Clanchef-Prozess: Ermittler sollen Fotos von Notizen löschen

Clanchef-Prozess: Ermittler sollen Fotos von Notizen löschen

Der Rapper Bushido muss im Prozess gegen einen bekannten Berliner Clanchef weiter auf die Fortsetzung seiner Aussage warten. Das Landgericht hat am Montag (05. Oktober 2020) zunächst mehrere Steuerfahnder vernommen.

Arafat A.-Ch. (l) geht die Treppe vom Gericht hoch

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Arafat A.-Ch. (l) geht neben einem Polizisten im Landgericht eine Treppe hoch.

Hintergrund ist eine kürzlich unter anderem auf dem Villen-Grundstück des Hauptangeklagten Arafat A.-Ch. im brandenburgischen Kleinmachnow durchgeführte Durchsuchung. Es ging laut Staatsanwaltschaft unter anderem um Ermittlungen wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung.
Die Verteidiger von Arafat A.-Ch. hatten im Zusammenhang mit der Razzia eine Einstellung oder Aussetzung des Prozesses um mutmaßliche Straftaten zu Bushidos Nachteil beantragt. Die Begründung: Es seien unter anderem handschriftliche Notizen fotografiert worden, die Arafat A.-Ch. in einer Verhandlung angefertigt habe. Ein Finanzbeamter sagte am Montag als Zeuge, die Steuerfahndung werde die Fotos nicht verwenden. Sie sollten gelöscht werden. Die Durchsuchung habe auch nichts mit dem laufenden Prozess zu tun.
Die Anwälte des Hauptangeklagten hatten in ihrem Antrag am vergangenen Mittwoch erklärt, die Aufzeichnungen ihres Mandanten seien für seine Verteidigung im jetzigen Verfahren relevant. Ein faires, rechtsstaatliches Verfahren sei unter diesen Umständen nicht mehr gegeben. Über den Antrag hat das Gericht noch nicht entschieden. Zunächst sollten Fragen zur Durchsuchung am 22. September geklärt werden, hieß es. Am nächsten Verhandlungstag am 12. Oktober soll ein weiterer Zeuge zu diesem Thema gehört werden. Verteidiger verlangten am inzwischen zehnten Prozesstag, die Steuerfahndung müsse die Fotos so löschen, dass die Bilder elektronisch nicht mehr rekonstruierbar seien.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Clanchef Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido vor. Drei Brüder von Arafat A.-Ch. sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt. Laut Anklage ist es zu Straftaten gekommen, nachdem Bushido 2017 die Geschäftsbeziehungen auflöste. Arafat A.-Ch. habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionenzahlung sowie die Beteilung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert.
Der 42-jährige Bushido, der mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi heißt, ist in dem seit Mitte August laufenden Prozess am Landgericht der Hauptstadt Nebenkläger und Zeuge. Er soll im Dezember 2017 und Januar 2018 bedroht, beschimpft, eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden sein. Arafat A.-Ch. (44) und Bushido galten einst als Partner im Musikgeschäft. Die Angeklagten haben zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen geschwiegen.
Bushido, der von Personenschützern in den Gerichtssaal begleitet wird, hat vor rund sechs Wochen mit seiner Aussage vor dem Landgericht begonnen. Detailliert äußerte er sich bereits zu den langjährigen Geschäftsbeziehungen zu dem Clanchef und verglich diese mit einer «Zwangsheirat». Unfreiwillig habe er an Arafat A.-Ch. hohe Summen gezahlt und nicht darüber gesprochen. Zudem sei es auch zu gemeinsamen Immobiliengeschäften gekommen. Die Befragung des Musikers wurde durch den Antrag der Verteidiger unterbrochen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 6. Oktober 2020 08:22 Uhr

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