BKA-Zeugin rechtfertigt späten Start der Fahndung nach Amri

BKA-Zeugin rechtfertigt späten Start der Fahndung nach Amri

Nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vergingen viele Stunden bevor die Polizei eine bundesweite Fahndung nach dem Attentäter Anis Amri startete. Eine leitende Beamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) hat am Donnerstag als Zeugin in einem Untersuchungsausschuss des Bundestages die Gründe für diese Verzögerung nach dem Anschlag vom 19. Dezember 2016 erklärt.

Die Beamtin sagte, die Ermittler hätten damals befürchtet, dass eine Information an alle Polizeidienststellen schnell öffentlich werden würde. Da Amri, falls sein Bild auf Plakaten oder Zeitungen auftauchen sollte, womöglich hätte um sich schießen oder Geiseln nehmen können, habe man sich zunächst für eine verdeckte Fahndung entschieden. Die bundes- und dann auch europaweite Fahndung begann erst am frühen Morgen des 21. Dezember. Da war Amri, der in Berlin einen Lastwagen gekapert und zwölf Menschen getötet hatte, schon über alle Berge. Er floh quer durch Westeuropa und wurde am 23. Dezember 2016 in Italien von der Polizei erschossen.
Auch bei der Identifizierung des Täters hatte es eine Verzögerung gegeben. Denn die Berliner Polizei hatte die Fahrerkabine des Lastwagens erst am Nachmittag des 20. Dezembers durchsucht - nachdem das Fahrzeug abgeschleppt worden war. Darin fand man eine Duldungsbescheinigung von Amri, die auf einen der falschen Namen ausgestellt war, unter denen er sich in Deutschland als Asylbewerber hatte registrieren lassen.
Die Ermittler hatten damals außerdem nach Angaben der BKA-Beamtin den Hinweis eines ausländischen Nachrichtendienstes erhalten, dass sich Amri wohl noch in Berlin aufhalte. Nähere Angaben zu diesem Hinweis, der sich später als falsch erwies, wollte die Zeugin mit Rücksicht auf diesen Geheimdienst nicht machen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 16. Mai 2019 19:20 Uhr

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