Jugendschutz: Vereine müssen bei Missbrauch genauer hinsehen

Jugendschutz: Vereine müssen bei Missbrauch genauer hinsehen

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch fordern Berliner Kinderschützer von Sportvereinen, bei dem Thema genauer hinzusehen. «Vereine müssen sich hinterfragen, wo es mögliche Risikofaktoren gibt und wie sie mit ihnen umgehen, um Kindern Schutz und Sicherheit zu bieten», sagte die Sozialpädagogin des Berliner Kinderschutzbundes, Sabine Bresche. Vereine seien eine Eingangsmöglichkeit für Menschen, die Kontakt zu Kindern suchen und deren Interessen ignorieren.

Sabine Bresche vom Kinderschutzbund Berlin

© dpa

Sabine Bresche, Koordinatorin in der Beratungsstelle beim Kinderschutzbund Berlin.

Der Kinderschutzbund steht Vereinen für Beratungen zur Verfügung. In den Fachberatungen werde geschaut, welchen Umgang es in den Vereinen gibt. Wie wird damit umgegangen, wenn Kinder nicht duschen wollen oder wenn Kinder sich unfair behandelt fühlen? Die Vereine werden sensibilisiert dafür zu erkennen, wann es einem Kind nicht gut geht.
Am Berliner Landgericht laufen zurzeit zwei Prozesse wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs. Angeklagt sind ein 50 Jahre alter Jugendwart eines Angelvereins und ein 42-jähriger Judotrainer. Dem Jugendwart werden mehr als 350 Übergriffe vorgeworfen. Beim Auftakt gestand er, dass es ab 2018 zu mehreren Taten in einem Wohnwagen gekommen sei. Dem Judotrainer werden 32 mutmaßliche Übergriffe zur Last gelegt.
Die Zahl der registrierten Missbrauchsfälle war in Berlin laut Kriminalstatistik zuletzt gestiegen. 807 Fälle wurden im Jahr 2019 erfasst. Bundesweit sorgten zudem mehrere schwerwiegende Fälle von Kindesmissbrauch und -pornografie in Nordrhein-Westfalen für Entsetzen. Im Komplex «Bergisch Gladbach» sind Ermittler auf Spuren gestoßen, die zu mehr als 30 000 Verdächtigen führen könnten.
Nach dem Bundeskinderschutzgesetz gilt für Menschen, die in Vereinen mit Kindern arbeiten wollen, dass sie ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen, berichtete der Kinderschutzbund. Vereine, die gefördert sind und für die deshalb zusätzlich das Kinder- und Jugendhilfegesetz gilt, müssten dazu Schutzkonzepte und ein Beschwerde-Management vorweisen. Regeln allein schützten aber nicht: Wenn diese bei Verdachtsfällen nicht richtig umgesetzt werden, hilft das beste Papier nichts, sagte Bresche.
Alles in allem sieht die Pädagogin einen positiven Trend. Jugendsportverbände seien sehr aktiv dabei, Risikofaktoren zu verringern. Bestimmt werde es immer noch Vereine geben, bei denen das gar kein Thema ist. «Aber es kommt keiner mehr daran vorbei zu sagen, dass es sexualisierte Gewalt gibt», sagte Bresche.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 18. Juli 2020 10:39 Uhr

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