Parzinger: Kolonialismus-Aufarbeitung Aufgabe aller

Parzinger: Kolonialismus-Aufarbeitung Aufgabe aller

Der deutsche Kolonialismus ist Geschichte. Doch die Folgen wirken bis heute. Die Rückgabe kolonialer Objekte ist Dauerthema - auch für Experten im Kulturausschuss des Bundestages.

Hermann Parzinger

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Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Berlin (dpa) - Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte ist aus Sicht des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. «Es kann kein Zweifel sein, dass Kolonialgeschichte eine Geschichte von ungleicher Macht, Repression Ausbeutung und Rassismus war und ist», sagte Hermann Parzinger am Mittwoch in Berlin während einer Anhörung des Kulturausschusses des Bundestages. «Da gibt es doch nichts zu beschönigen.» Diese Geschichte betreffe «auch die Museen, aber nicht nur». Dies sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, «gerade einer Gesellschaft wie heute in Deutschland, die von Zuwanderung geprägt ist».
Die Museen wüssten, dass sie sich bewegen müssten. Dies sei auch bereits geschehen. «Andere reden noch, Deutschland gibt ja auch bereits zurück», sagte Parzinger mit Blick auf die Debatte in Frankreich. Es sei aber «ganz wichtig», etwa Herkunftsfragen differenziert zu betrachten «und das hat nichts mit Zeitgewinn oder Ähnlichem zu tun», sagte Parzinger. Allein die staatlichen Museen der Berliner Stiftung verfügen über etwa eine halbe Million Objekte.
Die Wissenschaftlerin Bénédicte Savoy, die zusammen mit ihrem Kollegen Felwine Sarr in einem Bericht für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron umfassende Rückgaben gefordert hatte, verwies darauf, dass «die gegenwärtige Präsenz großer afrikanischer Sammlungen in den Museen Europas ein Ergebnis der europäischen Kolonialgeschichte ist». Das sei historischer Fakt und statistisch belegt. Bemühungen für Restitutionen vor 40 Jahren seien gescheitert «am organisierten Widerstand der deutschen Museen und von Kunsthistorikern».
Aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) geht es darum, sich «gemeinsam unserer historischen Verantwortung zu stellen». Für Menschen aus den Herkunftsstaaten und Gesellschaften müsse erfahrbar gemacht werden, was überhaupt in den deutschen Kultureinrichtungen vorhanden sei. «Erfassung, Digitalisierung und Veröffentlichung von Beständen und Inventare sind daher dringend erforderlich.»
Die für internationale Kulturpolitik zuständige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering (SPD), sprach von einem Moment, in dem Deutschland und Europa versuchten, die koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten. Die sei «eine Chance, zu einer politischen Debatte zu kommen, die die gesamte Gesellschaft mit einschließt».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 3. April 2019 18:40 Uhr

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