Ramadan anders: Alleine Fasten in der Corona-Zeit

Ramadan anders: Alleine Fasten in der Corona-Zeit

Den Muslimen in Brandenburg macht das Fasten während des Ramadans unter den Corona-Einschränkungen zu schaffen. «Viele fühlen sich alleine», sagte der 1. Vorsitzende des Vereins der Muslime in Potsdam, Kamal Mohamad Abdallah. Gerade für diejenigen, die ohne ihre Familie in Brandenburg lebten, wie beispielsweise Geflüchtete, habe man in der Gemeinde sonst während des Fastenmonats gemeinsame Mahlzeiten am Ende des Tages angeboten. «Das fällt jetzt alles weg. Auch das gemeinsame Gebet. Es ist irgendwie kein richtiger Ramadan», sagte der 51-Jährige.

Datteln werden beim Fastenbrechen gereicht

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Datteln werden beim Fastenbrechen im Fastenmonat Ramadan gereicht.

Ende April hat in diesem Jahr für Muslime weltweit der Fastenmonat begonnen. Von Sonnenaufgang bis -untergang verzichten sie für rund einen Monat unter anderem auf Nahrung und Getränke. Rund 70 Muslime kämen normalerweise während des Ramadans in das Gebetshaus in der Straße Am Kanal in Potsdam. Jetzt seien die Räume geschlossen. «Wir haben allen empfohlen, zu Hause zu bleiben», sagte Abdallah. Immerhin gehe es um den Schutz von Menschenleben - in der Gemeinde gebe es viele ältere Menschen.
Zwar dürfen seit dieser Woche Gotteshäuser wieder öffnen. In Potsdam soll die Moschee vorerst aber geschlossen bleiben. «Wir beten gemeinsam, Schulter an Schulter. 1,5 Meter Abstand kann da nur schwer eingehalten werden», so Abdallah. Die Gemeinde plage aber noch ein anderes Problem: «Normalerweise wird beim Freitagsgebet gespendet, auch für unsere Gemeinde.» Diese Spenden würden nun fehlen, vor allem, um die Miete für die Räumlichkeiten zu bezahlen. Geld für Desinfektionsmittel, um den Hygienevorschriften nachzukommen, habe man nicht übrig.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Auch in anderen Gemeinden in Brandenburg verzichtet man auf gemeinsame Treffen während des Fastenmonats. Viele hätten dennoch an der Fastenzeit festgehalten, sagte Grit Bartels, Integrationsbeauftragte der Stadt Cottbus. Normalerweise seien die Gebetsräume gegenüber der Universität gut besucht. Die Räume reichten schon lange nicht mehr aus, sagte Bartels. Seit dem Zuzug vieler Geflüchteter im Jahr 2015 sei die Zahl der Muslime in und um Cottbus erheblich angestiegen.
In Frankfurt (Oder) bietet der Verein «Muslime an der Oder» regelmäßig einen Gebets-Livestream über seinen Facebook-Kanal an. «Das wird gut angenommen», sagte die Vorsitzende, Katrin Rautenberg. «Während des Ramadans hat die Gemeinschaft eine große Bedeutung für uns Muslime», sagte die 34-Jährige, die zum Islam konvertiert ist. «Es ist gut, dass wir so viele Online-Techniken haben. So können wir uns wenigstens sehen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 8. Mai 2020 07:34 Uhr

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