Abgeordnete streiten um Umbenennung der Mohrenstraße

Abgeordnete streiten um Umbenennung der Mohrenstraße

Ob die Mohrenstraße in Mitte auch künftig Mohrenstraße heißen soll, ist unter den Berlins Abgehordneten hoch umstritten. Die AfD-Fraktion ist dafür. Eine Umbenennung komme überhaupt nicht in Betracht, sagte der AfD-Abgeordnete Martin Trefzer bei der Plenardebatte am Donnerstag. Wer sie umbenennen wolle, versündige sich an der kulturellen Identität der Stadt.

Plenarsitzung Berliner Abgeordnetenhaus

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Die Abgeordneten nehmen an der Plenarsitzung des Berliner Abgeordnetenhauses teil.

Oliver Friederici von der CDU plädierte ebenfalls dafür, den Namen beizubehalten. «Wir halten von Umbenenneritis gar nichts», sagte Friederici. SPD und Linke sahen das anders. Regina Kittler von der Linke-Fraktion betonte, es gehe um das Beseitigen rassistischer Bezeichnungen. Deshalb unterstütze sie eine Umbenennung.
Die Bezeichnung Mohr sei diskriminierend, erklärte auch Sebastian Walter von den Grünen. Er begrüßte die Pläne der Bezirksverordnetenversammlung in Mitte, der Straße einen neuen Namen zu geben. Der Vorwurf, dadurch solle Geschichte getilgt werden, laufe ins Leere, sagte er. Seine Fraktion unterstütze deshalb den Vorschlag, die Straße nach Anton Wilhelm Amo, dem ersten schwarzen Gelehrten in Deutschland, zu benennen. Dafür hatte sich auch Kittler ausgesprochen. Das Plenum überwies den Antrag an die zuständigen Ausschüsse.
Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG hatten Anfang Juli zunächst angekündigt, den Stationsnamen Mohrenstraße in Glinkastraße umzubenennen. Nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) ist eine Straße benannt, die nahe der U-Bahn-Station auf die Mohrenstraße trifft. Nach Vorwürfen, Glinka sei Antisemit gewesen, pfiff der Senat die BVG jedoch zurück. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die auch Vorsitzende des BVG-Aufsichtsrates ist, forderte ein «offenes Verfahren» unter Beteiligung von Verbänden, Initiativen und Anrainern. Über die Umbenennung der Mohrenstraße selbst diskutiert aktuell der Bezirk Mitte.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 20. August 2020 16:24 Uhr

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