Aktuelles und Termine der Seniorenvertretung Treptow-Köpenick

Termine und Veranstaltungen

Aktuelles

Sitzung der Seniorenvertretung

13. November 2017 um 10.00 Uhr
in der Sozialstiftung Köpenick
Werlseestr. 37, 12587 Berlin

Thema: Wohnteilhabegesetz
Referent: Herr Kleibs, Geschäftsführer der Sozialstiftung Köpenick

sowie Bericht des Vorstandes und Berichte aus den Gremien

Alle Sitzungstermine der Seniorenvertretung und die Protokolle finden Sie hier.

Seniorenforum

Bezirksbürgermeister Herr Oliver Igel und die Vorsitzende der Seniorenvertretung Frau Dr. Johanna Hambach laden ein.

“Senioren fragen – Stadträte antworten”

21. November 2017 um 16.00 Uhr im Ratssaal des Rathauses Köpenick,
Alt-Köpenick 21, 12555 Berlin

Thema: “Älter werden im Kiez” – Welche Rahmenbedingungen brauchen wir?

Senioren im Kiez - Wir bewegen uns und andere

2016 ist das Jahr des Endspurts für die Arbeit der jetzigen Seniorenvertretung. Ihre Wahlperiode endet im April 2017. Es gilt Rechenschaft abzulegen und die Weichen für die „Neuen“ zu stellen. Was wir in den letzten fünf Jahren getan haben, dazu sind einige Beispiele in dieser kleinen Broschüre zusammengestellt worden.

Senioren im Kiez - Wir bewegen uns und andere

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Prominenz beim Netzwerk Leben im Kiez

Herr Müntefering und Herr Maas im Ratssaal Rathaus Köpenick
v. l. n. r.: Herr Müntefering, Herr Maas, Herr Igel, Frau Walter Bild: Helga Walter, Seniorenvertretung Treptow-Köpenick

Das Netzwerk Leben im Kiez (LIK), das seit 2007 Hilfen und Informationen für Menschen mit Unterstützungsbedarf vermittelt, hatte hohen Besuch und das kam so:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisationen (BAGSO) hat eine Broschüre mit dem Titel „Zu Hause gut versorgt“ herausgegeben. Hier erfahren die Lesenden alles über Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten. Leider reicht diese Broschüre allein auch nicht aus, wenn Suchende nicht wissen, wo in ihrem Umfeld diese Hilfe zu finden ist. Nun wollten der Vorsitzende der BAGSO, Herr Müntefering, und der Minister für Verbraucherschutz, Herr Maas, vor Ort sehen, wie diese Hilfen vermittelt werden können.

Das Netzwerk Leben im Kiez ist in Berlin das Einzige der Art, und so ergab es sich, dass ein Termin zu einem Gespräch mit den Kooperationspartnern des LIK vereinbart wurde.
Am 16. Juni 2016 von 10.30 – 12.00 Uhr fanden sich 22 Kooperationspartner im Ratssaal des Rathaus Köpenick ein, um mit Herrn Maas und Herrn Müntefering dieses Gespräch zu führen.
Der Bezirksbürgermeister Herr Igel begrüßte die Gäste. Herr Maas und Herr Müntefering erklärten ihre Gründe für dieses Treffen. Frau Walter, die Sprecherin des LIK, schilderte die Entstehung des LIK, die Erfolge, aber auch die Schwierigkeiten für die Umsetzung ihrer Ziele.

Zur Zeit leiten 5 Ehrenamtliche als Koordinierungsgremium das LIK. Das Büro ist mit 2 Ehrenamtlichen für die Büroarbeit besetzt und an 2 Tagen sind Ehrenamtliche für die telefonische Sprechstunde im Büro. Frau Walter beklagte, dass die meisten älteren Menschen es ablehnen, sich frühzeitig mit den Möglichkeiten der Unterstützung bzw. der Versorgung im Falle des Pflegebedarfs zu informieren. Sie hört meistens den Satz: “Das mache ich, wenn es so weit ist.”. Die Praxis aber zeigt, dass es dann oft zu spät ist, sich eingehend zu informieren, zu vergleichen und für sich das Gewollte auszuwählen. Sie ging auch auf die Probleme bei der medizinischen Versorgung und der Bewilligung der Pflegestufen ein.

Der Bezirksstadtrat für Arbeit, Soziales und Gesundheit Herr Klemm beschrieb die Initiativen, die der Bezirk für die Seniorinnen und Senioren jedes Jahr verwirklicht. Dazu gehören die 10 kommunal geführten Kiezklubs, die Dampferfahrten mit den Ehrenamtlichen sowie den Empfängerinnen und Empfängern von Grundsicherung, die Schulungen für die Mitglieder der Sozialkommissionen, die Finanzierung der Sternenfischer und vieles mehr. Damit ist sein Budget ausgelastet.

In der Diskussion wurde immer wieder darauf verwiesen, dass in dem großen Bezirk eine Stelle einer/eines Koordinatorin/Koordinators nötig ist. Es wurde aber betont, dass die Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen und der gewerblichen Anbieter von Pflege- und Unterstützungsleistungen sehr gut funktioniert und der Konkurrenzgedanke außen vor bleibt. Es wurde vorgeschlagen, dass die Bundesregierung, z.B. Plakatkampagnen, anregen sollte, auf denen die Notwendigkeit der rechtzeitigen Information in geeigneter Form angepriesen wird.

Herr Maas stellte fest, dass eine solche Vielfalt von mit einander arbeitenden Akteuren vor Ort verwirrend und sicherlich einmalig ist.
Im Fazit versprach Herr Minister Maas, mit Herrn Müntefering das Gehörte zu reflektieren und zu sehen, ob mit dem Verbraucherministerium daraus etwas abzuleiten ist.

Wir hoffen sehr darauf und bedanken uns noch einmal, dass wir im Interesse der Politik standen!

Helga Walter, Seniorenvertretung
Sprecherin des LIK

Berlin, den 16.06.2016

25 Jahre Ehrenamt - 25 Jahre Seniorenvertretung Treptow-Köpenick

Als am 03. April 1991 die erste Seniorenvertretung in Treptow gewählt wurde, war ich als Kandidatin des Behindertenvereins Treptow mit dabei. Mit Unterstützung von Mitgliedern der Seniorenvertretung Neukölln wurde die Wahl durchgeführt. Ich habe mich gefreut, dass ich mit allen Stimmen in die Seniorenvertretung gewählt wurde. Damals habe ich nicht gedacht, dass daraus einmal 25 Jahre werden würden. Von Anfang an bis 2012, also 21 Jahre, war ich im Vorstand für die Finanzen zuständig. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich dieses Amt an meine Nachfolgerin übertragen.

Als Mitglied der Seniorenvertretung vertrete ich die Interessen der älteren Menschen. Mir ist wichtig, dass ältere Menschen und Menschen mit Handicap in allen Lebenslagen teilhaben können am gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben.
Diese Jahre des Ehrenamtes im Besonderen als Mitglied der Seniorenvertretung waren geprägt vom Willen, Menschen mit und ohne körperlicher Einschränkung bei ihren Problemen und Alltagssorgen zu unterstützen und zu begleiten. Dazu gehört z. B. beim Demenzwandertag – er findet einmal im Jahr statt – die Begleitung und Unterstützung von Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorencentrums Vitanas „Bellevue“. Das jährliche gemeinsame Backen von Plätzchen zu Ostern und Weihnachten mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, Einzelbetreuung und Besuche im Krankenhaus gehören zu meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Das gemeinsame Kochen von Marmelade war immer ein schönes gemeinsames Erlebnis.

Die Jahre in der Seniorenvertretung sind geprägt von einer großen Gemeinschaft, die ein gemeinsames Ziel hat. Man lernt viele Menschen kennen und freut sich, wenn man helfen kann. Das Miteinander wurde auch geprägt durch gemeinsame Unternehmungen, z. B. einer Reise nach Bad Zwischenahn – der Partnerstadt von Treptow-Köpenick und der Seniorenvertretung. Das jährliche „Dankeschönfest“ im Hotel und die Dampferfahrten sind Höhepunkte, die dem gemeinsamen Austausch dienen. Es gab noch zahlreiche andere Veranstaltungen und Weiterbildungsmaßnahmen, dies sollte nicht unerwähnt bleiben.

Das Alles sind Erinnerungen, die bleiben. Dabei wird auch der eigene Entschluss gestärkt, sich noch mehr ehrenamtlich einzubringen zum Wohle der älteren Menschen und der Menschen, die in ihrem Alltag mit Einschränkungen leben müssen.

Zum Abschluss meines kleinen Rückblicks möchte ich noch erwähnen, dass ich Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung, Mitglied beim Verband der Volkssolidarität – AG Senioren/innen sowie seit 2015 Heimfürsprecherin im Seniorencentrum Vitanas „Bellevue“ bin.

Eva Eisentraut

Seniorenvertreter – eine Herausforderung im Ehrenamt

Als ich mich vor fünf Jahren bewarb, die Interessen von Seniorinnen und Senioren zu vertreten, war mir keineswegs der Umfang dieses Engagements klar. Die Vorstellungsrunde in den fünf Kiezklubs, in denen dann die Wahl stattfand, war schon die erste Herausforderung. In einer Mischung von persönlicher Vorstellung, verbunden mit dem Versuch, auch die eigenen Ideen der zukünftigen Arbeitsschwerpunkte zu formulieren, versuchte ich den anwesenden Seniorinnen und Senioren nahezubringen, mir ihre Stimme bei der anstehenden Wahl zu geben. Dies muss mir wohl gelungen sein, da ich dann mit recht gutem Ergebis gewählt wurde und anschließend durch die Stadträtin für Arbeit, Soziales und Gesundheit mit 16 anderen Seniorenvertretern und Seniorenvertreterinnen berufen wurde.

In gemeinsamen Sitzungen legten wir dann die Schwerpunkte der künftigen Arbeit fest. Zum Teil waren bereits die „alten Hasen“ in unterschiedlichsten Einrichtungen ehrenamtlich tätig und übernahmen diese Verantwortlichkeit auch weiterhin. Da im Bezirk zahlreiche soziale Einrichtungen, z. B. Kiezklubs, Pflegeeinrichtungen existieren, ist es nicht einfach, Menschen zu finden, die sich dort kontinuierlich engagieren und als Mittler zwischen der Sozialverwaltung und den Seniorinnen und Senioren tätig sind. Ich hatte mich bereit erklärt in zwei Kiezklubs und einer Pflegeeinrichtung aktiv zu sein. Nebenbei ergab es sich, dass ich mich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der Seniorenvertretung einbringen konnte.

Meine ersten vorsichtigen Kontakte mit dem KIEZKLUB Treptow-Kolleg waren von Erfolg gekrönt, allerdings war es nicht so einfach, auch von den „Stammbesuchern“ als „Seniorenvertreter“ akzeptiert zu werden. Der KIEZKLUB hatte bereits eine feste Struktur an regelmäßigen Veranstaltungen, die von den Seniorinnen und Senioren gut besucht wurden. Zur KIEZKLUB-Leiterin Frau Sayili fand ich auf Anhieb einen sehr guten Kontakt, und wir überlegten gemeinsam, mit welchen Veranstaltungen wir den Seniorinnen und Senioren ein zusätzliches Angebot machen könnten. Mit Informationsveranstaltungen, Diskussionsrunden und Gesprächsangeboten erweiterten wir das Programm-Angebot. Bei einer gemeinsamen Busfahrt konnte ich die Gelegenheit nutzen, mich und meine Aufgabe in der Seniorenvertretung bekannt zu machen.

Im Laufe der Zeit hat es sich herumgesprochen, dass ich Hilfestellung gebe, wenn es darum geht, einen Antrag bei der Pflegeversicherung zu stellen oder auch zur Seite stehe, wenn es zu einer Begutachtung durch den medizinischen Dienst kommt. Bei der Antragstellung zur Erlangung der Witwen-/Witwerrente konnte ich ebenfalls helfen. Auch bei Aktivitäten und Veranstaltungen im KIEZKLUB bin ich gerne dabei. Bei der neu eingerichteten Fahrradgruppe wirke ich mit und entdeckte so manch schönen Fleck in unserem Bezirk. Die Moderation des Sommerfestes vom KIEZKLUB Treptow-Kolleg übernahm ich im letzten Jahr zum zweiten Mal. Im KIEZKLUB bringe ich mich im Beirat ein und freue mich, dass die KIEZKLUB-Leiterin Frau Sayili das Gespräch mit mir sucht und ich ihr meine Unterstützung zukommen lassen kann.

Als nächste Projekte haben wir Einstiegskurse für Seniorinnen und Senioren zum Kennenlernen des Notebooks vorgesehen und werden auch unser Angebot wiederholen, die Bedienung des Smartphones zu erleichtern. Diese Angebote werden inzwischen auch in anderen KIEZKLUBs gemacht.

Meine ehrenamtliche Tätigkeit erstreckte sich auch auf die Teilnahme an Sitzungen der Ausschüsse der Bezirksverordnetenversammlung, hier insbesondere der Ausschuss für Wirtschaft und Touristik. Kontakt mit der Leitung eines Pflegeheimes zu erhalten, war recht schwierig und lange Zeit nicht von Erfolg gekrönt. Durch den Besuch einer mir bekannten älteren Dame in diesem Pflegeheim ist es mir dann doch gelungen, mich mit der Leitung des Hauses bekannt zu machen. Ich habe mich bereit erklärt, auf ehrenamtlicher Basis mit meist dementen zu Pflegenden stundenweise spazieren zu gehen. Inzwischen ist dies zu einer ehrenvollen Aufgabe geworden, bei der ich durchaus auch mal mit vier Personen gleichzeitig einen Spaziergang machen kann. Ich versuche, bei meinen Besuchen im Pflegeheim auch die Lebenssituation der Betroffenen aufzunehmen, was mich doch zum Teil mit großen Sorgen erfüllt. Ich habe den Eindruck, dass die finanzielle Belastung der Betroffenen in keinem guten Verhältnis zur erbrachten Leistung steht.

Hier musste ich auch feststellen, dass die baulichen Voraussetzungen nicht in Ordnung waren. Ein vorgesehener Fluchtweg über das Treppenhaus war verschlossen und nur über einen Schlüssel, den die jeweilige Pflegekraft hatte, zu öffnen. Nach intensiven Gesprächen mit der Heimleitung wurde dieser Zustand, durch Einbau von Beschlägen mit Drehknöpfen, korrigiert. Die Essen-Versorgung der dementen alten Menschen ist nicht zufriedenstellend gelöst, hier bin ich bemüht, eine Veränderung herbeizuführen, dies wird allerdings noch mit einigen Gesprächen verbunden sein. Die personelle Ausstattung des Heimes erscheint mir keineswegs ausreichend, jedoch bedarf es hier einer sachlichen Prüfung. Auf meine Initiative gab es eine kleine Anfrage in der BVV hinsichtlich der Baubegehung von Seiten des Bezirkes. Die Antwort des zuständigen Stadtrates war „… ja wir haben den gesetzlichen Auftrag in einem Zeitraum von 1 bis 5 Jahren zu kontrollieren, können jedoch dieser Aufgabe nicht nachkommen, mangels Personal und finanzielller Ausstattung“. Diese Antwort kann natürlich nicht zufrieden stellen, da damit ein sehr großes Gefährdungspotential verbunden ist.

Es gibt noch viel zu tun, fühlen Sie sich auch angesprochen zum Beispiel in der Seniorenvertretung mitzuwirken, um die Lebensumstände von Seniorinnen und Senioren zu verbessern und ihre Interessen gegenüber der Verwaltung aktiv zu vertreten.

Martin Schmidt-Bugiel, Ihr Seniorenvertreter

Klimawandel, eine Betrachtung

So genau kennen wir ihn nicht, den Klimawandel, seine Auswirkungen schon. Hitzeperioden, Stürme, Überschwemmungen, die Winter werden milder und es gibt weniger Schnee.

Theoretisch ist ja keiner gegen den Klimawandel, aber wenn es um persönliche Einschränkungen geht, um eine Abkehr von Altgewohntem, dann sieht das schon anders aus. Das beginnt schon im häuslichen Bereich, bei der Senkung des Energieverbrauchs bei der Heizung, Kühlung, Beleuchtung, Lüftung, beim Fernsehen und am Computer.

Und in der Wirtschaft und dem Verkehr bedeutet das letztlich den Verzicht auf den Einsatz fossiler Energieträger, also Kohle und Öl. Dafür wurde ein neues Wort gefunden, Dekarbonisierung, es wird uns noch oft begegnen. Einen Königsweg zur Umkehr des Klimawandels gibt es nicht, aber unendlich viele Pfade, die wir gemeinsam ausbauen und begehen müssen. Ein Maßnahmemix. Und eines ist klar, die Initiativen müssen von den Metropolen, von den Großstädten als größtem Energieverbraucher ausgehen. Größter Energieverbrauch geht leider einher mit einem größten Ausstoß von Treibhausgasen.

Der UNO – Klimagipfel vom 30.11 – 12.12.2015 in Paris machte es noch einmal deutlich: Das Ziel ist klar – die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2° C möglichst 1,5° C. Das bedeutet eine radikale Reduzierung der CO2 Emissionen, weltweit.

Hier die Ausgangsposition:

Die Welt ist aufgeteilt in Industrieländer auf der einen Seite sowie Entwicklungsländer und Schwellenländer auf der anderen Seite. Diese Einstufung rührt noch aus einem 24 Jahre alten Vertrag, der letztlich auch die Grundlage für einen neuen Klimavertrag sein soll. So wünschen es die Entwicklungsländer und Schwellenländer.

Die Industrieländer haben sich bereit erklärt diese Länder sowohl finanziell als auch mit um-weltfreundlichen Technologien zu unterstützen, machen aber deutlich, dass viele Entwicklungsländer und auch Schwellenländer bereits über diesen Status hinausgewachsen sind. Darüber hinaus wollen sich Staaten wie die USA, China, Russland, Indien, Saudi-Arabien und weitere sich nicht in die Zielstellungen der Klimakonferenz einbinden.

Zu Beginn der Klimakonferenz haben die anwesenden Staatschefs und Regierungsmitglieder (196) freundlich in das Eröffnungsbild gelächelt, davon blieb leider in den Beratungen nicht sehr viel übrig. Es wurde um Formulierungen und Schuldzuweisungen gestritten. Saudi-Arabien z. B stünde demnach vor einem radikalen Umbau seiner Wirtschaft, und müsste als großer Ölproduzent einen Ausstieg aus dem Öl beschließen.

Natürlich wurde jede Möglichkeit zum Einspruch genutzt, gemeinsam mit Erdölländern wie Russland, Venezuela, Bolivien und anderen.

Wie kann man diese Widersprüche lösen?

Und was sollen die Inselstaaten tun, für die der Anstieg des Meeresspiegels bereits jetzt eine Überlebensfrage ist?

Ein Weltklimavertrag ist leider noch nicht in Sicht, trotzdem bewerten die meisten Politiker und Umweltverbände das erarbeitete Abkommen als einen Durchbruch ? in der Klimapolitik. Als Schwachpunkte des Abkommens gilt aber der Verzicht auf bindende Ziele für den CO2 – Ausstoß und die fehlende Einklagbarkeit für die im Vertrag enthaltenen Hilfen an ärmere Staaten.

Um es genauer zu sagen :

„Das Abkommen ist zwar völkerrechtlich bindend, jedoch drohen keine Strafen bei der Missachtung der Vertragspunkte. “ Ein Durchbruch sollte meines Erachtens anders aussehen. Grundsätzlich sollte sich aber niemand von einer bislang fehlenden Einigung der Staaten mutlos machen lassen. Jede Idee, und jeder Gedanke sind dringend gefragt, alle müssen einbezogen werden. Dabei tragen die Metropolen eine hohe Verantwortung, eine Verantwortung die erkannt und schrittweise wahrgenommen wird. Das ist schon eine Aufgabe, in einigen Jahrzehnten den Ausstoß von Treibhausgasen auf null zu senken! Einzelne Städte sind Vorreiter und damit schneller als ihre Länder. Paris ist an den Wochenenden autofrei, die Ausdehnung auf die ganze Woche ist in Vorbereitung. Kopenhagen ist die Umwelthauptstadt Europas, die Klimaneutralität ist für 2020 geplant. Der historische Teil Kopenhagens ist autofrei. Die positiven Beispiele ließen sich fortsetzen.

Klimaneutralität, das bedeutet nicht vermeidbare CO2 Emissionen durch Aufforsten zu entsorgen. Das ist leicht zu merken, Energieträger hauptsächlich Sonne, Wind und Wasser. CO2 Entsorgung muss durch unsere Vegetationsflächen erfolgen! Leider haben wir seit Beginn der industriellen Revolution unsere Vegetation, insbesondere die Wälder, massiv gestört.

Wie sieht s in unserer Hauptstadt aus?

Am 5.11.2015 fand zu eben diesem Thema im Haus des Berliner Verlags ein Stadtforum statt. Von Seiten des Senats nahmen an dieser Veranstaltung der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Herr Geisel, sowie der Staatssekretär für Umwelt und Verkehr, Herr Gaebler, teil. Es begann zwischen dem Publikum und den anwesenden Klimaexperten eine muntere Diskussion. Eingangs gab der Senator die Zielstellung bekannt, nämlich die Klimaneutralität bis zum Jahre 2050. Dazu ist in Berlin der Ausstoß von CO2 um 85 % zu senken. Geht das? Freimütig gab er zu, dass diese Zielstellung noch nicht untersetzt sei, an einem Energiewendegesetz wird derzeit gearbeitet. Der Beschluss – so fuhr er fort, ist ein Wert an sich. Jeder Bürger, jedes Unternehmen, jede öffentliche und private Organisation, jeder Veranstalter sollte in dieser Richtung seinen Verantwortungsbereich gestalten.

Aber der Klimaschutz kann nicht verordnet werden, keine Moralisierung der Bevölkerung aber klimaschädliches Verhalten sollte nicht geduldet werden. Alle 5 Jahre legt der Senat öffentlich Rechenschaft über erreichten die Ergebnisse ab. Diese Überprüfungstermine sollte man verkürzen! In der Diskussion wurde als absoluter Schwerpunkt aller Maßnahmen die Einbeziehung der Bürger gefordert. Viele Vorschläge kamen aus dem Publikum, hier nur einige:

• Elektroautos zu teuer.
• Ersatz älterer Haushaltsgeräte ( Stromfresser)
• Verbesserung des ÖPNV
• Parkplatzbau nur an den Stadträndern
• Autofreie Stadt, vorerst an Wochenenden
• Straßenraum für Fahrräder erweitern
• Fahrradmitnahme in den Bahnen zu teuer
• Carsharing erweitern
• Flugreisen in ferne Gegenden reduzieren
• Projekttage an Schulen
• Sanierungen – Fassaden, Fenster, Schulen
• Verpackungsbetrug ahnden
• Keine TV – Werbung für Dinge die keiner braucht
• Stärkere Koordinierung von Wissenschaft – und Forschungseinrichtungen
• Ideenkonferenzen
• Keine Billigprodukte produzieren
• Keine Pappbecher, zusammenlegbare in der Handtasche
• Braunkohlentagebaue schließen, verlässliche Ersatzkapazitäten vorhanden
• Städtische Landwirtschaft

Die Debatte hat begonnen, Anregungen und Kritiken werden in das Energiewendegesetz und Klimaschutzprogramm aufgenommen. Es muss Druck gemacht werden, Druck von der Bevölkerung. Aber der Staat, die Politiker, müssen vorangehen.

Die Zeit drängt helfen wir alle, kritisieren wir gegen Unzulänglichkeiten soweit erforderlich.

Es geht nicht darum die Wirtschaft und unsere Lebensart zu belasten, sondern darum, gemeinsame Zukunftsstrategien zu entwickeln.

Peter Strehmel, Seniorenvertreter

Der siebente Altenbericht ist erarbeitet

Das Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend gab der 2012 gegründeten Sachverständigenkommission von 11 Experten den Auftrag, den siebenten Altenbericht zum Thema „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ zu erarbeiten.

Dieser Bericht liegt nun vor und wurde am 06. Oktober 2015 an die Ministerin übergeben. Darin heißt es in der Veröffentlichung zur Übergabe: „Für den Lebensalltag älter werdender Menschen haben das kommunale und das lokale Umfeld eine besondere Bedeutung: Die Kommune ist als kleinste räumlich politische Verwaltungseinheit hauptzuständig für die Daseinsvorsorge der Bürger und Bürgerinnen; gleichzeitig bestimmen die lokale Infrastruktur und sozialen Netzwerke in der örtlichen Gemeinschaft maßgeblich die Qualität des Lebens im Alter mit. Durch den demografischen und sozialen Wandel findet kommunale Politik für ältere Menschen unter sich verändernden Bedingungen statt. Insbesondere die Alterung der Gesellschaft, Binnenmigration sowie die Veränderung von Familienstrukturen stellen die Kommunen im Hinblick auf die Gestaltung der Lebensverhältnisse älterer Menschen vor neue Herausforderungen. Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen wird im siebenten Altenbericht die Frage gestellt, welchen Beitrag die kommunale Politik und örtliche Gemeinschaften leisten können, um die soziale, politische und kulturelle Teilhabe und eine möglichst lange selbstständige Lebensführung älter werdender Menschen sowie ein aktives Altern in Selbst- und Mitverantwortung sicherzustellen.

Mit der Übergabe des Berichts ist die Arbeit der Kommission beendet. Die Bundesregierung wird nun eine Stellungnahme zum Kommissionsbericht erarbeiten. Der so ergänzte Bericht muss dann vom Kabinett beschlossen und dem Deutschen Bundestag zugeleitet werden.

Veröffentlicht wird der siebente Altenbericht voraussichtlich im zweiten Quartal 2016.“ Es bleibt zu hoffen, dass von der Bundesregierung daraus nun auch die richtigen Schlussfolgerungen getroffen werden und die Bundesländer für den Aufbau sozialer Netzwerke und der lokalen Infrastruktur mehr Finanzen erhalten.
Die Seniorenvertretung in Treptow-Köpenick hat bereits 2007 mit dem Aufbau von Strukturen zur Sorge um den Menschen mit dem Netzwerk Leben im Kiez (LIK) begonnen. Weil es bis jetzt keine Aufgabe der politischen Verwaltung des Bezirkes ist, fehlen dafür Gelder. So werden zur Zeit die Vernetzungsaufgaben im Bezirk Treptow-Köpenick von einem Koordinierungsgremium mit fünf ehrenamtlich arbeitenden Engagierten durchgeführt, die von der Notwendigkeit des Netzwerkes schon lange überzeugt sind. Es war bis jetzt ein großer Kraftaufwand, 30 Kooperationspartner mit verpflichtend festgelegter Unterstützung zu gewinnen. Ihnen sei dafür herzlich gedankt!

Der Aufbau von funktionierenden Netzwerken kann nicht ohne fest finanzierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgen. Es wird nie eine abgeschlossene Aufgabe sein. Die Lebensbedingungen ändern sich ständig und deshalb muss solch ein Netzwerk immer dem Bedarf angepasst werden.

Ich hoffe sehr, dass unsere Kraftreserven noch so lange reichen, bis die Bundesregierung zur Einsicht kommt.

Helga Walter
Seniorenvertretung
Koordinierungsgremium – Öffentlichkeitsarbeit

Gedanken zur Arbeit als Seniorenvertreter

Nachtrag zum Protokoll vom 15.12.2015 – Tagesordnungspunkt „Bilanz 2015 – Visionen 2016“.

Als sehr positiv schätze ich ein, dass sich in der Seniorenvertretung Menschen zusammengefunden haben, die sich ehrenamtlich engagieren und mit ihrem Engagement auch im politischen Umfeld des Bezirks bzw. des Landes Berlin Denkanstöße geben wollen, das Leben von älteren Bürgerinnen und Bürgern angenehmer zu machen, sie am gesellschaftlichen Leben, auch nach Ausscheiden aus dem Berufsleben, weiterhin in möglichst vollem Umfang teilhaben zu lassen. Es gibt auch eine Menge Fehlentwicklungen, in denen im Besonderen ältere Menschen, vor allem wenn sie körperliche oder geistige Beeinträchtigungen haben, ausgegrenzt werden. Diesen Fehlentwicklungen gilt es mit aller Kraft entgegenzuwirken.

Ich möchte mal einige Beispiele nennen: So ist zum Beispiel das Verbleiben in der gewohnten Umgebung keineswegs gesichert, bedingt durch knappen Wohnraum, durch eine große Nachfrage nach Wohnungen, die preiswert sind. Durch einen rasanten Anstieg der Wohnkosten, im Besonderen der Nebenkosten, ist es besonders für ältere Menschen, die nur über eine knappe Rente (die sich kaum positiv verändert) verfügen, besonders schwierig, ihre Wohnung zu behalten ohne Bittsteller des Sozialamtes werden zu müssen. Der wachsende Gesundheitsmarkt hat eine Vielzahl von Anbietern von Dienstleistungen auf den Plan gerufen, die nur das „Beste“ wollen, die mühsam gesparten Groschen der Seniorinnen und Senioren abzugreifen. Dies betrifft zum Einen die vielen Pflegedienste, die Anbieter von betreutem Wohnen – hier mischen inzwischen auch die Wohnungsbaugesellschaften mit –, die Anbieter von Seniorenresidenzen und Pflegeheimen, zum Anderen mischen auch die gesetzlichen Krankenkassen sowie Ärztinnen und Ärzte mit und verlagern viele Kosten der gesundheitlichen Vorsorge und Behandlung rigoros auf die Betroffenen in Form von hohen Zuzahlungen, in Form von Investivkosten, IGEL-Leistungen u. ä. Viele Errungenschaften des medizinischen Fortschritts können sich Patientinnen und Patienten, insbesondere der älteren Generation, gar nicht mehr leisten. Hier gilt es, für die Zukunft besonders aufmerksam zu sein und diese Fehlentwicklungen, ich möchte sie sogar als Mißstand bezeichnen, öffentlich zu machen und dagegen zu wirken.

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat sich die Seniorenvertretung immer dafür eingesetzt, das Verbleiben von Seniorinnen und Senioren in ihren Wohnungen so lange als möglich zu fördern und zu unterstützen. Dazu gehören, den Seniorinnen und Senioren Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie Unterstützung erhalten können bei haushaltsnahen Dienstleistungen, bei Besuchsdiensten und der Begleitung zum Beispiel beim Besuch von Ärztinnen und Ärzten und bei der Unterstützung, wenn es um die Bewältigung von alltäglichen Problemen geht, bei denen der Einzelne schnell überfordert ist. Hier denke ich vor allem an die Antragstellung beim Einfordern von Hilfen. Dazu wurde das LIK gegründet, wie schon von mir ausgeführt, unter Mitwirkung der Seniorenvertretung.

Ich denke es wäre an der Zeit, dass sich die Seniorenvertretung dafür einsetzt, dass das LIK diese wichtige Netzwerk-Arbeit auch leisten kann. Deshalb rege ich an, sich Gedanken zu machen, inwieweit der Bezirk hier einen Teil der Finanzierung – auch der Anschub-Finanzierung – übernehmen kann.

Weiterhin bleibt für mich eine wichtige Aufgabe anzustreben, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Seniorenvertretung in den Ausschüssen der BVV eine Gleichstellung, ähnlich der der Bürgerdeputierten, erhalten.

Für das neue Jahr und die neue Legislatur wünsche ich mir, dass die Arbeit der Seniorenvertretung nicht von Papieren der Politikerinnen und Politikern des Landes und Bezirks überfrachtet wird, schließlich sind wir ehrenamtlich tätig. Wir sollten mehr Zeit finden, miteinander unsere Erfahrungen und unsere Wünsche auf Verbesserung oder Veränderung im Interesse der Seniorinnen und Senioren austauschen und diskutieren zu können.

Zuletzt möchte ich noch einmal einen fairen Umgang miteinander anmahnen, den ich im vergangenen Jahr doch etwas vermisst habe. Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass so einige Alleingänge des Vorstandes der Seniorenvertretung entbehrlich waren und nicht unbedingt normales Handeln werden sollten.

Martin Schmidt-Bugiel, Seniorenvertreter

Altersgerechtes Wohnen in Berlin

„Zehntausende Wohnungen für Senioren fehlen“, so die Schreckensmeldung in der Berliner Zeitung. Anlass war eine geschickte Marketingaktion der GEWOBAG, die ihr jüngstes Projekt geschickt in den Medien platzieren konnte.

Bei diesem, oder besser gesagt diesen Projekten, handelt es sich um ein Modellprojekt in der Zobeltitzstraße in Reinickendorf. Dort hat die GEWOBAG ein „Wohn!Aktiv-Haus“ mit einer Gemeinschaftsküche, Bibliothek sowie einem Hobbyraum und bietet Seniorinnen und Senioren Wohnungen mit ca. 27 qm Wohnfläche. Diese Wohnungen haben bodengleiche Duschen im Bad und erfordern eine Warmmiete von 380,00 Euro monatlich. Die GEWOBAG setzt sich damit bewußt von den „Seniorenresidenzen“ ab und setzt auf ältere Mitmenschen, die noch aktiv sein können.

Bei einem weiteren Projekt „Am Tierpark“ in Lichtenberg macht sie ihren Mieterinnen und Mietern das Angebot, einen ortsansässigen Partner für Betreuungs- und Pflegedienste wählen zu können, dies schließt auch die Vermittlung von Haushaltshilfen ein.

Fakt ist, dass in Berlin der Wohnraum knapp ist und die Fördermaßnahmen zum Bau neuer Wohnungen stark eingeschränkt bzw. völlig entfallen sind. Die regierenden Parteien auf Bundes- und auch auf Landesebene setzen nach wie vor auf Privat-Initiative beim Wohnungsbau. Da dieser für potenzielle Investoren nicht so interessant ist, haben sie im Bereich der Gewerbe-Immobilien und der Luxus-Immobilien ungehemmt, zu Lasten des „sozialen“ Wohnungsbaus, investiert. Nach der Wende wurden die Mieten entsprechend den „Marktüblichen Preisen“ angepasst. Die Grundlage für zu erzielende Kaltmieten waren jedoch zu keiner Zeit „kalkulierte“ nachvollziehbare Kosten.

Ein viel lukrativeres Werkzeug stand zur Verfügung: Der Mietspiegel. Mit dem Mietspiegel lässt sich wohnungspolitisch viel besser, je nach Coleur der politischen Struktur, agieren.
Die Behauptung im Artikel der Berliner Zeitung „es fehlen mehrere zehntausend Wohnungen für ältere Menschen“ ist so nicht zutreffend. Diese Wohnungen fehlen für die Berliner Bevölkerung gleich welchen Alters. Daraus ergibt sich allerdings der Anspruch der Mieterinnen und Mieter, diese Wohnungen auch so auszustatten, dass sie barrierefrei und altengerecht gestaltet sind. Bei den Sanierungsmaßnahmen in der Vergangenheit ist dies sträflich vernachlässigt worden, so dass ältere und in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen große Schwierigkeiten haben, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben. Notwendige Umbaumaßnahmen werden häufig vom Vermieter abgeblockt, hinausgezögert oder nur unter einer unverhältnismäßig hohen Selbstbeteiligung vorgenommen.
Wohnungsbauprojekte für die Zielgruppe der „Älteren Bürgerinnen und Bürger“ in Berlin sind grundsätzlich zu begrüßen, zeigen jedoch auch deutlich, dass die Wohnungsbaugesellschaften für sich schon lange das Segment des „betreuten Wohnens“ entdeckt haben und wirtschaftlich auch ihren Anteil am wachsenden „Gesundheitsmarkt“ sichern wollen.

Es wird Zeit, dass die Findung einer angemessenen Kaltmiete nicht nach einem statistischen Wert erfolgt, sondern nach den erforderlichen und angemessenen Kostenstrukturen – da ist sicherlich auch eine angemessenen Verzinsung für den Investor zu berücksichtigen. Diese Kostenmiete kann dann nicht über die gesamte Zeit der Finanzierung gleichbleibend hoch sein, sondern muss abstei-gend die geringere Kostenbelastung widerspiegeln. Eine ergänzende und veränderte Liegenschaftspolitik der Kommune kann hier hilfreich die Kostenstrukturen günstig beeinflussen und zu einer dauerhaft geringeren Miete führen.

Der jetzige Kostenansatz von 6,50 Euro Kaltmiete (zuzüglich der ständig steigenden Betriebskosten) ist für mich bei den derzeitigen und zukünftigen Einkommenssituationen der Rentnerinnen und Rentner keine akzeptable Größe. Auch der Umzug von Rentnerinnen und Rentnern aus ihren angestammten Wohnungen in „kleine Wohnungen“ von ca. 26 – 30 qm“ ist keine Option für eine wohnungspolitische Entspannung.

Anlass für meinen Artikel war die Berichterstattung der Berliner Zeitung über die wohnungspolitischen Aktivitäten der HOWOGE und der GEWOBAG, mit ihren Modellprojekten „Am Tierpark, Lichtenberg“, Mellenseestr. 39 – 41, und in der Zobeltitsstraße, Reinickendorf. Es ist für mich bei näherer Betrachtung schon mehr als ärgerlich, wenn solche wirtschaftlichen Interessen auch noch als soziale Aktivitäten zum Wohl von Seniorinnen und Senioren verkauft werden. Es ist doch eine ganz einfache Rechnung: 380,00 Euro Warmmiete bei ca. 27 qm ergibt einen qm Preis von 14,00 Euro warm – was ist daran moderat oder gar sozial?

Martin Schmidt-Bugiel, Ihr Seniorenvertreter

Bleiben Wohnungen in Treptow-Köpenick bezahlbar...

Nach dem „offiziellen Teil“ des Seniorenforums hat Frau Helga Walter, Mitglied der Seniorenvertretung, die Gelegenheit genutzt, dem Bezirksbürgermeister Oliver Igel, nachstehende Fragen zu stellen:

Wie wird die Entwicklung des Wohnungsbaues im Bezirk in den nächsten Jahren aussehen?
Wie viele bezahlbare Wohnungen für unterstützungsbedürftige Bewohner wird es geben?
Wie sieht die Entwicklung für „Rollstuhlfahrer-Wohnungen“ aus? Sind diese Wohnengen zukünftig dem Bedarf angepasst und werden sie bezahlbar sein? Derzeitig sind die Wohnungen nach der Norm sehr groß, demzufolge auch der Mietpreis sehr hoch.

Der Bezirksbürgermeister antwortete schriftlich wie folgt:

Sie hatten an Rainer Hölmer und mich adressierte Fragen am Rande des Seniorenforums übergeben. Dabei geht es wesentlich um Wohnungsneubau und die Frage nach bezahlbaren Wohnungen insbesondere für Rollstuhlfahrer.
Insgesamt wird es dazu zu Verbesserungen im Bezirk kommen können. Das liegt im Wesentlichen an der Dimension des Wohnungsneubaus selbst. Durch das mehr an Wohnungen entstehen auch neue Wohnungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – und es entstehen auch preiswerte Wohnungen neu. Da bei uns damit kein Abriss bestehender Wohnungen einhergeht ist es also auch tatsächlich ein „Mehr“ an diesen Wohnungen.
Wir setzen dabei besonders auf die städtischen Wohnungsgesellschaften, die wir bei Bauanträgen bevorzugen, und auch Wohnungsbaugenossenschaften.
Die städtischen Wohnungsgesellschaften haben sich bei ihren Vorhaben verpflichtet, etwa 25 Prozent ihrer Neubauwohnungen für 6,50 pro Quadratmeter Nettokaltmiete anzubieten (die Baukosten im Neubau würden für eine wirtschaftliche Miete ein Preis nicht unter 10 Euro erforderlich machen). Zur weiteren Kostenreduktion wurden den städtischen Wohnungsgesellschaften in Treptow-Köpenick mehrere landeseigene Grundstücke kostenlos übertragen. Für die Einsparung des Kaufpreises verpflichten sich die Wohnungsgesellschaften 25 Prozent der Wohnungen für die genannten 6,50 zu vermieten – und zwar gebunden für 20 Jahre!

Allein degewo und Stadt und Land bauen in den kommenden Jahren jeweils 1000 Wohnungen neu im Bezirk.

Wir profitieren auch vom Berliner Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten. Die Informationen dazu sind hier gut zusammengefasst:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/mietenbuendnis/

Berlin hat auch wieder eine Wohnungsbauförderung aufgelegt. Investoren profitieren auch bei uns im Bezirk davon. Die Konditionen (auch Mietpreise) finden Sie hier: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/foerderung/

Auch die privaten Investoren werden bei uns herangezogen – bei allen Wohnungsneubauvorhaben, die über einen Bebauungsplan realisiert werden, wird in städtebaulichen Verträgen analog zu oben genannten Konditionen ebenfalls ein Anteil von bis zu 25 Prozent Neubauwohnungen zu sozialen Preisen festgelegt. Das ist im Einzelfall nicht immer sicher, denn die Investoren werden auch für Kitabau und Schulneubaukosten herangezogen – es ist also ein Gesamtpaket zu schnüren, bei der aber auch die Mietpreise berücksichtigt werden und hier auch soziale Aspekte berücksichtigt werden müssen.
Wir rechnen bis 2030 mit einem Wohnungsneubaupotenzial von 28000 Wohnungen – darunter würden dann mehrere tausend Wohnungen zu sozialen Preisen sein. Da wir damit ein sehr hohes Neubaupotenzial im Verhältnis zu anderen Bezirken haben, ist davon auszugehen, dass wir damit auch aus anderen Bezirken Zuzug von sozial Bedürftigen haben werden, da andernorts der Bedarf nicht gedeckt werden kann, mangels Neubau.
Durch den verstärkten Neubau gibt es die Verpflichtung, stärker barrierefrei zu bauen.

Denn die Berliner Bauordnung besagt:
§ 51 Barrierefreies Bauen
(1) In Gebäuden mit mehr als vier Wohnungen müssen die Wohnungen eines Geschosses über den üblichen Hauptzugang barrierefrei erreichbar sein. In diesen Wohnungen müssen die Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische mit dem Rollstuhl zugänglich sein. § 39 Abs. 4 bleibt unberührt.
Ich habe bei unseren Neubauvorhaben im Bezirk die Erfahrung gemacht, dass auch über die gesetzliche Verpflichtung hinaus die Planungen erweitert werden und mehr als gesetzlich verlangt barrierearme und barrierefreie Wohnungen angeboten werden.
Deshalb meine abschließende Aussage: mit dem Wohnungsneubau in unserem Bezirk werden wir auch zum Teil bestehende Defizite in anderen Bezirken ausgleichen helfen.
Ich hoffe, dass diese Informationen zunächst genügen.

Helga Walter, Mitglied der Seniorenvertretung

Seniorenforum 2015

Der Bezirksbürgermeister Oliver Igel und die Vorsitzende der Seniorenvertretung, Dr. Johanna Hambach haben, einer guten Tradition folgend, die Seniorinnen und Senioren des Bezirks Treptow-Köpenick zum Seniorenforum in den Ratssaal des Rathauses Köpenick geladen.

Mit dabei waren auf dem Podium die Stadträte des Bezirks. Der Bezirksbürgermeister Oliver Igel nutzte die Gelegenheit, die vielfältigen Herausforderungen zu beschreiben, die der Bezirk zu bewältigen hatte und zeigte auf, wo die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit liegen. Da sind z. B. die Unterbringung und Versorgung der noch nicht absehbaren Zahl von Flüchtlingen, die Steigerung der Attraktivität des Bezirks für die Bewohnerinnen und Bewohner, für Investoren, die Arbeitsplätze schaffen oder erhalten, für Touristen, die in stärkerem Maße auch unseren Bezirk für sich entdecken.

Er machte auch keinen Hehl daraus, dass es erhebliche Differenzen zwischen den Politikerinnen und Politikern auf Landes- und Bezirksebene gibt. Letzteren wird es durch die Bundes- und Landespolitik und deren ständigen Sparvorgaben fast unmöglich gemacht, Gestaltungsspielräume zu nutzen, um den unterschiedlichen, zusätzlichen Aufgaben überhaupt gerecht werden zu können.
Dies spiegelte sich auch bei den Berichten der Bezirksstadträte wider, die ihren Aufgaben nur noch mit einem „Notprogramm“ gerecht werden können, da in allen Ressorts die Aufgaben vielfältiger geworden sind und die finanziellen sowie personellen Ressourcen nicht ausreichen.

Herr Rainer Hölmer, Bezirksstadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt, berichtete z. B. über die noch immer nicht absehbaren Baumaßnahmen am Bahnhof Schöneweide, die sich der Einflussnahme des Bezirks völlig entziehen, aber zu einer großen Belastung für den Bezirk geworden sind. Er zeigte auf, welche Anstrengungen der Bezirk unternehmen muss, den Wohnungsbau zu fördern und die Rahmenbedingungen, wie Kita, Schule, ärztliche Versorgung u. ä. positiv zu beeinflussen und die Bauherrinnen und Bauherren für ein gemeinsames Handeln zu gewinnen. Ein Rückbau des Adlergestells (mit jeweils einer Fahrspur weniger) ist vorerst vom Tisch.

Herr Gernot Klemm, Bezirksstadtrat für Arbeit, Soziales und Gesundheit, erläuterte seinen Amtsbereich im Hinblick auf die Herausforderungen, die der neue Haushalt an sein Amt stellt. Gestaltungsspielraum sieht auch er in vielen Bereichen nicht. Es gilt, vor allem bewährte Einrichtungen, wie die KIEZKLUBs, zu erhalten und weiter zu qualifizieren. Hier sind, wie auch im Jugend- und Kulturbereich, die fehlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Maßnahmen der Arbeitsförderung ein sehr großes Problem. Er sprach davon, dass sich alle Akteurinnen und Akteure im politischen Raum Gedanken machen müssen, eine „Ehrenamtskultur“ zu entwickeln, damit nicht Aufgaben der Kommune auf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen werden.

Herr Michael Vogel, Bezirksstadtrat für Weiterbildung, Kultur, Schule und Sport, berichtete über die Situation der Bibliotheken und über die Absicht, einen zweiten, etwas kleineren und damit wendigeren Bus anzuschaffen, um die Versorgung mit Medien auch in der „Fläche“ des Bezirks gewährleisten zu können. Probleme machen ihm natürlich auch der Wegfall der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Dies führt zu erheblichen Problemen bei den kulturellen Einrichtungen und deren Öffnungszeiten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über diese Maßnahmen finanziert wurden, konnten nicht mehr beschäftigt werden. Auf den Hinweis aus dem Podium, dass die Gebühren der Volkshochschule relativ zum Einkommen recht hoch seien, konterte er mit dem Hinweis: „Es wird leider alles teurer, so auch die Kosten für Personal und Ausstattung“.

Herr Michael Grunst, als neuer Bezirksstadtrat für Jugend und öffentliche Ordnung, berichtete über seinen vielfältigen Aufgabenbereich, der ihm allerdings schon vertraut war, da er in der Vergangenheit Amtsleiter war. Die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, Zuzug von jungen Familien, erfordert große Anstrengungen im Kita-Bereich, die Jugend-Einrichtungen leiden stark unter den Einsparungs-Vorgaben. Einen Schwerpunkt unter seiner Amtsführung, setzt das Ordnungsamt mit den Kontrollen der Radfahrerinnen und Radfahrer. Häufig benutzen Radfahrerinnen und Radfahrer Gehwege, statt der Straße oder vorgesehenen Radwege, was zu einer erheblichen Gefährdung von Fußgängerinnen und Fußgängern, gleich welchen Alters, führt. Große Probleme bereitet auch das wilde Parken, vor allem dort, wo Rettungswege freigehalten werden müssen. Personell ist das Ordnungsamt allerdings auch sehr beschränkt, so dass nur schwerpunktmäßig kontrolliert werden kann. Die Außendarstellung seines Amtsbereiches ist wesentlich besser geworden durch die Nutzung der elektronischen Medien.

Bei den Fragen der Seniorinnen und Senioren ging es um die Entsorgung von Glas. Nach Auskunft des Bezirksbürgermeisters gibt es zwar zwischenzeitlich ein Gutachten, die Umsetzung der daraus folgenden Maßnahmen dürfte jedoch noch auf sich warten lassen. Die langen Einkaufswege von der Neltestraße in Adlershof zur Dörpfeldstraße war ein weiteres Thema. Die Situation mit den Bibliotheken, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30 km/h in der Bölschestraße, die mangelhafte Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten (Haus- und Fachärztinnen bzw. Haus- und Fachärzte) und die überlangen Wartezeiten waren weitere Themen, die das Interesse der Anwesenden fanden.

Bedauerlicherweise fehlte zu Beginn der Veranstaltung ein Hinweis, dass Fragen, die aus Zeitgründen nicht beantwortet werden, auch zur schriftlichen Beantwortung eingereicht werden können. Durch die doch sehr ausführliche Vorstellung der Verantwortungsbereiche der Bezirksstadträte ist der Zeitrahmen des Seniorenforums allerdings zu eng, so dass leider die zahlreich erschienen Seniorinnen und Senioren nicht in angemessener Weise zu Wort kamen.

Anzumerken ist auch, dass die doch häufig von den anwesenden Politikern zu hörende Bemerkung „Wir haben keinen finanziellen Gestaltungsspielraum“, „da fehlt uns das Personal“, „da haben wir keinen wirklichen Einfluss“, zu der Frage reizt: Warum können die Politiker vor Ort nicht in angemessener Weise ihren Kolleginnen und Kollegen auf Bundes- und Landesebene mal „die Zähne zeigen“. Meist sind diese doch in den gleichen politischen Strukturen tätig.

Bedauerlich fand ich, dass der einzige Bundespolitiker, Gregor Gysi, der sich der Mühe unterzog, am Seniorenforum teilzunehmen, nicht einmal die Möglichkeit zu einem kurzen Statement bekam. Angenehm empfand ich es, dass ein Vertreter der CDU, Herr Rother, und auch der Fraktionsvorsitzende der Linken, Herr Wohlpfeil, das Seniorenforum aufmerksam verfolgten.

Martin Schmidt-Bugiel

Willkommen in Deutschland ...

Ich habe Glück gehabt in meinem Leben. Der zweite Weltkrieg war vorbei, als ich das Licht der Welt erblickte und ich bin in Deutschland geboren. Mein Vater, als junger Mann in einen unseligen Krieg verwickelt, saugte wie ein Schwamm alles auf, was mit der „Neuen Demokratie“ in Verbindung stand. Sein Lebens-Motto war: Nie wieder Soldaten, nie wieder Krieg, nie wieder dürfen Faschisten Menschen für ihre Ziele mißbrauchen. In diesem Sinne bin ich von meinen Eltern erzogen worden. Mein Vater hat sich als Gewerkschaftssekretär sein Leben lang für Menschen eingesetzt, für die Gestaltung einer Gesellschaft, die das Miteinander in den Mittelpunkt des Handelns stellt.

Es dauerte nicht lange und schon war die Bundeswehr „Bestandteil der Jungen Demokratie“. Sehr zum Entsetzen vor allem der linken Sozialdemokraten, die sich vehement gegen eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik wehrten. Allen Demonstrationen und Widerständen zum Trotz etablierte sich diese Armee anfänglich als reine Verteidigungs-Armee. Sie ist heute keine Verteidigungs-Streitmacht, im Gegenteil, sie ist in vielen Konflikten aktiv beteiligt. Wenn ich alleine an den Jugoslawien-Krieg denke, wird mir immer bewusster, unter welch fragwürdigen Bedingungen, wir als Bundesrepublik Deutschland uns in Konflikte einbinden lassen. Was ist im „ehemaligen Jugoslawien“ seit den Bombardements geschehen? Das Land ist zerissen in einzelne ethnische Einflussgebiete, die von ihren politischen Führern mehr schlecht als recht verwaltet werden. Nach wie vor ist die Bundesrepublik in diesem Krisenherd mit eigenen Streitkräften gebunden. Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesrepublik, um in den zum Teil noch vom Bürgerkrieg verwüsteten Regionen die Infrastruktur, im Wege der Hilfe zur Selbsthilfe, zu entwickeln? Ich kann nicht erkennen, dass die Bundesregierung, auch nicht die Europäische Gemeinschaft, Anstrengungen unternimmt, dass die Menschen in ihren Heimatländern sich eine Existenz aufbauen können.
Auf dem afrikanischen Kontinent ist es genauso. Jahrzehntelang haben wir mit Mitteln der Entwicklungshilfe Militärdiktaturen „gefüttert“, es aber nicht geschafft, zivile Strukturen zu fördern, die den Menschen eine Existenzgrundlage ermöglichen. An militärischen Konflikten verdient auch unsere Rüstungsindustrie so viel, dass wir inzwischen zu den drittgrößten Waffen-Lieferanten weltweit gehören. Innerhalb von wenigen Wochen konnten über 86 Milliarden Euro aufgebracht werden, um marode Banken, ein marodes Finanzsystem zu stützen. Den politisch Verantwortlichen der Europäischen Union fällt nichts besseres ein, als unsere Außengrenzen mit Stacheldraht abzuschotten, Flüchtlinge aus dem Wasser zu holen, sie in Auffanglagern sich selbst zu überlassen oder abzuschieben.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Politikerinnen und Politiker ganz froh sind, dass es „Rechte“ gibt, die sich mit den „Linken“ prügeln können. Man schickt notfalls eine Hundertschaft Polizistinnen und Polizisten – die fehlendes politisches Handeln ausbaden – zur Beruhigung der Lage hin, und schon ist die Bevölkerung abgelenkt und merkt nicht, dass die Flüchtlinge nur das Kanonenfutter für eine Minderheit von „Zockern und Profitgeiern“ sind. Aber wir haben ja auch noch die Bundesliga, die lenkt auch vortrefflich von den wichtigen Dingen im gesellschaftlichen Miteinander ab.

Martin Schmidt-Bugiel,
Ihr Seniorenvertreter, der sich Sorgen um die Zukunft unserer Enkel macht,
deshalb ist der vorstehende Artikel nur meine Meinung.

Ohne "Ehrenamtliches Engagement" würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren

und das ist auch gut so. Denn ohne Verantwortung für den „Anderen“ zu übernehmen, würde bedeuten, der sozialen Kälte noch mehr Raum zu geben. Ehrenamtliche Tätigkeit findet sich in vielen Bereichen. Es ist schon lieb gewordene Tradition, z. B. für seine Kirchengemeinde, für eine Pflege- oder eine KIEZ-Einrichtung, für seine Nachbarin oder seinen Nachbarn, für seinen Berufsverband, für die Sozialversicherung, für die Bezirks- und Landesverwaltung ehrenamtlich tätig sein zu dürfen.

Doch hier habe ich kritisch anzumerken, dass das Ehrenamt nicht missbraucht werden darf, um fehlende Infrastrukturen, die aus Kostengründen wegrationalisiert wurden, personell auszugleichen. Diese Gefahr ist schon seit langem vorhanden. Es gab das Bemühen der politisch Verantwortlichen, Menschen am Rande unserer Gesellschaft durch den öffentlichen Beschäftigungssektor eine Möglichkeit zu bieten, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Diese Beschäftigten leisteten unverzichtbare Arbeit in vielen sozialen Einrichtungen und hatten gleichzeitig ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Für viele wurde es auch ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt. Diese Möglichkeiten des öffentlichen Beschäftigungssektors sind politisch nicht gewollt und inzwischen verschlossen. In vielen Einrichtungen führt dies zu großen Problemen. Die Verlagerung von Tätigkeiten auf das „Ehrenamt“, wie es viele Politiker wünschen, ist der falsche Weg.

Dieses Thema werden wir auf unserer Homepage noch ausführlicher aufgreifen und unter verschiedenen Aspekten beleuchten. Seien Sie neugierig und beteiligen Sie sich mit eigenen Beiträgen an der Diskussion.

Mit herzlichen Grüßen von Ihrer Seniorenvertretung
Martin Schmidt-Bugiel

80 plus - Diskussionspapier

Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales hat, durch ihren Senator, Herrn Mario Czaja, ein Diskussionspapier vorgestellt, dass sich mit den Problemen der Altersgruppe der „Hochaltrigen“, also Menschen, die älter als 80 sind, auseinandersetzt. In seinem Vorwort führt Herr Czaja aus, dass der medizinische Fortschritt, verbesserte Arbeitsbedingungen, gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme und eine gesündere Lebenszeit Grund zur Freude sein müssten. Dem stimme ich gerne zu, leider hat seine Sichtweise einige „Schönheitsfehler“.

Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die verantwortlichen Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker, die gesundheitliche Versorgung nicht als gesellschaftliches Anliegen empfinden, sondern einem „pseudo“ freien Markt überlassen, der zudem noch von den Interessen großer Versicherungskonzerne (da schließe ich auch die Krankenkassen mit ein, die zu Versicherungen verkommen), Dienstleistern wie Krankenhäusern, Pflegeheimbetreibern, die Pharmaindustrie, die Ärzteschaft sowie die große Gruppe der Zulieferer, dominiert wird. Überall dort, wo es gilt Marktanteile zu sichern, auch gegen die Interessen der Betroffenen, wird von der Politik aus „reguliert“. Dort, wo es um Interessen der Betroffenen, der Patientinnen und Patienten geht, zieht man sich mit einer Fülle von Hilfsbegründungen zurück. Die Kassenärztliche Vereinigung hat den Versorgungsauftrag für die Bevölkerung, sie sieht jedoch eher ihre Aufgabe darin, die Interessen der Ärzteschaft zu vertreten und vor allem die Verteilung der vorhandenen Mittel vorzunehmen, nach einem sehr intransparenten System, das zu ständigen Konflikten führt.

Als weiteres Problem ist die Versorgungsqualität durch Haus-/Fachärztinnen und -ärzte zu nennen, die in keiner Weise ausreichend ist. Auch die demographische Situation bei der Ärzteschaft führt zu einem großen Problem, hier ist keine Problemlösung in Sicht.

Das Diskussionspapier gliedert sich in 7 Handlungsfelder, in denen die Ist-Situation zutreffend beschrieben wird. Interessant ist allerdings, dass die soziodemographischen und gesundheitlichen Eckdaten Berlins sich nicht auf die im Diskussionspapier bezogene Altersgruppe beziehen, sondern auf die Altersgruppe 50, 65 und 70 Jahre. Die Grundprobleme sind jedoch die gleichen, sie verstärken sich, je älter die Menschen werden.

Im Handlungsfeld 1 ist durchaus eine zutreffende Zustandsbeschreibung zu lesen, auch die Zielsetzungen sind zutreffend. Jedoch kein Wort darüber, dass das System der ärztlichen Versorgung nicht zulässt, dass sich Hausärztinnen und Hausärzte sowie auch Fachärztinnen und Fachärzte um eine angemessene Prävention und Gesundheitsförderung bemühen (können). Kein Wort darüber, dass die Voraussetzungen in der Häuslichkeit keine guten Voraussetzungen bieten für ein gesundes Wohnen. Der bauliche Zustand der meisten Wohnungen zeigt so viele Hindernisse, dass Unfälle geradezu herausgefordert werden.
Es ist nicht ausreichend, Angebote zur Sturzprävention zu machen. Hier müssen verpflichtende Vorgaben an Vermieter, Betreiber von Einrichtungen und dergleichen her, die eine reale Umsetzung der bekannten Gefahrenprävention ermöglichen.

Das Handlungsfeld 2 wird sich entwickeln, wenn der Gesundheitsmarkt im Ausbau desselben eine Gewinn-Maximierung sieht. Viele Krankenhäuser haben dies schon lange entdeckt.

Das Handlungsfeld 3 leidet unter der pauschalisierten Rotstift-Mentalität. Mangelnde Personalausstattung, mangelnde finanzielle Ausstattung, Budgetierung, Outsourcing von pheripheren Dienstleistungen in Krankenhäusern haben zu neuen und in der Folge kaum zu händelnden Problemen geführt, die häufig nur noch heruntergespielt werden. Ein großer Vertrauensschwund hat eine ganze Berufsgruppe erreicht, die unter dem von außen aufgedrückten Zwang zu sparen nur noch als Dienstleister in einem „Gesundheitsmarkt“ wahrgenommen werden. Auf die Überforderung des Personals habe ich bereits hingewiesen.

Zum Handlungsfeld 7 kann ich nur sagen, dass die vorhandenen Strukturen, die eine größere Mobiliät, eine Gewährleistung der Selbständigkeit und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, stärker ausgebaut werden müssen. Es kann nicht sein, dass aus Kostengründen Angebote entfallen und die Politik erwartet, dass hier stellvertretend Ehrenamtliche zum Nulltarif diese Aufgaben übernehmen. Hier bedarf es eines größeren, auch finanziellen Angebotes der Kommune, um älteren Menschen verstärkt die Möglichkeit zu geben, an dieser Gesellschaft teilhaben zu können.

Martin Schmidt-Bugiel, Ihr Seniorenvertreter in Treptow-Köpenick
Der vorstehende Artikel stellt nur meine Meinung dar

Wie geht es weiter mit der Seniorenvertretung?

Die Mitglieder der Seniorenvertretung leisten sehr viel und sehr gute Kleinarbeit vor Ort. Sie sind in den Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung und anderen Gremien aktiv. Genau diese Arbeit muss sichtbar werden. Wie es weiter heißt: Gesicht zeigen, die Öffentlichkeit aufmerksam machen.

Sie haben, als Vorsitzende der Seniorenvertretung Treptow-Köpenick, in den letzten Jahren reichlich Erfahrungen sammeln können. Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer bisherigen ehrenamtlichen Tätigkeit?

Die Schwerpunkte der Arbeit ergeben sich zum Einen aus den Aufgaben, die das Seniorenmitwirkungsgesetz benennt und zum Anderen aus der Arbeit vor Ort. Als Vorsitzende der Seniorenvertretung habe ich enge Kontakte zum Bezirksamt und der Bezirksverordentenversammlung zu halten, um die Interessen der Seniorinnen und Senioren schnell und unkompliziert vertreten zu können. Wichtig ist aber auch die Mitarbeit in Netzwerken und in Landesseniorengremien. Themen wie Mobilitätshilfedienste, Wohnen im Alter, wohnortnahe medizinische Versorgung, Pflege oder auch Bewegung im Alter oder bürgerschaftliches Engagement sind zu bearbeiten.

Da Sie auch gleichzeitig Vorsitzende der Landesseniorenvertretung sind, bleibt Ihnen denn überhaupt ausreichend Zeit, sich mit den Problemen der bezirklichen Vertretung der Seniorinnen und Senioren auseinanderzusetzen?

Zu allererst bin ich Mitglied der Seniorenvertretung Treptow-Köpenick und dann kommt das andere. Es wäre falsch zu leugnen, dass die Zeit ausreichen würde. Aber wir sind 17 Ehrenamtliche, die sich für die Interessen der Seniorinnen und Senioren einsetzen. Es ist falsch, alles nur an der Vorsitzenden fest zu machen. Aber es ist schon so, dass manchmal die eine oder andere Idee für die Arbeit der Seniorenvertretung aus Zeitgründen verschoben werden muss.

Es gibt die bezirklichen Seniorenvertretungen, die Landesseniorenvertretung, der Landesseniorenbeirat und entsprechende temporäre Beratungs- und Arbeitsgremien, in denen auch immer wieder die gleichen Ehrenamtlichen zu finden sind. Kann es dann überhaupt zu einer sachgerechten Seniorenvertretung kommen oder behindern/überfordern sich die Vertreterinnen und Vertreter in ihrer Arbeit gegenseitig?

Es ist wirklich sehr schwer, Überschneidungen, Doppelarbeit und Überforderung der Ehrenamtlichen zu vermeiden. Dieser Aufgabe stelle ich mich.

Die Wahlen zur bezirklichen Seniorenvertretung 2016 sind bereits in Sicht, welche Aufgaben haben jetzt für Sie Vorrang?

Die Seniorenpolitik des Bezirkes weiterzuentwickeln, was z. B. bedeutet, das schon 2013 angekündigte Demografiekonzept mitgestalten zu können, damit es Ende 2015 oder spätestens Februar 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. Das ist die Basis, woraus konkrete Aufgaben für die Seniorenvertretung abgeleitet werden können. Das wiederum ist die Grundlage, um Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl 2016 zu gewinnen. Je klarer dargestellt werden kann, wofür die Mitglieder der Seniorenvertretung eintreten, desto eher sind Menschen für diese ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.
Also wird die Öffentlichkeitsarbeit wieder das A & O sein. Sowohl die solide tagtägliche Arbeit als auch spezielle Aktionen der Seniorenvertretung müssen noch mehr von denen wahrgenommen werden, für die sich die Mitglieder der Seniorenvertretung einsetzen.

Wird es Ihrer Einschätzung nach eine gemeinsame Wahl mit dem Abgeordnetenhaus und der Bezirksverordnetenversammlung geben und wie sind die Chancen für eine Briefwahl?”

Soweit es sich im Moment abzeichnet, stehen die Signale auf Grün für eine Briefwahl. Politikerinnen und Politiker aller Parteien sprechen davon. Eine Wahl zu den Vorschlagslisten der Seniorenvertretungen zeitgleich mit den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung wird es vermutlich nicht geben.

Was wünschen Sie sich vom „neuen Stadtrat“ für Arbeit, Soziales und Gesundheit für die Arbeit der Seniorenvertretung?”

Die gleiche unkomplizierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit wie bisher – das ist das beste Fundament für eine alle Generationen umfassende Politik, die das Erreichte sichert und qualitativ weiter entwickelt und bei dem auch Neues entsteht.

Das Interview mit Frau Dr. Johanna Hambach führte Martin Schmidt-Bugiel

Immer Ärger mit den Igeln

Nein, keine Angst! Hier geht es nicht um unseren putzigen Gefährten mit den Stacheln, hier geht es um “Individuelle Gesundheitsleistungen”, kurz IGel genannt. Im Krankenhaus heißen sie übrigens Wahlleistungen. Also Leistungen, die der Arzt Ihnen als Selbstzahlerleistung verkauft, weil sie nicht zum festgeschriebenen Leistungsumfang der “Gesetzlichen Krankenversicherung” (GKV) gehören.

Jeder hat das schon erlebt. Bereits im Vorzimmer wird man in einigen Praxen gedrängt, einzelne dieser Leistungen in Anspruch zu nehmen. Zum weitaus größten Teil handelt es sich um zusätzliche, nicht ausreichend getestete Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten.
Es betrifft eine ganze Palette von Anwendungen – vom Hautscreening mit einer besonderen Lupe über den PSA-Test bis zur Glaukomvorsorge, Ultraschalluntersuchungen, Krebsvorsorge und Messung der Knochendichte. Das sind nicht immer notwendige Maßnahmen, die dem Patienten oder der Patientin zum Nachteil angeboten werden. Manche dieser Angebote sind wissenschaftlich kaum erforscht bzw. von unabhängigen Instituten als nicht sinnvoll beurteilt worden. Dabei gibt es Abweichungen in den einzelnen Bundesländern. Im Mittelpunkt stehen jedoch übereinstimmend mit der Verbraucherzentrale Berlin vor allem Augenärzte und Augenärztinnen, Hautärzte und Hautärztinnen sowie Urologen und Urologinnen.

Zudem gibt es keine einheitlichen IGeL-Listen, die eine Übersicht über das Leistungsspektrum gäben. Jeder Arzt oder jede Ärztin kann Zusatzleistungen anbieten, die er oder sie entweder selbst entwickelt oder von anderen Entwicklern übernommen hat. Natürlich hat der Arzt oder die Ärztin eine hohe Verantwortung gegenüber den Patienten und Patientinnen, das sollte seinen Niederschlag in einem seriösen Anbieten dieser Leistungen finden. Also nur Leistungen anbieten, die aus ärztlicher Sicht erforderlich, empfehlenswert oder zumindest vertretbar sind.

Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass der Arzt oder die Ärztin auch Kaufmann oder Kauffrau ist. Viele Patienten und Patientinnen unterschreiben das ihnen vorgehaltene Formular, weil sie Nachteile in ihrer weiteren Behandlung befürchten. Damit haben sie einer Inanspruchnahme von der IGeL-Leistungen zugestimmt. Zugestimmt, obwohl sie die dazugehörige Behandlung noch gar nicht kennen.

Bitte seien Sie kritisch und lassen sich genau über die angebotene Leistung informieren.
Wenn Sie eine Leistung nicht wollen, lehnen Sie ab. Unterschreiben Sie keine Zustimmung und keine Ablehnung dieser Zusatzleistungen. Wären diese Zusatzleistungen nötig, würden die Krankenkassen sie in den GKV – Leistungskatalog aufnehmen. Über diesen Leistungskatalog entscheiden die Krankenkassen mit Ärzten und Ärztinnen, Krankenhäusern, Patientenvertretungen unter der Leitung eines unabhängigen Vorsitzes.
Ich denke, da ist für eine ausreichende Sachkunde gesorgt.

Patienten und Patientinnen, die uns allen ihre Erfahrungen mit den IGel-Leistungen mitteilen wollen, können das unter www.igel-ärger.de tun. Dort werden die Beschwerden durch die Verbraucherzentralen Berlin und Nordrhein-Westfalen geprüft und ohne die Angabe personenbezogener Daten auf einer Beschwerde-Pinnwand veröffentlicht.

Peter Strehmel

Rentenstudie für Europäisches Parlament

Der Zeitschrift der Deutschen Rentenversicherung „RV aktuell – Ausgabe 2-15“ konnte ich eine interessante Information entnehmen, die ich nachfolgend versuche wiederzugeben.

Mitarbeiter des Brüsseler Centre for European Policy Studies (CEPS) haben im Auftrag des Beschäftigungsausschusses des Europäischen Parlamentes im August 2014 eine Studie zu den Rentenversicherungssystemen vorgelegt, die leider nur in Englisch verfügbar ist.

Interessant ist die Kategorisierung der Rentenversicherungssysteme in drei Säulen. Die erste Säule dient nach dem Verständnis der Studie der Verhinderung von Altersarmut, unabhängig von der vorangegangenen Erwerbsbiographie, die zweite Säule dient der Klassifizierung einer angemessenen Lohnersatzrate und die dritte der freiwilligen Vorsorge.

Danach zählen Lohn bezogene und Umlagen finanzierte öffentliche Rentensysteme, z. B. das Deutsche Rentenversicherungssystem, zur zweiten Säule und nicht zur ersten Säule eines Rentensystems. Ebenso gehören die kapitalgedeckten Elemente der Betriebsrenten und die von den Sozialpartnern ins Leben gerufene Versorgungssysteme in die zweite Säule der Rentenversicherungs-Klassifizierung.

Entscheidend ist, so finde ich, dass diese Studie davor warnt, zu viel Gewicht auf die dritte Säule (die freiwillige) zu legen oder sie sogar als Ersatz oder teilweisen Ausgleich der ersten und zweiten Säule anzusehen und zu nutzen. Diese Studie führt aus, dass besonders für Frauen, Migranten sowie für Personen mit niedrigem Bildungsstand und Einkommen die dritte Säule der Rentenversicherung keine realistische Perspektive bietet.

Bei der Ausgestaltung der ersten (armutsverhütenden) Säule warnt die Studie davor, Bedürftigkeits- oder Einkommensprüfungen einzusetzen. Solche Prüfungen sollten nur mit Vorsicht eingesetzt werden, um Fehlanreize zu vermeiden. Die Verknüpfung des künftigen allgemeinen Renteneintrittsalters mit der künftigen Steigerung der allgemeinen Lebenserwartung wird gerechtfertigt unter dem Gesichtspunkt, dass es sich hierbei um ein unversicherbares Risiko handele. Dies gelte jedoch nicht für die erste Säule, hier sei eine Generationen übergreifende Risikoteilung denkbar. Es bleibt abzuwarten, welche praktischen Schlussfolgerungen das Parlament aus der Studie ziehen wird, zumal die Sozialsysteme in der Europäischen Gemeinschaft weit entfernt von einer Harmonisierungs sind.

Für mich bleibt nur die Schussfolgerung, dass der Wert der Europäischen Gemeinschaft nicht an der Stabilität des Euro (sprich wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit) gemessen werden kann, sondern an einer Annäherung der Sozialsysteme, der Fähigkeit, die Menschen in den Mitgliedsstaaten gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter so abzusichern, dass sie am gesellschaftlichen Leben angemessen teilhaben können.

Martin Schmidt-Bugiel, 27. März 2015

Sozialer Zusammenhalt – selbstverständlich?

Wir leben in dem sehr schönen Bezirk Treptow-Köpenick. Grün, viel Wasser, schöne Wohnungen, fast dörflicher Charakter, dann wieder Hochhäuser – eine Mischung, die das Leben abwechslungsreich macht. 244.701 Menschen leben hier, davon 59.151 Menschen über 65 Jahre alt, das sind 24,2 %. In Vergleich des Sozialindex der Berliner Bezirke liegt Treptow-Köpenick an der dritten Stelle. Finanziell geht es also den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern gut.

Wenn wir älter werden, dann stellen sich Beschwerden und Probleme ein, die es nicht immer leicht machen, den Alltag zu bewältigen. Da ist es dann zunächst unmaßgeblich, ob mein Geld zum Leben reicht oder nicht. Wenn ich nicht weiß, wo ich Hilfe und Unterstützung her bekomme, dann lässt der Spaß am Leben nach, es kann zu Verbitterung und Verzweiflung führen. Diese Menschen fühlen sich dann verlassen, sie spüren keine Fürsorge mehr. Die soziale Härte trifft sie, weil sie keine Kontakte mehr haben und vereinsamen. Und das in einer schönen, begehrten Umgebung, mit vielen aktiven Menschen.

Muss es so weit kommen, das Menschen aus unserem Umfeld in die Isolation fallen, dass sie nicht wissen wie ihnen geholfen werden kann?
Wir, die Akteure im Netzwerk Leben im Kiez (LIK), sagen deutlich : Nein!
Egal wo wir wohnen, am Rande des Bezirkes in einer Siedlung oder in dichter besiedeltem Gebiet, in Neubauten oder einem Hochhaus. Wir alle haben eine Nachbarin oder einen Nachbarn!
Wir sind nicht schon von je her ausgegrenzt und haben Kontaktmangel. Wir waren einmal mitten drin im Geschehen.
Wie kommt es dazu, dass wir vereinsamen?

Nachbarschaftskontakte entstehen meist wie von selbst. Postsendungen werden für die Nachbarin oder den Nachbarn entgegen genommen, wir haben den Schlüssel um Blumen zu gießen. Reden wir auch mal über unser Befinden? Lassen wir zu, dass die Nachbarin oder der Nachbar weiß, dass es mir ab und zu nicht so gut geht? Oder interessiere ich mich für meine Nachbarin oder meinen Nachbarn? Höre ich zu, wenn zaghaft von Sorgen gesprochen wird?

Das gehört dazu, wenn wir die immer mehr um sich greifende soziale Kälte nicht zulassen wollen. Ein offenes Ohr und vor allem ein offenes Herz sind der Kitt in unserer Gesellschaft, die immer mehr Lücken in der Versorgung zu lässt.
Wenn wir aber wirkungsvoll helfen oder einen Rat geben wollen, dann brauchen wir Informationen über Angebote im Bezirk. Wir sollten wissen, wie wir Notsitu-ationen erkennen und helfen können.

Seit fünf Jahren gibt es das Netzwerk Leben im Kiez in unserem Bezirk mit vielen aktiven sozialen Anbietern und Ehrenamtlichen. Wir informieren über Hilfemöglichkeiten und bieten Informationsveranstaltungen für Sie, die Nachbarin oder den Nachbarn, in Ihren Kieztreffs an. Die Akteure im Netzwerk können nicht überall sein. Deshalb werden Sie als aufmerksame Nachbarin oder aufmerksamer Nachbar gebraucht. Melden Sie sich bei uns, wenn Sie Fragen haben. Sie erreichen uns unter der Zentralnummer (030) 31 98 90 24 oder über Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Ihren Kiezklubs.

Spielen Sie mit uns der sozialen Kälte einen Streich!

Helga Walter, Koordinierungsgremium LIK, 06. März 2015

Sind Seniorenwohnanlagen für das Land und die Bezirke nichts mehr wert?

Dies war die Überschrift einer schriftlichen Anfrage der Abgeordneten Katrin Lompscher und Uwe Döring an das Abgeordnetenhaus Berlin. Dabei ging es um die Frage, wie viele Seniorenwohnanlagen es vor zehn Jahren gab und wie viele davon heute noch im Eigentum des Landes bzw. der Bezirke sind. Für Menschen, die nicht täglich mit dem „Behörden-Deutsch“ befasst sind, ist die Antwort nicht ganz schlüssig zu werten, deshalb möchte ich nachfolgend auch ein paar Probleme aufzeigen.

Die Antwort des Senats ergab, dass zwischen 1960 und Mitte 1970 auf der Basis von fünfzehn „Grundstücksleihverträgen“ mit verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften bzw. -genossenschaften Seniorenwohnhäuser errichtet wurden. Derzeit befinden sich noch neun Grundstücke im Eigentum des Landes Berlin. Es ergeben sich allerdings, durch die bezirklichen Haushaltspläne 2014/2015, ein Bestand von 27 Seniorenwohnhäusern mit insgesamt 2.039 Wohneinheiten im Eigentum des Landes, der Bezirke bzw. der städtischen Wohnbaugesellschaften.

Interessant ist, dass Reinickendorf einmal 12 Seniorenwohnhäuser (1.259 Wohneinheiten) im Besitz hatte, inzwischen sind diese aber an die Eigentümer zurückgegeben worden. Spandau hat unverändert 2 Seniorenwohnhäuser (128 Wohneinheiten). Neukölln hat ebenfalls unverändert ein Seniorenwohnhaus (139 Wohneinheiten). Steglitz-Zehlendorf hatte 5 Wohnanlagen (443 Wohneinheiten), inzwischen jedoch nur noch 3 Wohnanlagen (290 Wohneinheiten) im Eigentum des Bezirks. In Treptow-Köpenick bleibt der Bestand unverändert bei einem Seniorenwohnhaus (Anzahl der Wohneinheiten ist nicht bekannt). In Tempelhof-Schöneberg befinden sich 2 Seniorenwohnhäuser (97 Wohneinheiten) im Eigentum des Bezirks.

Diese Aufstellung zeigt, dass das Land Berlin sich nicht in der Verantwortung sieht, den inzwischen unkontrolliert wachsenden „Markt an Seniorenresidenzen, Seniorenwohnungen, Wohngemeinschaften und Pflegeheimen“ beeinflussen zu wollen. Es wäre wünschenswert, wenn die Bezirke nach einem entsprechenden Belegungsschlüssel (entsprechend ihrer Bevölkerungsstruktur) wenigstens die Option hätten, Seniorinnen und Senioren mit altersgerechtem und bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Dazu ist es nicht erforderlich, Seniorenwohnanlagen selbst zu betreiben, es müsste gewährleistet sein, dass die Bezirke die entscheidenden Einflussmöglichkeiten behalten. Dies sehe ich leider nicht. Aus der Beantwortung der Anfrage geht hervor, dass der Bezirk Steglitz-Zehlendorf Seniorenwohnungen verkaufen will, weil finanzielle Mittel zur dringenden Sanierung der Wohnungen fehlen. Das Beispiel in Steglitz-Zehlendorf zeigt, dass die Verantwortlichen mit vorhandenen Ressourcen nicht verantwortlich umgehen. In jeder Kostenrechnung sind Rückstellungen vorgesehen, die zum Erhalt der Bausubstanz dienen. Ich denke, die Frage ist wohl angebracht, warum dann 8 Millionen Euro für eine Sanierung, wenn wirklich erforderlich, nicht zur Verfügung stehen.

Erschreckend fand ich bei der Anfrage, dass Senator Czaja bekennen musste, dass dem Senat nicht bekannt sei, wie hoch die durchschnittlichen Mieten der Seniorenanlagen im frei finanzierten und im Sozialen Wohnungsbau seien. Es gab dann wohl Rückmeldungen der Bezirke, die jedoch keine Vergleichbarkeit der Mieten bzw. des Zustandes der Wohneinheiten ermöglichte. In Spandau wurden Warmmieten pro Quadratmeter von 8,80 € ausgewiesen, wobei in Steglitz-Zehlendorf die Kaltmieten zwischen 3,15 € und 11,62 € schwankten. Die im Sozialen Wohnungsbau erstellten Wohneinheiten sind im oberen Preissegment.
In der Antwort auf die Fragen der Abgeordneten führt der Senator aus, dass das Vorhalten von kommunalem Wohnungsbestand eine freiwillige Aufgabe der Kommune sei. Dem muss ich widersprechen. Formal ist dies sicher so, diese Situation hat jedoch die Landespolitik letztlich herbeigeführt, dass sie die Bezirke nur noch als verlängerten Verwaltungsarm benutzen. Den Bezirken ist weitgehend ein freier Gestaltungsspielraum hinsichtlich der sozialen Struktur und auch der städtebaulichen Gestaltung genommen worden. Dennoch bleibt die Politik in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, die Daseinsfürsorge für die Menschen zu gewährleisten, und dazu gehört auf alle Fälle das Recht auf Wohnen. Senioren und Seniorinnen haben ihren Teil zur Gestaltung des gesell-schaftlichen Lebens beigetragen, jetzt hat auch diese Gesellschaft die Verantwortung für zum Beispiel angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.

An zahlreichen Beispielen zeigen die Abgeordneten mit ihren Fragen auf, welche Probleme entstanden sind. Die Antworten des Senators sind häufig ausweichend und in jedem Fall nicht befriedigend. Sie zeigen aber auch deutlich, dass der Senat nicht daran denkt, die noch vorhandenen Seniorenwohnhäuser, auch nicht über die Bezirke, weiter zu betreiben. Im Gegenteil ist es erklärte Absicht, sich weitgehend von den Immobilien zu trennen.

Die Drucksache können Sie gerne selbst nachlesen „Drucksache des Abgeordnetenhauses Berlin, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/15245“.

Martin Schmidt-Bugiel, 25. Februar 2015

Eva Eisentraut - Engagiert im Behindertenverein e. V.

Als Anfang 1991 in Treptow der Behindertenverein e. V. gegründet wurde, bin auch ich Mitglied geworden.

Auf uns Mitglieder kam allerhand Neues zu und jeder war bestrebt, in den Versammlungen möglichst viele Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Unser damaliger Vorsitzender, Herr Kränke, hat es sehr gut verstanden, engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter für den Behindertenverein zu gewinnen. Er vermittelte, welche Rechte und Pflichten mit der Schwerbehinderung verbunden sind. Wir sind oft mit unserem Verein umgezogen. Es ging bis nach Köpenick, wo wir unsere Versammlungen abgehalten haben. Im Jahr 1998 sind wir, mein Mann und ich, von Treptow nach Köpenick umgezogen. Seit dieser Zeit bin ich Mitglied im Behindertenverein Köpenick.

Mir gefällt es hier sehr gut. Der Vorsitzende, Herr Rühling, versteht es, seine Mitglieder bei der Stange zu halten, und dafür lässt er sich viel einfallen. Ein Jeder kann sich auch selbst einbringen, und so ist der Behindertenverein für alle Mitglieder ein Hort des Beisammenseins und Gedankenaustauschs geworden. Wünschen wir uns noch schöne gemeinsame Jahre.

Eva Eisentraut, 25. Februar 2015

Mein Ehrenamt in der Seniorenvertretung

Als am 03. April 1991 die erste Seniorenvertretung in Treptow gewählt werden sollte, wurde ich als Kandidatin vom Behindertenverein Treptow als Mitglied in die Seniorenvertretung gewählt. Einmal so lange für dieses Ehrenamt tätig zu sein, hätte ich mir damals nicht träumen können. Inzwischen sind es schon 24 Jahre. Mit Unterstützung der Seniorenvertretung Neukölln wurde am 03. April 1991 diese erste Wahl durchgeführt. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mit allen Stimmen gewählt worden bin. Das Amt der Finanzbeauftragten und Mitglied des Vorstandes habe ich bis 2012 – also 21 Jahre – ausgeübt. Aus gesundheitlichen Gründen übergab ich dieses Amt an Marion Wendler.

Die Jahre des Ehrenamtes waren geprägt vom Willen, Menschen mit Behinderung und Seniorinnen und Senioren, bei ihren Problemen und Sorgen im Alltag zu begleiten und zu unterstützen. Dazu gehörten beim Demenzwandertag die Begleitung und Unterstützung von Bewohnerinnen und Bewohner des Vitanas Senioren Centrum Bellevue. Auch das jährliche Backen von Plätzchen an Ostern und Weihnachten mit einigen Bewohnerinnen gehört dazu. Ebenfalls waren die Einzelbetreuung und ein Besuch im Krankenhaus dabei. Das Einkochen von Marmelade im Sommer ist immer ein besonderer Höhepunkt. Es sind unvergessliche Augenblicke, in denen auch viel Dankbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner zurückkommt.

Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung und Mitglied beim Verband der Volkssolidarität, AG Seniorinnen und Senioren, bin ich ebenfalls.

Eva Eisentraut, 25. Februar 2015

Das Alter

Eine Zahl, die mit unserer Geburt fest geschrieben ist und jährlich aktualisiert wird. Als man mir zum 80. Geburtstag gratulierte, bekam diese Zahl eine neue Dimension. Theoretisch habe ich noch ein paar – Monate – Jahre vor mir. Nur ich gehöre nicht zu denen, die in Tränen ausbrechen, weil ich schon ein etwas hohes Alter erreicht habe.
Ich bin dankbar, noch mitreden und halbwegs geradeaus denken zu können. Das Gestern war, teils schwer, teils schön, was die Zukunft bringt weiß ich zum Glück nicht und wichtig ist einfach nur das Heute. Das Hier und Jetzt. Alles Andere ist nicht wichtig. Oft höre ich 80Jährige jammern „Oh Gott, ich bin schon 80“. Ich denke, dass man dankbar sein sollte, den Mitmenschen noch auf den „Geist“ gehen zu können. Klar bin ich manchmal erschrocken, wie schnell die Zeit vergeht. Als Jugendliche konnte ich es kaum erwarten, 18 Jahre alt zu sein. Dann war ich Mutter. Irgendwann wurde ich Oma und jetzt Uroma. Und all das macht mich stolz und ich kann nur sagen: „Das Leben ist schön“. Vielleicht auch noch in …….. Jahren.

Eure Margot Krüger, 25. Februar 2015

Die Pflegereform - wie sie sich darstellt, wenn man betroffen ist

Die Zahlen zu den Pflegesachleistungen bekommen erst Gesicht, wenn man auch die Summen kennt, um die es hier geht.

Konkret am Beispiel:
2015 kostet der Platz für einen Heimbewohner bzw. eine Heimbewohnerin mit Pflegestufe II 2.921,00 Euro. Davon bezahlt die Pflegekasse 1.330,00 Euro, der Heimbewohner bzw. die Heimbewohnerin selbst muss den Rest von 1.591,00 Euro bezahlen (manche Heime sind teurer, wenige etwas billiger).

Kaum jemand, der das hier liest, wird eine Rente von 1.600,00 Euro haben.
In den 1.591,00 Euro sind aber noch nicht Zuzahlungen in der Apotheke, Physiotherapie, Krankenhaus, Krankentransport, Fußpflege, Friseur, der Besuch der Cafeteria, das Geburtstagsgeschenk für die Enkel, Medikamente, die die Krankenkasse nicht bezahlt, usw., enthalten. Das sind pro Monat ca. 100,00 – 200,00 Euro. Also ca. 1.800,00 Euro monatlich selbst aufzubringen.
Jeder kann jetzt sein Sparkonto ansehen und ausrechnen, wie lange er den Heimplatz bezahlen kann bis nur noch der Betrag für seine Beerdigung auf dem Konto ist.

Nehmen wir einmal an, die Kinder des Pflegebedürftigen bzw. der Pflegebedürftigen haben ein Einkommen, mit dem sie nicht zur Zahlung mit herangezogen werden, dann übernimmt das Sozialamt die Kosten.
Der Heimbewohner bzw. die Heimbewohnerin erhält ein Taschengeld, er bzw. sie ist von den o. g. Zuzahlungen befreit – trotzdem habe ich schon öfter erlebt, dass es mit Friseur, Fußpflege, dem Geburtstagsgeschenk oder der Cafeteria etwas knapp wurde.

Für die Rentner und Rentnerinnen, die nicht aus eigener Kraft die Kosten bezahlen können, springen also die Steuerzahler bzw. Steuerzahlerinnen ein. Deshalb kann ich den im vorigen Beitrag geäußerten Gedanken nur bekräftigen, dass Pflege nicht zum lukrativen Wirtschaftszweig werden sollte, den wir alle dann kräftig fördern. Wer sich regelmäßig im Pflegeheim aufhält, der weiß, dass Pflege was mit Solidarität zu tun hat!

Wie sich die Reform inhaltlich auswirken wird, werden wir erst noch erfahren, im Moment wird ja noch erprobt. Ich kann nur hoffen, dass sich die finanziellen Regelungen auch im Einkommen der Pflegekräfte widerspiegeln werden. Bisher war das nicht so doll, obwohl jedes Jahr die Heimpreise erhöht wurden. Und dass endlich die Ausbildung kostenlos wird!

Leider konnte ich auch nicht entdecken, dass Mechanismen eingeführt wurden, die es Betroffen ermöglichen, die Preisgestaltung nachzuvollziehen. Das wünschen sich viele, über 108.000 Unterzeichner einer entsprechenden Petition an den Bundestag gab es, aus der leider nichts geworden ist.

Karin Müller, 27. Jan. 2015

Was bringt die neue Pflegereform

Einen ersten Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett auf den Weg gebracht. Danach sollen die Leistungen ab dem 1. Januar 2015 für Pflegebedürftige und deren Angehörige verbessert werden. Zugleich soll es Änderungen zum Pflegebedürftigkeitsbegriff geben.

Die Pflegesachleistungen sollen ab Januar 2015 um 4 % steigen, das bedeutet bei den Pflegesätzen im stationären Bereich:

bisher neu
Pflegestufe I 1.023,00 Euro 1.064,00 Euro
Pflegestufe II 1.279,00 Euro 1.330,00 Euro
Pflegestufe III 1.550,00 Euro 1.612,00 Euro

Bei den Pflegesätzen im ambulanten Bereich:

bisher neu
Pflegestufe 0 225,00 Euro 231,00 Euro
Pflegestufe I 450,00 Euro 468,00 Euro
Pflegestufe II 1.100,00 Euro 1.144,00 Euro
Pflegestufe III 1.550,00 Euro 1.612,00 Euro

Beim Pflegegeld:

bisher neu
Pflegestufe 0 120,00 Euro 123,00 Euro
Pflegestufe I 235,00 Euro 244,00 Euro
Pflegestufe II 440,00 Euro 458,00 Euro
Pflegestufe III 700,00 Euro 728,00 Euro

Im Zuge der Pflegereform werden die Beiträge in zwei Stufen um insgesamt 0,5 Punkte ansteigen. Zunächst werden die Beiträge zur Pflegeversicherung von 2,05 % (bei Kinderlosen 2,3 %) um 0,3 Punkte erhöht. Sobald der Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt wird, steigt der Beitrag um weitere 0,2 Punkte.
Damit professionelle Pflege für jeden Menschen bezahlbar bleiben soll, hat ein Expertenbeirat Empfehlungen erarbeitet, auf deren Grundlage der Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definiert werden soll. Menschen, die zurzeit nicht in die Pflegestufe 0, 1, 2 oder 3 eingestuft werden können, jedoch einen nicht unerheblichen Hilfebedarf haben, sollen durch den überarbeiteten Pflegebedürftigkeitsbegriff, ebenfalls Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten. Das Begutachtungssystem des medizinischen Dienstes wird durch den überarbeiteten Pflegebedürftigkeitsbegriff überarbeitet, und es laufen dazu die ersten parallelen Tests, um die Praxistauglichkeit zu prüfen. Wie die genaue Begutachtungssystematik aussehen soll, ist noch nicht bekannt.
Nach dem Grundsatz „Ambulant vor Stationär“ sollen die ambulanten Leistungen den stationären Leistungen der Pflegeversicherung weiter angeglichen werden.
Bis zur endgültigen Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes sollen die schon bestehenden zusätzlichen Betreuungsleistungen nicht nur Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz erhalten, sondern alle pflegebedürftigen Personen unabhängig von ihrer Alltagskompetenz oder ihrer Pflegestufe. Damit hätte jeder Versicherte, der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhält, Anspruch auf die zusätzlichen Betreuungsleistungen.

Die bereits bestehenden Zusatzleistungen der Pflegeversicherung wie Verhinderungs-, Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege werden weiter Bestand haben. Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege können künftig miteinander kombiniert werden, was zu einem deutlich erhöhten Leistungsbetrag führen kann. Die Verhinderungspflege soll künftig für bis zu sechs Wochen in Anspruch genommen werden können.
Versicherte, die bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung der Pflegestufe 0 beziehen, sollen in Zukunft auch einen Zuschlag für ambulant betreute Wohngruppen (betreutes Wohnen) bzw. eine Anschubfinanzierung zur Gründung von betreuten Wohngruppen erhalten.
Es ist vorgesehen, die monatliche Pauschale für die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel von derzeit 31,00 Euro auf 40,00 Euro zu erhöhen.

Im Verlauf der Pflegereform soll bundesweit eine generalisierte Pflegeausbildung erfolgen, die den Wechsel zwischen den einzelnen Pflegeberufen ermöglichen und zu einem flexibleren Arbeitsmarkt führen soll. Jedem Auszubildenden bzw. jeder Auszubildenden soll eine kostenfreie Ausbildung ermöglicht werden.
Die Pflegetransparenzvereinbarung soll weiter entwickelt werden, damit die Qualitätsunterschiede und die Transparenz der jeweiligen Pflegeeinrichtungen deutlicher und realistischer wird.

Eine kleine kritische Anmerkung …

Das mit den Stimmen der Großen Koalition im Oktober 2014 verabschiedete Pflegereformgesetz bringt nicht nur eine leichte Erhöhung der Leistungen aus der Pflegeversicherung, sondern auch eine veränderte „Sichtweise“ des Begriffs der Pflegebedürftigkeit. Ziel ist, die rein körperbezogene Pflege (Grundpflege) durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise zu ersetzen. Hier streiten die Fachleute der unterschiedlichen Disziplinen aus medizinisch-geriatrischer, aus gerontologischer, aus sozialrechtlicher und pflegewissenschaftlicher Sicht schon seit langem über eine exakte Definition. Mit dem neuen Begutachtungs-Assessment (NBA) wird gemessen, was der oder die Pflegebedürftige noch kann. Erfasst wird der Grad der Selbstständigkeit einer Person bei Aktivitäten in insgesamt sechs pflegerelevanten Bereichen, wie z. B. kognitive und kommunikative Fähigkeiten oder der Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen. Das Instrument berücksichtigt damit den besonderen Hilfe- und Betreuungsbedarf von Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen, was bisher nicht möglich war. Aus den Ergebnissen der Prüfung ergibt sich die Einordnung in einen der fünf Pflegegrade. Die Prüfergebnisse von zwei weiteren Modulen (außerhäusliche Aktivitäten, Haushaltsführung) gehen nicht in die abschließende Bewertung der Pflegebedürftigkeit einer Person ein.

Die auf den ersten Anschein durchaus positiv wirkenden Ansätze zeigen sich aber schnell in einem anderen Licht, wenn man einen Rückblick wagt. Ursprünglich gab es keine Trennung der Sozialversicherung in Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Die Versorgung der Menschen im Krankheitsfall war eine Querschnittsaufgabe, der eine gesellschaftliche Verpflichtung zu Grunde lag. Die Trennung in Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungszweige erfolgte unter einem vermeintlichen Kostendruck, der aber in der Folge die gesellschaftliche Verpflichtung in den Hintergrund treten und Krankenversicherung sowie Pflegeversicherung zu einem marktwirtschaftlichen Instrument „verkommen“ ließ. Die Faktoren, die den Kostendruck verursachten, sind zu keiner Zeit ernsthaft einer Lösung zugeführt worden. Die einzigen Lösungsansätze, die meiner Überzeugung nach in die falsche Richtung gehen, wurden in einer Verbesserung der Einnahmeseite zu Lasten der Versicherten und in einer erheblichen Reduzierung der Leistungen auch zu Lasten der Versicherten gefunden. Insgesamt wurde das Verfahren, Leistungen der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung zu erhalten, so intransparent, dass es für die Betroffenen und auch für die Verwaltung kaum noch handhabbar ist. Dies wird sich auch in der Zukunft nach Inkrafttreten des „Pflegestärkungsgesetzes“ nicht verbessern. Die hilflosen Versuche der politisch Verantwortlichen, mehr Geld im System Pflegeversicherung bereit zu stellen, ist meiner Überzeugung nach der völlig falsche Weg. Die Leistungserbringer, wie die marktwirtschaftlich organisierten Pflegeheime und Pflegedienste, als auch die karitativen und paritätischen Organisationen wissen sehr wohl, in welchem lukrativen wirtschaftlichen Umfeld sie ihr Betätigungsfeld haben und werden Wege finden, ihren „Marktanteil“ zu halten und gegebenenfalls zu erweitern. Die Politik versäumt es seit Jahren, der Konzentration von marktbeherrschenden Unternehmungen im Pflegebereich entgegenzuwirken. Im Gegenteil, sie fördert Konzentrationen auch unter dem Gesichtspunkt, erst einmal weniger eigenen Aufwand treiben zu müssen. Der Aspekt, dass diese Entwicklung fatale Folgen für die Betroffenen – die zu Pflegenden und deren Angehörige wie auch für die Beschäftigten – mittelfristig zur Folge haben wird, wird weitgehend ausgeblendet. Mein kritischer Ansatz ist der, dass ich feststelle, dass auch bei dem veränderten Pflegegesetz eine deutliche Ungleichbehandlung der pflegenden Angehörigen gegenüber den professionellen Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten erfolgt. Die pflegenden Angehörigen werden mit ungleich geringeren finanziellen Mitteln beschieden, zudem muss der oder die zu Pflegende noch die Investivkosten der gewerblichen Einrichtungen und in der Folge einen Abschlag seines Pflegegeldes hinnehmen. Der Versuch, Angehörige stärker in die Pflege von Angehörigen einzubinden, ist ebenfalls halbherzig. Die Möglichkeit, Angehörige für einen bestimmten Zeitraum von ihrer Tätigkeit für die Pflege oder deren Organisation freizustellen, dürfte letztlich nicht wirklich umsetzbar sein. Selbst in den öffentlichen Verwaltungen ist der Druck auf Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen so erheblich, dass Freistellungen sicher auch nur die Ausnahme bleiben. Im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe halte ich es für realitätsfremd. Die so gelobte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass es immer weniger Familien gibt, die in der Lage wären, selbst die Pflege von Angehörigen zu organisieren. Besonders in den Städten haben wir überwiegend Kleinfamilien, in denen beide Familienmitglieder zum Lebensunterhalt beitragen müssen, da sich sonst die hohen Lebenshaltungskosten – insbesondere Mieten und Nebenkosten – nicht bezahlen lassen. Zudem ist die räumliche Voraussetzung häufig nicht geeignet, eine qualifizierte Pflege leisten zu können.

Das „soziale Gewissen“ können die politisch Verantwortlichen nicht Versicherungen oder marktwirtschaftlich organisierten Unternehmungen überlassen. Auch darf sich die Politik nicht aus der sozialen Verantwortung verabschieden, indem sie ihre elementarsten Aufgaben gemeinnützigen Organisationen überlässt. Wir haben in vielen Bereichen eine „Entsolidarisierung“ unseres Gemeinwesens. Dies zeigt sich deutlich bei den Wahlen und auch bei den „Pegida-Demos“.

Ich würde mich sehr freuen, wenn meine kritischen Anmerkungen, Anlass für eine lebhafte Diskussion wären.

Martin Schmidt-Bugiel

Nachbarschaftshilfe - selbstverständlich oder dem Zufall überlassen?

Erinnern Sie sich noch an „Timur und sein Trupp“?

Kinder gingen zu Älteren nach Hause und halfen ihnen Kohlen aus dem Keller zu holen, Einkäufe zu erledigen usw. Das ist heute kein Thema mehr. Wir brauchen zwar keine Kohlen zum Heizen, aber Energie zum Leben. Wenn dann die Bewältigung des täglichen Lebens immer schwerer wird, wünschen wir uns schon einen Menschen, der mal schnell Hilfe leistet. Mal schnell klingelt und eine Handreichung für uns erledigt oder einfach für ein Gespräch bereit ist.

Heute reden wir von Nachbarschaftshilfe und meinen das genau so. Die Nachbarn kennen sich, merken, wenn sich mal die Tür des anderen länger nicht öffnet und erkundigen sich. Zum Glück ist das meist gängige Praxis.

Was aber tun, wenn es nicht nur um Kleinigkeiten geht, wenn Rat für wichtigere Dinge im Leben gebraucht wird. Wenn der Haushalt nicht mehr geschafft wird, wenn im Garten Arbeiten zu verrichten sind, die die eigenen Kräfte übersteigen usw.

Hier kann das Netzwerk Leben im Kiez (LIK) unterstützen und die benötigte Hilfe vermitteln. Es wurde vor 5 Jahren von der Seniorenvertretung initiiert. In den Ortsteilen, in den Kiezklubs gibt es Ehrenamtliche, die im Namen des LIK zur Verfügung stehen und gern Auskünfte geben und die benötigte Hilfe vermitteln.

Also, warum lange mit dem Problem herum plagen. Fragen Sie für sich oder für Ihren Nachbarn oder hrer Nachbarin in Ihrem Kiezklub, in Ihrem Nachbarschaftstreff oder direkt beim Netzwerk unter der Telefon-Nummer (030) 319 890 24.

Ihre Helga Walter
Seniorenvertretung

Wie wollen wir die Gesellschaft des langen Lebens gestalten und wer soll das bezahlen?

Anlässlich einer Tagung der Diakonie hat im vergangenen Jahr unser Mitglied der Seniorenvertretung Treptow-Köpenick den folgenden Vortrag gehalten, den wir Ihnen gerne zur Kenntnis geben wollen.

Wie wollen wir die Gesellschaft des langen Lebens gestalten und wer soll das bezahlen?
Vier Perspektiven aus der Sicht seniorenpolitischer Interessenvertretung

Ich frage Sie: Ist langes Leben schlimm?

Ich sage nein!

Denn jeder möchte lange leben – aber möglichst ohne Probleme und dann einmal beim Mittagschlaf für immer einschlafen. Es hat uns niemand versprochen, dass es so kommt – aber wir haben es ein bisschen in der Hand.

Die heutige ältere Generation, die zum Teil zwei Kriege erlebte, die Hungersnöte, die schwere Aufbauarbeit nach dem Krieg – das sind Faktoren, die keine gute Voraussetzung waren, gesund alt zu werden. Und trotzdem nehmen die Zahlen der über 100 jährigen Menschen zu. Inzwischen hat die Medizin erhebliche Fortschritte gemacht und viel ist möglich, um „dem Tod von der Schippe zu springen“, Ersatzteile zu bekommen und dann noch recht gut weiter leben zu können. Das möchte jeder für sich in Anspruch nehmen! Es soll möglichst das Beste für jeden kostenlos zur Verfügung stehen.

Wir wollen zu Hause, in der gewohnten Umgebung alt werden. Wir wollen Hilfe erhalten, wenn wir sie benötigen.

Sind diese unsere Wünsche erfüllbar? Wenn ja, gilt das für alle Menschen, die in der Bundesrepublik leben – in den Städten und in den ländlichen Regionen?
Ob ein gutes Altern für mich möglich ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab.

  1. Was sagen meine Gene?
  2. Wie war meine Kindheit?
  3. Welche Bildungschancen hatte ich?
  4. Wie lebe ich jetzt?
  5. Bin ich mobil und treibe Sport?
  6. Wie ernähre ich mich?
  7. Gehe ich zu Vorsorgeuntersuchungen?
  8. Habe ich Arbeit, ein ausreichendes Einkommen und damit einen gesicherten Lebensunterhalt?
  9. Denke ich rechtzeitig an mein Alter und plane ich vor oder verdränge ich das Thema Alter?
  10. Denke ich mit 70 noch, dass ich nicht alt bin und nicht zu der Gruppe der älteren Menschen gehöre?
  11. Wird mich Hilfe- oder Pflegebedarf völlig überraschend treffen, ohne jede innere Vorbereitung?

So könnte ich noch viele Fragen stellen.

Wie wir sehen, sind das bis jetzt keine Fragen, die ein anderer, auch kein Politiker, für mich beantworten kann. Ich selber habe es in einem hohen Prozentsatz in der Hand, wie mein Gesundheitszustand ist, ob ich mein Leben plane, aktiv bin oder das Leben laufen lasse nach dem Motto: “ …aber bitte mit Sahne“. Auch diese Aussage ist zu kurz gegriffen. Ich weiß für mich, dass mein Leben vorbestimmt ist, aber ich habe nicht umsonst den Kopf und mein Gehirn zum Denken, Planen und Handeln erhalten.

Nun komme ich aber zu einem Punkt, der in unserem Lebensraum sehr wichtig ist, nämlich die Rahmenbedingungen, die ich brauche, um mein Bemühen verwirklichen zu können. Wir leben nicht in einer Gesellschaft wo Ellenbogen, Wirtschaftsmacht, Bankenstreit und Bankenpleiten keine Rolle spielen. Diesen Platz gibt es nirgends mehr auf der Welt. Und deshalb – weil es den Politikern weltweit nicht gelungen ist, Gier in so großem Maße zu verhindern, weil jedem in der Öffentlichkeit Handelnden Bestechlichkeit unterstellt wird und sich auch leider all zu oft bestätigt – brauchen wir Räume in denen rücksichtsvolles Leben, gutes Miteinander, Fürsorge ohne Gewinndenken, Glück und Freude erlebbar sind. Es menschelt überall! Es wird kein Ganove geboren, der Umgang und die Lebensbedingungen formen die Menschen.

Deshalb müssen:

  1. Allen Kindern gleiche Lebens- und Bildungschancen geboten werden.
  2. Die gegenseitige Achtung das Grundprinzip in der Erziehung sein.
  3. Die gesundheitliche Vorsorge für alle gelten und Anwendung finden.
  4. Prophylaxe für alle Altersgruppen gleich wichtig sein.
  5. Selbstbewustsein und Handeln in einem selbstbestimmten Leben rechtzeitig gestärkt werden.
  6. Soziale Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden.
  7. Möglichkeiten der Teilhabe und Betätigung in der eigenen Lebenswelt vorgehalten werden.
  8. Das Ehrenamt geachtet und gefördert werden.
  9. Kommunikationsorte für Jung und Alt vorhanden sein.
  10. Die Lebenswelt für alle Menschen erlebbar gestaltet werden.

Höre ich jetzt die Frage: Und wer soll das bezahlen?

Wir haben alle rechnen gelernt. Allerdings die normale Mathematik. In der Politik kommen wir damit nicht weit.

Wenn ich:

  1. Kindergartenplätze schaffe, damit die Eltern arbeiten können und so deren Lebensunterhalt gesichert ist, dann haben auch die Kinder gute Chancen für den Lebensstart.
  2. Wenn ich Arbeitsbedingungen schaffe, in denen das Wissen der Älteren gefragt ist, in denen Gesundheitsvorsorge betrieben wird, um die Arbeitskraft zu erhalten und in denen ein Arbeitslohn gezahlt wird, der für Frauen und Männer für gleiche Arbeit gleich hoch ist und den Arbeitsleistungen entspricht und diese dann auch Vorsorge für das Alter und die Pflege treffen könnten,
  3. Wenn die Gesundheitsvorsorge und die Prophylaxe rechtzeitig ohne Altersgrenzen möglich ist, weil sie bewilligt und bezahlt wird,
  4. Wenn Vereinsamung bei den immer stärker anwachsenden Singelhaushalten, durch Begegnungsstätten und Kommunikationsmöglichkeiten, entgegen gewirkt wird,
  5. Wenn Gesundheitsversorgung nicht von der Wohngegend und dem Geldbeutel abhängen,
  6. Wenn ein Krankenversicherungssystem die Klassenunterschiede beseitigen und alle gleich behandeln würde,
  7. Wenn mit Hilfe von Netzwerken das selbstbestimmte lange Leben zu Hause ermöglicht wird,
  8. Wenn Pflegekräfte entsprechend ihrer Leistungen entlohnt werden,
  9. Wenn endlich der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der schon vor einigen Jahren definiert und durch Rechenbeispiele unterlegt wurde, eingeführt würde,

dann wäre es am Ende auch bei vielen älter werdenden Menschen für die Staatskasse preiswerter als in dem zur Zeit praktizierten System. Eine morsche Decke lässt sich nicht in alle Richtungen dehnen. Werden den Ländern die Finanzen gekürzt, weil die EU neue Aufgaben verlangt, dann können die Länder auch nur begrenzt handeln. Jedes Ressort hat seine zugewiesenen Finanzen. Diese Finanztöpfe sind für andere Fachbereiche nicht zugänglich. Im Prinzip auch richtig. Wenn aber das Geld für das Schaffen von Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes, menschenfreundliches Leben nicht ausreicht, dann frage ich mich, ob die Verteilung stimmt. Ist es sinnvoll, das Leben der Menschen vor Ort in unterschiedliche Bereiche zu teilen, für die jeweils ein anderer zuständig ist?
Deshalb ist es in den Ländern wichtig, ressortübergreifend zu planen und die Finanzen entsprechend einzuteilen. Bei der Städte- und Landschaftsplanung fängt es an. Hier sind nicht nur die Straßen für Autos, große Einkaufszentren, Vergnügungstempel und große Pflegeeinrichtungen nötig. Die Voraussetzungen zum Leben für die Menschen nicht für die Finanzwelt sollten Inhalt dieser Planungen sein. Stadtplaner, Jugend- und Sozialplaner gehören an einen Tisch. Die Menschen vor Ort müssen in diese Planungen einbezogen werden. Sie wissen was gebraucht wird. Das Grundprinzip der Inklusion muss auch Grundgedanke der Planer sein.

Solches Miteinander klappt nicht ohne Übung im Kleinen. Deshalb meine Forderung: Fangt in den Familien, Kindergärten und Schulen an, gemeinsam zu planen und Lösungen umzusetzen. Den Bestimmer darf es nicht mehr geben. Er sollte Moderator heißen und auch so handeln. Sie merken, dass meine Vorstellungen eine lange Zeit brauchen werden, damit sie tragen. Aber: Wir leben ja immer länger und haben also auch Zeit. Wenn wir gemeinsam mit Geduld und Konsequenz diese Ziele des Miteinander und Füreinander gehen, so kommen wir auch zum Ziel.

Wir wissen aus den von der Bundesregierung beauftragten Altenberichten, dass sich das Altersbild sehr verändert hat. Menschen, die heute mit 65, später mit 67, in Rente gehen, je nach den Arbeitsbedingungen, die sie hatten, noch unternehmungslustig und einsatzfreudig sind. Natürlich will man zunächst erst einmal von Pflichten nichts hören, tun wozu man Lust hat. Das ist auch richtig so. Aber es dauert selten lange bis auch der Wunsch nach dem noch „gebraucht werden“ auftaucht.
Wer Enkel hat ist oft beschäftigt und gefragt, wenn sie in der Nähe wohnen. Andere Rentner aber suchen dann Betätigungsmöglichkeiten. Hier können Sportvereine, Schulen, Begegnungsstätten, Kirchen, Pflegeeinrichtungen eigentlich allen Wünschen entgegenkommen und Betätigung bieten, die den Suchenden Erfüllung und Freude bieten. Dafür muss es Stellen geben, die solche Betätigungsfelder vermitteln.

Wir wissen, dass der größere Prozentsatz der zu Pflegenden zu Hause versorgt wird und ein Großteil der Angehörigen diese Pflege ausüben. Auch hier werden Helfer/Ehrenamtliche benötigt, damit die pflegenden Angehörigen Entlastung erhalten und für sich Zeit zur Entspannung haben. Das sieht das Pflegegesetz auch vor, und es muss von den Ländern „nur“ umgesetzt werden. Es gibt in der ganzen Bundesrepublik viele sehr gute Beispiele, wie das Ehrenamt tätig sein kann und auch wie es mit der Ehrenamtskultur aussieht.

Ein Fehler war und ist es, Lücken mit „Projekten“ zu schließen. Denn das bedeutet, dass es für eine kurze Zeit Geld gibt, um die bestehende Lücke mit einem Angebot zu schließen. Läuft die Finanzierung aus, dann ist keiner da, der die weitere Bezahlung übernimmt, und das gerade mit Erfolg aufgebaute Angebot verschwindet wieder. Viel wichtiger ist es Strukturen zu schaffen, die solche Lücken vermeiden. Netzwerke in vielen Variationen werden schon praktiziert und erfüllen ihren Zweck. Hier sind wesentlich kleinere Finanzierungen nötig, die oft von den Beteiligten an den Netzwerken oder Sponsoren aufgebracht werden.

Neben der ehrenamtlichen Tätigkeit in Vereinen, bei Trägern und Projekten gibt es auch die Möglichkeit der politischen Einflussnahme als Ehrenamtliche/Ehrenamtlicher. Die Seniorenvertretungen sind die Interessenvertreter der älteren Menschen vor Ort gegenüber den Ortspolitikern. Diese Seniorenvertreter bilden in jedem Bundesland die Landesseniorenvertretung bzw. den Landesseniorenbeirat, die gegenüber der Landespolitik die Interessen der Menschen vertreten. Nicht alle Probleme können in den Ländern geklärt werden. Deshalb gibt es den Zusammenschluss der Landesseniorenvertretungen zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenvertretungen.

Die Entstehungsgeschichte der politischen Interessenvertreter ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich und deshalb auch die Art der Wahl und die Namensgebung. Erst in wenigen Bundesländern gibt es ein Gesetz zur Wahl der Seniorenvertretungen. Es wäre gut, wenn einheitliche Regeln bestünden und die Unterstützung für diese wichtige Arbeit der ehrenamtlichen Seniorenvertreter in den Bundesländern und bei der Bundesregierung gleiche Anerkennung und Unterstützung fände. Denn sie wollen nicht den Frieden der Regierenden stören, sondern mit ihren Hinweisen und Lösungsvorschlägen das Leben der Älteren wie auch der künftig älteren Menschen besser und gerechter machen.
Ideen sind je nach Problemlage vor Ort erwünscht. Das heißt aber auch, dass wir mit offenen Augen und wachem Sinn unsere Umwelt wahr nehmen – eine Antenne für das Leben haben.
Ich wünsche uns allen diese stets empfangsbereite Antenne und gute Ideen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Helga Walter

Oberlandesgericht nimmt Heime an die Leine

Das Oberlandesgericht im pfälzischen Zweibrücken hat in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil untersagt, Angehörige von Bewohnern eines Pflegeheimes, unbegrenzt für Kosten eines Pflegeplatzes in Anspruch zu nehmen (Az. 1 U 143/13). Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte einen Anbieter der Kurzzeitpflege verklagt. Nach Angaben des vzbv drängten Pflegeeinrichtungen immer wieder, Angehörige oder ehrenamtliche Betreuer, sich an den Kosten für einen Pflegeplatz zu beteiligen, wenn der Bewohner selbst nicht dafür aufkommen kann. In den häufig sehr umfangreichen Heimverträgen seien dann „Schuldbeitrittserklärungen“ beigefügt. Dem Bewohner nahe stehende Menschen unterschreiben dann, nach Einschätzung des vzbv, diese „Schuldbeitrittserklärungen“ ohne zu überblicken, welche Kosten tatsächlich auf sie zukommen können. Wegen des hohen Eigenanteils in der Pflegeversicherung oder bei Schäden, die durch den Bewohner verursacht würden, können es schnell mehrere tausend Euro sein.

Das Oberverwaltungsgericht hat klargestellt, dass derartige Vereinbarungen nicht unbegrenzt gelten. Die Mithaftung darf das Doppelte der in einem Monat anfallenden Entgelte nicht übersteigen. Formulare dürfen auch nicht zwischen anderen Anlagen zum Heimvertrag versteckt werden. Damit folgt die Kammer in wesentlichen Punkten der Klage des vzbv.

Pflegestützpunkte in Treptow-Köpenick - Informieren – Beraten – Unterstützen

Menschen, ob alt oder jung, möchten bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Hilfsbedürftigkeit am liebsten in den eigenen vier Wänden versorgt werden und möglichst lange dort wohnen bleiben. Die vertraute Umgebung nicht verlassen zu müssen, das ist ein oft gehörter Wunsch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegestützpunkte und zugleich Ihr Auftrag:

Über Unterstützungsmöglichkeiten informieren und bei Bedarf Hilfe in der Häuslichkeit zu organisieren! Sie beraten umfassend, unabhängig und kostenfrei.

Die Pflegestützpunkte bieten wohnortnahe Beratung zu vielen Situationen, in die jeder kommen kann: eine schwere Krankheit, ein Schlaganfall oder eine Demenzerkrankung können das Leben von heut‘ auf morgen verändern. Plötzlich stellen sich viele Fragen:

  • Kann ich weiterhin in meiner Wohnung wohnen?
  • Wann bekomme ich eine Pflegestufe?
  • Welche Hilfsmittel können verordnet werden?
  • Schaffen es meine Angehörigen?
  • Welche gesetzlichen Ansprüche habe ich?

Die Pflegestützpunkte koordinieren sämtliche für die Versorgung und Betreuung im Einzelfall in Frage kommenden Angebote und unterstützen die Betroffenen bei deren Inanspruchnahme. Ein Ratsuchender wird auf Wunsch so lange unterstützt, bis die Problemlage gemildert ist und alle Fragen geklärt sind. Träger der Pflegestützpunkte sind die Pflege- und Krankenkassen und das Land Berlin.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich natürlich auch schon im Vorfeld über die Möglichkeiten der Unterstützung informieren und beraten lassen. Sie können sich direkt an die Pflegestützpunkte im Bezirk wenden:

Pflegestützpunkte:

Hans-Schmidt-Str.18, 12489 Berlin
Tel.: 0800 – 265 080 27 450 (kostenfrei)
Fax: 0800 – 265 080 27 455
E-Mail : PSP_hansschmidtstrasse@nordost.aok.de

Spreestr. 6, 12439 Berlin
Tel.: 030 – 39 063 825
Fax: 030 – 39 063 826
E-Mail: psp.treptow-koepenick@albatrosggmbh.de

Myliusgarten 20, 12587 Berlin
Tel.: 030 – 25 92 82 45
Fax: 030 – 25 92 82 50
E-Mail: treptow-koepenick@arge-psp.de

Gemeinsame Öffnungszeiten:

Dienstag 09.00 – 15.00 Uhr und Donnerstag 12.00 – 18.00 Uhr

Zusätzlich bietet der Pflegestützpunkt Hans-Schmidt-Straße jeden 1.Mittwoch im Monat eine Sprechstunde von 9.00 – 12.00 Uhr im KIEZKLUB Rahnsdorf an:

KIEZKLUB Rahnsdorf
Fürstenwalder Allee 362, 12589 Berlin