Fast 320 000 Euro veruntreut: Ehepaar verurteilt

Fast 320 000 Euro veruntreut: Ehepaar verurteilt

Weil er als Sachbearbeiter einer Versicherung immer wieder Geld abgezweigt und fast 320 000 Euro auf Konten seiner Ehefrau überwiesen hatte, ist ein 33-Jähriger zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den Mann am Dienstag der gewerbsmäßigen Untreue in 109 Fällen schuldig. Gegen die mitangeklagte Ehefrau erging wegen Beihilfe eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Vor einem Gerichtsgebäude steht u.a. eine Statue der Justitia

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Vor einem Gerichtsgebäude steht u.a. eine Statue der Justitia.

Der Schwindel hatte im Sommer 2014 begonnen. Der damals im Bereich der Schadensregulierung tätige Angeklagte habe bei den Taten Zahlungen so deklariert, als wäre eine Versicherungsleistung wegen eines Schadensfalls an einen Großkunden erfolgt, hieß es im Urteil. Die Summen seien auf Konten seiner 33-jährigen Frau gegangen, die das Geld dann auf weitere Privatkonten überwiesen habe. «Sie wusste, dass es sich um illegale Gelder handelte», so die Vorsitzende Richterin. Die treibende Kraft sei allerdings der Ehemann gewesen. «Sie haben das Geld verprasst.»
Das Paar aus dem Stadtteil Lichtenberg hatte gestanden. Er habe den Schwindel «aus Liebe» begonnen, so der Versicherungskaufmann. «Ich wollte meine Frau auf Händen tragen.» Um ihr und seinen Kindern mehr bieten zu können, als es mit einem «normalen Einkommen» möglich war, habe er Schadensfälle erfunden und Großkunden aus der Wohnungswirtschaft untergeschoben. Die Ehefrau erklärte, sie habe mitgemacht, obwohl sie «eigentlich nicht einverstanden» gewesen sei. «Meine Weigerung wäre zu Lasten der Beziehung gegangen.» Im März 2019 war die Untreue entdeckt worden.
Der damalige Versicherungsangestellte galt in dem Unternehmen als Leistungsträger und Vertrauensperson. «Leider war er zum Teil in die Kontrollsysteme involviert», so ein Zeuge. Der Angeklagte habe sich deshalb ausrechnen können, wann Kontrollen drohten.
Das Amtsgericht ordnete die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 318 573 Euro an. Der Staatsanwalt hatte auf drei Jahre und zehn Monate Haft gegen den Mann sowie zweieinhalb Jahre Gefängnis gegen die Frau plädiert. Die Verteidiger verlangten Bewährungsstrafen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 20. Oktober 2020 14:54 Uhr

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