BDI: Fachkräftemangel in Ostdeutschland ist akut

BDI: Fachkräftemangel in Ostdeutschland ist akut

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum gilt in Anlehnung an das alljährliche Weltwirtschaftsforum als «Davos des Ostens»: Im brandenburgischen Bad Saarow wollen sich Anfang dieser Woche 200 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft austauschen.

Eine Schneiderin bedient eine Maschine

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Eine Schneiderin bedient eine Maschine. Foto: Monika Skolimowska/Archivbild

Berlin/Bad Saarow (dpa) - Die ostdeutsche Wirtschaft hat aus Sicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) seit dem Mauerfall enorm gewonnen. «Nach der Wiedervereinigung betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gerade ein Drittel des westdeutschen Niveaus, heute liegt es bei fast 75 Prozent», sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BDI, Holger Lösch, der Deutschen Presse-Agentur vor Beginn des Ostdeutschen Wirtschaftsforums in Bad Saarow an diesem Montag (bis 21. Mai). «Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich mehr als verdoppelt, die Produktivität stieg um das Vierfache.» Überdurchschnittliche Erfolge gebe es in der Infrastrukturausstattung, in der Wohnqualität und im Umweltschutz.
Allerdings herrsche in Ostdeutschland ein akuter Fachkräftemangel, warnte Lösch. Daher müssten Weiterbildung und Qualifizierung intensiviert werden. «Aber auch die Attraktivität für Zuwanderung muss erhöht werden», betonte Lösch. «Offene oder latente Fremdenfeindlichkeit erweist ganzen Regionen einen Bärendienst.»
Wahr sei auch, dass der wirtschaftliche Aufholprozess in Ostdeutschland derzeit stagniere. «Das liegt unter anderem an der kleinteiligeren Wirtschaftsstruktur sowie am Fehlen großer Unternehmen und Konzernzentralen zwischen Ostsee und Erzgebirge, was der langen Teilung geschuldet ist», meinte Lösch.
Beim Thema Kohleausstieg warnte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer vor einer zu einseitigen Betrachtung. «Klimaschutz ist nur dann erfolgreich, wenn er auch Versorgungssicherheit, Preisstabilität und verträglichen Strukturwandel im Auge behält», meinte er. Außerdem stünden beim Kohleausstieg die Existenzen vieler Familien auf dem Spiel. «Die Bundesregierung muss Garantien und Hilfen geben», betonte Lösch. «In den Kohleregionen muss es rasch gelingen, neue und gleichwertige Beschäftigung aufzubauen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 19. Mai 2019 09:20 Uhr

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