Von Schmiedekunst bis Hakenkreuz: Ausstellung in Berlin

Von Schmiedekunst bis Hakenkreuz: Ausstellung in Berlin

Einer der ärgsten Gegner gehört zu den frühesten Quellen für die Bezeichnung «Germanen». Der römische Kaiser Julius Cäsar erwähnt den Namen in seinem Kriegsbericht «De bello gallico» als Sammelbegriff für die Gemeinschaft, die zwischen dem ersten Jahrhundert vor und dem vierten Jahrhundert nach Christus die Gebiete rechts des Rheins und nördlich der Donau besiedelten. Mit der Ausstellung «Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme» in der Berliner James-Simon-Galerie und dem benachbarten Neuen Museum stellen das Rheinische Landesmuseum Bonn und das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte die Germanen in den Mittelpunkt einer großen archäologischen Übersichtsausstellung.

Ausstellung - Germanen

© dpa

Eine archäologische Bestandsaufnahme" im Neuen Museum und der James-Simon-Galerie, gezeigt.

Die Aufteilung der rund 700 Exponate mit Neufunden und Leihgaben aus Deutschland, Dänemark, Polen und Rumänien auf zwei Häuser geht auch auf eine inhaltliche Abgrenzung zurück. Die Ausstellung in der James-Simon-Galerie, zentraler Empfangsbereich für das Weltkulturerbe Museumsinsel, will Einblicke in die Archäologie geben. Hier finden sich zahlreiche Beispiele, wie hoch entwickelt das Schmiedehandwerk war und wie die jeweiligen Experten als wandernde Spezialisten ihre Motive in die verschiedenen Regionen trugen.
An einem zentralen Objekt in diesem Teil der Ausstellung, dem sonst in Halle gezeigten Schildbuckel von Gommern aus dem dritten Jahrhundert, lassen sich Verbindungen der Germanen zu den Römern nachweisen. Die Technik der Vergoldung muss der Schöpfer des Werks aus Sicht der Kuratoren im Römischen Reich gelernt, die für den Schild verwendete Farbe von dort mitgebracht haben.
Nebenan im Neuen Museum gibt es für die Ausstellung den Untertitel «Germanen. 200 Jahre Mythos, Ideologie und Wissenschaft». Dafür steht ein sehr besonderer Ort zur Verfügung. Den «Vaterländischen Saal» des Museums beherrscht ein gewaltiges Wandgemälde zur nordischen Mythologie. Es wird interpretiert mit großen Aufstellern und den Ausstellungsstücken in den Vitrinen.
In diesem Teil der Ausstellung werden auch die historisch belasteten Blicke auf die Germanen thematisiert. So sind Beispiele für Rudolf Virchows Versuche zu finden, Germanen anhand von Schädeln zu definieren. In einem NS-Propagandafilm, der den Germanen-Kult stützen sollte, taucht auch ein Stück aus der Sammlung des Berliner Museums auf. Das darauf zu erkennende Hakenkreuz-Symbol wurde im Film eigens farblich verstärkt, um die von den Nazis propagierten germanischen Wurzeln zu belegen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 15. September 2020 15:55 Uhr

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