Landrat in Hotspot hofft auf Akzeptanz bei Beschränkungen

Landrat in Hotspot hofft auf Akzeptanz bei Beschränkungen

Noch vor einem geplanten landesweiten Lockdown am kommenden Mittwoch gelten im Südbrandenburger Corona-Hotspot Oberspreewald-Lausitz von diesem Montag an drastische Einschränkungen. Landrat Siegurd Heinze (parteilos) hofft dabei, dass die Auflagen weiter auf Verständnis stoßen. Erstaunlicherweise sei die Akzeptanz der Bürger noch hoch - dafür sei er dankbar. «Andererseis ist es natürlich auch so, dass uns einige Bürger großes Unverständnis entgegenbringen, dass immer wieder etwas Neues geregelt wird (...)», sagte Heinze der Deutschen Presse-Agentur.

Zustimmung zu den ergriffenen Maßnahmen kam am Sonntag von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). In Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen sollten die Landräte ermutigt werden, entsprechende härtere Maßnahmen zu ergreifen, sagte er. «Das, was wir für das Land machen, ist das Mindestmaß, das überall gilt. In Landkreisen mit besonders hohen Inzidenzen kann und wird darüber hinaus agiert werden müssen.» Die Inzidenz steht für die Zahl an Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage.
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz bleibt hier mit rund 553 neuen Ansteckungen Corona-Schwerpunkt in Brandenburg (Stand Sonntag). Im Kreis gelten bereits zwei Allgemeinverfügungen mit schärferen Maßnahmen, darunter nächtliche Ausgangsbeschränkungen von 20 bis 5 Uhr ab diesem Montag. Weiterführende Schulen bleiben ab Montag bis zum 8. Januar geschlossen. Vom 17. Dezember an bleiben auch die Grundschulen und Kitas zu. Auf öffentlichen Plätzen gilt ein Alkoholverbot.
Hochzeiten und Bestattungen sind im Landkreis auf zehn Personen begrenzt, in Krankenhäusern gilt ein Besuchsverbot. Patienten in Pflegeeinrichtungen dürfen höchstens einen Besucher täglich für maximal eine Stunde empfangen. Gottesdienste finden nicht statt - auch nicht an Weihnachten.
Das öffentliche Leben sollte in den Abend-und Nachtstunden ein Stück weit eingestellt werden, erläuterte Heinze die Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen sollten zuhause bleiben. Auch Jugendliche sollten sich nicht in Gruppen treffen. Sportliche Betätigung draußen sei aber weiter möglich, ergänzte er und korrigierte damit eigene Aussagen, nach denen Joggen in dieser Zeit verboten sei.
Der Landkreis plant Heinze zufolge zunächst keine eigenen weiteren Schritte und setzt auf die landesweiten Corona-Maßnahmen, die erst noch beschlossen werden sollen. «Wir schauen, was das Land macht. Ist das ausreichend und entspricht das unseren Vorstellungen?» Sollten die Regeln nicht ausreichen, werde nachgeschärft. Die Ordnungsämter kontrollierten mit Unterstützung der Polizei die Corona-Maßnahmen. «Wir werden die Schlagzahl aber noch erhöhen müssen und die Kontrollen bis zum Weihnachtfest durchführen», sagte der Landrat. Die Prävention stehe aber vor Strafmaßnahmen. Der Landkreis hat rund 110 000 Einwohner.
Die dortige hohe Inzidenzzahl führt Heinze auch auf die Nähe zu Sachsen zurück. In den nördlichen Landkreisen des Freistaats seien die Infektionszahlen sehr hoch. «Wir können es uns nur so erklären, dass sich das Virus (...) über Sachsen nach Südbrandenburg ausgebreitet hat.» Ursache seien unter anderem die Pendlerströme, die wirtschaftlichen Beziehungen zum Nachbar-Bundesland und der Tourismus vor dem zweiten Lockdown.
Ministerpräsident Woidke geht davon aus, dass sich in den verbleibenden kommenden zwei Tagen der Einkaufstourismus aus dem Nachbar-Bundesland nach Südbrandenburg in Grenzen halten wird. Er hoffe, dass Sachsen selber darauf achtet, sagte der SPD-Politiker. Dort sind bereits ab diesem Montag die Läden geschlossen, Lebensmittelgeschäfte und Geschäfte für den Grundbedarf bleiben hingegen geöffnet. In Brandenburg sollen die Geschäfte vom kommenden Mittwoch an schließen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 13. Dezember 2020 17:44 Uhr

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