthöfe in anderen Ländern.
Der Landesbauernverband forderte ein Sonderinvestitionsprogramm der Landesregierung. «100 Millionen Euro müssten bereitgestellt werden, um neue Schlachtbetriebe und regionale Verarbeitungskapazitäten zu fördern und dafür auch geeignete Standorte zu finden», sagte er. Ziel der Brandenburger Landwirte sei, ab 2025 bereits 300.000 märkische Schweine in den Kühltheken der Hauptstadtregion zu vermarkten. Auch Marktanteile bei Rindfleisch, Milch und Molkereiprodukten sollen zurückgewonnen werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 7. Mai 2021 05:21 Uhr

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