Klimaaktivisten besetzen Kraftwerk für über 34 Stunden

Klimaaktivisten besetzen Kraftwerk für über 34 Stunden

Am Wochenende haben Klimaaktivisten ein Heizkraftwerk in Berlin-Moabit besetzt und sind mehr als 34 Stunden auf dem Gelände geblieben. Rund 20 Menschen verschafften sich am frühen Samstagmorgen Zugang zum Steinkohle-Kraftwerk, das aktuell wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb ist. Am Sonntagnachmittag gegen 15.30 Uhr kamen die letzten vier Besetzer, die bei Temperaturen um 35 Grad noch ausgeharrt hatten, von einem Förderkran herunter, wie die Polizei mitteilte.

Besetzter Turm im Heizkraftwerk Moabit

© dpa

Aktivisten der Initiative «Aufstand mit Abstand» auf einem Turm des Heizkraftwerks Moabit.

Mit der Aktion demonstrierten die Aktivisten gegen den Import von Kohle und für einen schnelleren Kohleausstieg in Deutschland. Sie entrollten Transparente mit Slogans wie «Wer uns räumt, ist für Kohle!» und «Wann stellt ihr Menschenleben vor Kapitalinteressen?».
Die Polizei war zunächst mit rund 40 Einsatzkräften vor Ort, griff aber nicht ein. Man warte, bis die Aktivisten aus freien Stücken wieder herunterkämen und nehme dann ihre Personalien für eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs auf, hatte ein Sprecher gesagt.
Nach und nach verließen tatsächlich Besetzer zwei Förderkräne und einen Aschesilo. Die Sprecherin der Gruppe «Direkte Aktion Berlin» widersprach der Darstellung der Polizei, wonach die Identität der Besetzer festgestellt worden sei, bevor sie das Gelände verließen.
Wie die Sicherheitskräfte sah auch ein Sprecher des Kraftwerk-Betreibers Vattenfall keinen Anlass für eine Räumung des Geländes, weil dies mit Risiken für alle Beteiligten verbunden sei. Das Kraftwerk ist momentan nicht in Betrieb, weil es gewartet wird.
Parallel zur Besetzung meldeten die Aktivisten am Samstag in Kraftwerks-Nähe am S-Bahnhof Westhafen eine «Mahnwache» an, zu der am Nachmittag rund 30 Menschen stießen, die vorher am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte unter dem Titel «Steinkohle ist Blutkohle» demonstriert hatten.
Mit ihrer Aktion fordern die Umweltaktivisten unter anderem einen sofortigen Kohleausstieg sowie «ein Ende des fossilen Kapitalismus», wie die Aktionsgruppe mitteilte. Dass in Deutschland nach Plänen von Regierung und Bundestag noch bis 2038 Kohleverstromung genutzt werden soll, sei ein Schlag ins Gesicht für alle, die seit Jahren für Klimagerechtigkeit kämpften.
Im 1900 erbauten Heizkraftwerk Moabit wird Steinkohle und seit 2013 auch Biomasse verfeuert. Betreiber des Kraftwerks am Friedrich-Krause-Ufer ist der schwedische Energiekonzern Vattenfall.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 9. August 2020 16:55 Uhr

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