Hitzesommer: Starke Schäden in Berlins Wäldern

Hitzesommer: Starke Schäden in Berlins Wäldern

Die vergangenen beiden Hitzesommer haben Berlins Wäldern massiv zugesetzt: Neun von zehn Waldbäumen zeigten Schäden durch extreme Trockenheit, heißt es im Waldzustandsbericht, den Umweltsenatorin Regine Günther am Mittwoch vorstellte. Die Grünen-Politikerin nannte das eine «kritische Lage». Der Wald als Frischluftversorger und Erholungsraum sei stark gefährdet. Um gegenzusteuern sollten mehr Bäume gepflanzt und ökologisch bewirtschaftet werden.

Regine Günther spricht im Abgeordnetenhaus

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Regine Günther, Umweltsenatorin, spricht während im Berliner Abgeordnetenhaus.

In Berlin sind rund 16 000 Hektar des Stadtgebiets mit Wald bedeckt. Das sind etwa 18 Prozent der Fläche der Hauptstadt. «Die Bestandsaufnahme ist alarmierend», sagte Günther. Fast 59 Prozent der Eichen und 23 Prozent der Kiefern zeigten bei Stichproben gravierende Schäden. Das waren deutlich mehr als im Vorjahr, als bei Buchen 39 Prozent und bei Kiefern 6 Prozent Schäden registriert wurden.
«Das war ein Absturz im zweiten Dürrejahr», sagte Elmar Lakenberg, Leiter der Berliner Forsten. «Seit Beginn der Zeitreihen-Messung im Jahr 1950 hatten wir keine schlechtere Wasserversorgung im Boden.» Zwei solche Dürresommer hintereinander habe es seitdem nicht gegeben.
Trotz bis zu 15 Meter tiefer Wurzeln bekamen viele Berliner Laubbäume bis Ende August nicht genug Wasser und reagierten mit Laub- und Astabwurf. Rund 60 Prozent haben nun hohe Schadstufen. Nadelbäume, die sich über mehrere Jahre regenerieren, hatten es etwas leichter, nahmen aber auch zu fast 23 Prozent Schaden. Für zwei Prozent der Bäume, die für den Bericht genau beobachtet wurden, kam der Regen im Herbst zu spät. Sie starben ab.
Inwieweit sich die Wälder wieder regenerieren können, hängt vom Wetter der kommenden Jahre ab. Bereits zwischen 2003 und 2005 litten Berlins Bäume unter großer Trockenheit, anschließend verbesserten sich die Werte durch mehr regelmäßigen Niederschlag.
Günther kündigte an, dass in diesem Herbst 335 000 neue Laubbäume in Berlins Wäldern gepflanzt werden sollen - rund 80 000 mehr als üblich. Es sollten weiter heimische Arten wie Eichen, Linden, Feldahorn und Haselnuss sein. Bei Eichen greifen die Förster dabei aber auch schon auf Saatgut aus Rumänien zurück. Denn Bäume von dort könnten bei gleicher Frosttoleranz Hitze besser aushalten. Bäume aus dem Mittelmeerraum bekämen dagegen in kalten Berliner Wintern Probleme.
Ziel sind vielfältige, naturnahe und laubholzreiche Berliner Mischwälder, die ökologisch bewirtschaftet werden sollen. Sie gelten Hitze und Trockenheit gegenüber als widerstandsfähiger. Für 2020/2021 stehen mit 32 Millionen Euro für Berlins Wälder rund fünf Millionen Euro mehr zur Verfügung als bisher. Damit würden unter anderem 16 neue Stellen bei den Berliner Forsten finanziert, sagte Günther. Es soll auch mehr Wege und Brunnen geben, um Waldbrände schneller löschen zu können. Um den Klimawandel aufzuhalten, helfe aber nur eine konsequente Reduktion von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Auch dazu müsse Berlin seinen Beitrag leisten.
Berlin beobachtet die Gesundheit seiner Wälder seit 1991 mit einem Stichproben-Netz. Im Sommer werden dafür rund 1000 Bäume kontrolliert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 27. November 2019 14:02 Uhr

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