Bezirksparlament bricht Sitzung wegen Corona-Falls ab

Bezirksparlament bricht Sitzung wegen Corona-Falls ab

Wegen der Corona-Infektion eines Abgeordneten ist eine Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg abgebrochen worden.

Tupfer für einen Corona-Abstrich

© dpa

Ein Arzt hält einen Tupfer für einen Corona-Abstrich in der Hand.

«Es ist eine außerordentliche Situation eingetreten dergestalt, dass ein Bezirksverordneter positiv auf Covid-19 getestet wurde», sagte BVV-Vorsteher Rainer Bosse bei der Zusammenkunft am Donnerstagabend (21. Januar 2021), wie in einem bei Youtube hochgeladenem Video zu sehen ist. «Das zwingt uns an dieser Stelle zum Abbruch der Tagung.» Der fragliche Abgeordnete, ein Mitglied der Linksfraktion, verließ den Tagungssaal umgehend. Er war über sein Testergebnis kurz zuvor telefonisch informiert worden. Daraufhin wurde die Sitzung nach rund einer halben Stunde Dauer zunächst unterbrochen und wenig später nach einer Beratung des Ältestenrates abgebrochen.
Nach Angaben der BVV prüft nun das Gesundheitsamt des Bezirks, welche Konsequenzen der Vorgang für das Kommunalparlament und seine Mitglieder hat. Klar ist, dass der infizierte Abgeordnete in häusliche Isolierung muss. Symptome soll er nicht gezeigt haben. Ob es enge Kontaktpersonen gab und diese ebenfalls in Quarantäne müssen, ist offen. Nach Angaben der BVV wird nun auch geprüft, inwieweit die Abgeordneten künftig online tagen und Beschlüsse fassen können. Das war bisher rechtlich noch nicht so einfach. Das Berliner Abgeordnetenhaus plant hierzu eine Gesetzesnovellierung.
«Vorläufig wird es wohl keine Präsenzsitzungen mehr geben», sagte Linke-Fraktionschef Norman Wolf der Deutschen Presse-Agentur. Er nannte das Vorgehen des Abgeordneten, trotz ausstehenden Testergebnisses zur BVV-Sitzung zu erscheinen, «leichtsinnig». Dieser sei nach einem Kontakt mit einer infizierten Person 16 Tage lang in Quarantäne gewesen. Dann habe er sich freiwillig testen lassen, obwohl das nach Ablauf der Quarantäne nicht vorgeschrieben sei. Das Ergebnis habe er während der Sitzung erhalten und daraufhin umgehend den Saal verlassen.
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Wolf wehrte sich vor diesem Hintergrund vor einer pauschalen Verurteilung des Mannes. «Hätte er sich nicht freiwillig testen lassen, hätte er drei Stunden in der BVV-Sitzung gesessen.» Gleichwohl wolle er das Gespräch mit dem Betreffenden suchen, so Wolf. Die BVV-Fraktion der SPD forderte eine rasche und öffentliche Aufklärung des Falls, aus dem Konsequenzen gezogen werden müssten. Die Frage sei, warum ein BVV-Mitglied trotz ausstehendem Corona-Testergebnis zur Sitzung erschienen sei, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Anja Ingenbleek und Erik Gührs laut einer Mitteilung. Sollte der betreffende Abgeordnete wissentlich die anderen Bezirksverordneten gefährdet haben, sei er für dieses Amt nicht tragbar und müsse zurücktreten. Wolf lehnte das ab.
Wegen der Corona-Pandemie tagt das Kommunalparlament in Lichtenberg seit geraumer Zeit in der großen Aula der Max-Taut-Schule. Zu den Vorkehrungen gehören Maskenpflicht, große Abstände zwischen den Plätzen, Mindestabstand bei Gesprächen und Hygieneregeln.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 22. Januar 2021 12:03 Uhr

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