Fast 30 Obdachlose jetzt mit eigenen vier Wänden

Fast 30 Obdachlose jetzt mit eigenen vier Wänden

Rund 30 ehemalige Obdachlose müssen den Winter nicht mehr auf der Straße und in Notunterkünften verbringen. Sie haben dank des Pilotprojekts Housing First ein Dach über dem Kopf gefunden.

Housing First Obdachlosenhilfe

© dpa

Eine ehemals obdachlose Frau ist im Wohnzimmerbereich ihrer neuen Wohnung. Foto: Carsten Koall/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Fast ein Jahr nach dem Projektstart von Housing First (Zuerst ein Zuhause) sind 29 Berliner Obdachlose in eigene Wohnungen gezogen. 17 weitere Wohnungen sind nach Angaben der Projektpartner in Aussicht. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) hat bislang berlinweit Unterkünfte für 13 Frauen gefunden. «Darüber hinaus haben uns Vermieter elf weitere Wohnungen versprochen», sagte Sprecherin Charlotte Riepe. «Wir sind bisher zufrieden». Ziel sei es, in drei Jahren insgesamt 30 Frauen unterzubringen.
Der ebenfalls beteiligte Verein Neue Chance habe in Kooperation mit der Stadtmission 16 Obdachlose mit Wohnungen versorgt, teilte Sebastian Böwe von der Immobilienverwaltung des Vereins mit. «Eine weitere Person steht kurz vor dem Einzug, und wir haben noch feste Zusagen für mindestens fünf Wohnungen», so Böwe.
Das im Oktober gestartete Modellprojekt strebt an, in drei Jahren bis zu 80 Wohnungen für Obdachlose zu finden. Die Menschen bekommen ohne Vorbedingungen einen unbefristeten Mietvertrag und sozialpädagogische Unterstützung. Sie sollen erst zur Ruhe kommen und dann ihr Leben organisieren können. Zuvor mussten sie viele Voraussetzungen erfüllen, um eine Wohnung zu erhalten, zum Beispiel mögliche Schulden oder Sucht in den Griff bekommen. Daran scheiterten viele.
Wer eigene vier Wände bekam, hat sie bislang behalten. Auszüge gab es nicht. Die ehemals wohnungslosen Mieterinnen im Alter zwischen 23 und 75 Jahren seien zufrieden, so Riepe. Die Frauen werden von Sozialarbeiterinnen begleitet und können die Unterstützung nach Bedarf annehmen. «Manche haben schon eine Arbeit oder Ausbildung gefunden, andere haben eine Therapie begonnen», so Riepe.
Bei vielen Klienten des Projektpartners steht die Gesundheit im Vordergrund: «Bei uns stehen erst einmal Operationen an - vom Grauen Star bis zum fünf Jahre alten Leistenbruch ist alles dabei. Auch eine Drogentherapie wurde begonnen», berichtet Böwe über die Mieter. Die älteste sei fast 70 Jahre alt.
Für das Projekt stellte die Sozialverwaltung in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt mehr als 700 000 Euro zur Verfügung. Die Idee, Obdachlosigkeit auf diese Weise langfristig zu bekämpfen, kommt aus den USA und zeigt auch in einigen europäischen Ländern Erfolge. In Berlin leben Tausende Menschen auf der Straße. Ihre genaue Zahl ist unbekannt, soll im kommenden Jahr aber ermittelt werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 8. September 2019 08:40 Uhr

Weitere Meldungen