Hochschulen: Wintersemester überwiegend im Fernunterricht

Hochschulen: Wintersemester überwiegend im Fernunterricht

Während in den Brandenburger Schulen nach den Sommerferien wieder im Regelbetrieb unterrichtet werden soll, wird es an den Hochschulen überwiegend beim Fernunterricht bleiben. «Wir wollen zwar nicht zur Fern-Uni mutieren, aber angesichts der Abstandsregeln und der Raumkapazitäten werden wir froh sein, wenn 25 Prozent der Angebote im Präsenzunterricht möglich sind», sagte der stellvertretende Vorsitzende der Brandenburgischen Landesrektorenkonferenz, Oliver Günther, am Montag in Potsdam.

Jonathan Wiegers

© dpa

Jonathan Wiegers während einer Pressekonferenz.

Umfragen unter den Studierenden hätten gezeigt, dass die digitale Wissensvermittlung im Sommersemester im Großen und Ganzen funktioniert habe, aber das soziale Miteinander sehr vermisst wurde. «Diesen Forderungen werden wir Rechnung tragen, indem wir das Wintersemester als Hybridsemester, also als Kombination von digitalen und analogen Formaten anlegen», sagte Günther. Denn Hochschulen seien nicht nur Lern-, sondern auch Lebensorte.
Allerdings ist noch unklar, wie viele Studenten im Wintersemester wieder antreten werden, sagte der Sprecher der Brandenburgischen Studierendenvertretungen, Jonathan Wiegers, am Montag in Potsdam. Denn die Corona-Pandemie habe auch in Brandenburg viele Studierende in existenzielle Finanznöte gestürzt. «Bundesweit haben eine Million Studierende durch Corona ihren Nebenjob verloren und mussten deshalb ihr Studium unterbrechen oder abbrechen», stellte Wiegers fest. Zahlen für Brandenburg gebe es noch nicht. «Wir werden erst im Herbst sehen, wie viele Studenten zum Wintersemester zurückkehren.»
Weiterhin hätten auch nur zwölf Prozent der Studierenden Anspruch auf Bafög, berichtete Wiegers - und die Nothilfen des Bundes reichten bei weitem nicht aus. So könnten Studenten abhängig vom Stand ihres Kontos für drei Monate maximal jeweils 500 Euro erhalten. Davon lasse sich der Lebensunterhalt in den großen Städten nicht bestreiten.
Die Landesregierung habe deshalb den Härtefallfonds der Studentenwerke um eine halbe Million Euro aufgestockt, sagte Bildungsministerin Manja Schüle (SPD). Studenten in finanzieller Not können daraus einmalig 300 Euro bekommen. Wiegers beklagte allerdings den hohen bürokratischen Aufwand für die Beantragung aller Hilfsgelder: «Solche Bürokratiemonster überfordern Studenten in Not.»
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Schüle zufolge erhielt entsprechend auch nur ein kleiner Teil der Antragsteller Hilfen. So seien in Frankfurt (Oder) bis zum 8. Juli 2226 Anträge eingegangen, von denen nur 941 aus Sicht der Behörde vollständig waren. Am Ende wurden 370 bewilligt - mit einem durchschnittlichen Satz von 434 Euro. Schüle betonte aber, dass Studienabbrüche wegen finanzieller Notlagen in jedem Fall verhindern werden sollen. «In solchen Fällen bieten wir eine Einzelfallberatung an», versprach die Ministerin.
Die rot-schwarz-grüne Landesregierung will bis zum Wintersemester mit einer Änderung des Hochschulgesetzes eine Verlängerung der Regelstudienzeit um ein Semester ermöglichen. Damit könnten zumindest Bafög-Empfänger coronabedingte Verzögerungen ausgleichen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 20. Juli 2020 13:42 Uhr

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