Straftäter zu Anis Amri: Anschlag für unmöglich gehalten

Erst drei Monate nach dem Berliner Terroranschlag ist ein Bekannter des Attentäters Anis Amri nach eigener Schilderung erstmals von der Polizei befragt worden. Der verurteilte Straftäter sagte am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss zu dem Anschlag, er habe es für «unmöglich» gehalten, dass Amri das Attentat verübt habe. «Ich habe nicht gespürt, dass er hasserfüllt war», sagte der 28-jährige Tunesier im Gefängnis Moabit. Er habe davon vorher nichts gewusst. Aus Sicherheitsgründen wurde er in der Justizvollzugsanstalt befragt.
Untersuchungsausschuss Fall Amri
Der Zeuge Mohammed D. wird in den Konferenzsaal der JVA Moabit geführt. Foto: Britta Pedersen © dpa

Der Straftäter war nach einer Schlägerei im Drogenmilieu zu einem Jahr und acht Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung, Waffendiebstahls und Einbruchs verurteilt worden. Nach dpa-Informationen soll er demnächst abgeschoben werden.

Der islamistische Attentäter Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert. Zwölf Menschen starben durch den Anschlag, mehr als 70 wurden verletzt. Der Tunesier Amri, der sich mit verschiedenen Identitäten als Asylbewerber in mehreren Bundesländern aufhielt, wurde auf der Flucht von italienischen Polizisten erschossen.

Laut Urteil hatte der 28-jährige Straftäter zusammen mit Amri und weiteren Männern im Juli 2016 in einer Bar im Stadtteil Neukölln eine andere Gruppe mutmaßlicher Drogendealer attackiert. Schon vor dem Attentat war Amri im Fokus von Polizei und Justiz. Es gelang aber nicht, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Er war in Berlin auch als Drogendealer bekannt.

Der 28-Jährige schilderte Amri als frommen Muslim, der regelmäßig betete. In welche Moscheen er ging, wisse er nicht. Fussilet-Moschee? «Ich schwöre, dass ich diesen Ort nicht kenne». In der Moschee war Amri regelmäßig, und auch kurz vor dem Anschlag. Beide Tunesier wohnten laut Schilderung eine zeitlang zusammen. Er habe nicht erlebt, dass Amri Drogen genommen oder Alkohol getrunken habe, so der Gefangene.

Quelle: dpa
Aktualisierung: Samstag, 17. März 2018 10:30 Uhr
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