Süssmuth: Verhüllter Reichstag war friedliche Botschaft

Süssmuth: Verhüllter Reichstag war friedliche Botschaft

Die als «Wrapped Reichstag» bezeichnete Verhüllung des späteren Bundestages vor 25 Jahren war aus Sicht der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth «eine friedliche Botschaft an Berlin und die Welt».

Christo unterhält sich mit Rita Süssmuth

© dpa

Objektkünstler Christo unterhält sich bei einer Preisverleihung mit Rita Süssmuth.

Das berühmte Kunstwerk von Christo und Jeanne-Claude habe für ein anderes Land gestanden. «Das war nicht das aggressive Deutschland. Es war eine Botschaft von Kunst und Kultur, die in die Welt ausstrahlte», sagte Süssmuth der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Süssmuth setzte die Zustimmung für das jahrzehntelang umstrittene Projekt als Bundestagspräsidentin gegen den Willen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des damaligen Fraktionschefs Wolfgang Schäuble (alle CDU) im Parlament durch.
«Mit der geforderten namentlichen Abstimmung konnten sie genau kontrollieren, wo die Stimmen herkamen. Kohls Hoffnung auf ein Scheitern des Projekts war, dass sich die Regierungsmehrheit in der Entscheidung widerspiegeln würde», sagte Süssmuth. Die Befürworter lagen dann mit 292 gegen 223 Stimmen vorn.
Süssmuth erlebte das Projekt um den Reichstag zu allen Tageszeiten. «Die Besucher dort waren in Stille schauende, nachdenkliche, staunende Menschen. Es brachte viele Fremde und Einheimische nach Berlin und war also zugleich auch ein kultureller Austausch vor Ort», sagte die 83-Jährige. «Am schönsten war der Reichstagsrasen, auf dem die Menschen lagen und sahen, wie dieses Kunstwerk als Parlamentsgebäude untätig und doch so wirksam war.»
Mit «Wrapped Reichstag» verhüllten Christo und Jeanne-Claude für zwei Wochen (24. Juni bis 7. Juli 1995) den späteren Bundestag. Das lange umstrittene Projekt, für 13 Millionen Dollar von den Künstlern selbst finanziert, lockte etwa fünf Millionen Menschen nach Berlin.
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| Aktualisierung: Donnerstag, 18. Juni 2020 08:47 Uhr

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