Corona: Märkische Bibliotheken erweitern digitales Angebot

Corona: Märkische Bibliotheken erweitern digitales Angebot

Die Bibliotheken in Brandenburg haben sich der Corona-Krise angepasst. Vor allem digitale Angebote sind zuletzt ausgebaut worden und erfahren immer mehr Resonanz bei den Nutzern, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. «Die Nutzung von digitalen Angeboten wie E-Medien, Datenbanken und Streamingdiensten hat sich um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht», berichtet Potsdams Stadtsprecherin, Christiane Homann. Die Zahl der Nutzer von digitalen Angeboten sei sogar um 64 Prozent gestiegen. In Trägerschaft der Landeshauptstadt befinden sich neben der Stadt- und Landesbibliothek noch zwei Stadtteilbibliotheken mit einem Kontingent von insgesamt rund 600 000 Medien.

Bibliotheken und Corona

© dpa

Ein Bücherregal einer Bibliothek ist zu sehen.

Die städtischen Bibliotheken in Potsdam sind seit November wieder geschlossen, bieten aber einen Bestell- und Abholservice. Schulen werden laut Christiane Homann mit Medienpaketen beliefert. «Es wurde verstärkt in E-Medien investiert», sagt die Stadtsprecherin. Darüber hinaus seien auch neue schülerrelevante Angebote bereitgestellt worden. Um die Kommunikation mit den verschiedenen Nutzergruppen zu optimieren, würden Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Youtube ausgebaut.
Darauf setzen auch die Stadtbibliothek in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) und ihr Förderverein «Lesewelt». Lesungen, Veranstaltungen sowie die Ferien- und Nachmittagsprogramme für Kinder und Jugendliche fallen dort wegen des Corona-Lockdowns ganz weg. Letztere hatten immer die Freiwilligendienstler betreut. Um junge Leute trotzdem weiter zum Lesen anzuregen, gehen Freiwilligendienstlerin Virginia Schulze und der Verein nun online. Sie gestalten einen Podcast, in dem junge Leute für junge Leute lesen und Bücher vorstellen sollen. Die Clips werden dann auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht.
«Wenn alles klappt, können wir dieses Jahr schon die ersten Freiwilligen lesen lassen», sagt Virginia Schulze. Der Podcast sollte dann zunächst im Zweiwochentakt laufen. Laut Uta Köhn vom Förderverein ist es perspektivisch möglich, solche Podcasts auch für Erwachsene zu produzieren.
Auch an den Hochschulbibliotheken gewinnen digitale Angebote immer mehr an Bedeutung. «Der Wunsch, auf Medien in elektronischer Form zuzugreifen, hat sich durch die Krise erhöht», sagt die Sprecherin der Universität Potsdam, Silke Engel. Von dem rund drei Millionen Euro umfassenden Erwerbungsetat seien dieses Jahr über 85 Prozent für E-Medien ausgegeben worden; 2019 seien es nur 70 Prozent gewesen. Mit 1,5 Millionen würden die E-Medien inzwischen den physischen Medienbestand um 200 000 Exemplare übertreffen.
Wer einen der reduzierten Arbeitsplätze in den Potsdamer Universitätsbibliotheken nutzen will, muss sich laut Engel dafür online anmelden. Externe Nutzer seien wegen der hohen Nachfrage nicht mehr zugelassen. «Veranstaltungen und Kurse der Bibliotheken finden ausschließlich in der Online-Variante, meist über das Programm Zoom, statt», sagt die Universitätssprecherin.
In den zwei Standorten der Stadtbibliothek Frankfurt (Oder) ist das Interesse der Nutzer an digitalen Medien in der Krise ebenfalls gewachsen, wie Stadtsprecherin Kora Kutschbach berichtet. «Es wurde deutlich, dass die Entwicklung hin zu digitalen Medien, aber auch Vermittlungsangeboten zu intensivieren ist», sagt sie. Wie ihre Kollegin Christiane Homann in Potsdam betont sie aber, dass der physische Standort Bibliothek nach wie vor wichtig sei. «Die Bibliotheken entwickeln sich zu Aufenthaltsorten», sagt Kora Kutschbach. Damit verbunden sei ein anderer, intensiverer Umgang mit den Nutzern.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 13. Dezember 2020 18:49 Uhr

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