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Projekte im Fokus

Das fliegende Klassenzimmer

Ansicht Das fliegende Klassenzimmer
Ansicht Das fliegende Klassenzimmer
Bild: MK Design and Visualization Studio

Eine nachhaltige Alternative bei der Schaffung temporärer Schulplätze stellt das vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg entwickelte Bausystem „Das Fliegende Klassenzimmer“ (DFK) dar. Dabei handelt es sich um ein temporäres Gebäude, welches architektonische, bauphysikalische und ökologische Qualität mit Nachhaltigkeit verbindet und dabei gleichzeitig hohe pädagogische Anforderungen erfüllt. Das „DFK“ kann sowohl während einer Bauphase als temporäre Lösung für Schulsanierungen sowie zur kurzfristigen Realisierung von zusätzlichen Schulplätzen bei Bedarfsspitzen genutzt werden. Es wurde bislang nur als ebenerdige Variante mit der Bezeichnung „DFK 1.0“ realisiert. Die meisten Bezirke verfügen jedoch nicht über ausreichend große Grundstücksflächen, um ihre notwendigen Kapazitätszuwächse mit einem eingeschossigen Bau abdecken zu können. Sie benötigen mehrgeschossige Varianten, wie sie das sogenannte „DFK 2.0“ bietet. Mit dem Taskforce-Beschluss 06/2019 ist dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg die Dienstleistungsfunktion für alle Berliner Bezirke übertragen worden. Erste Planungsergebnisse zum DFK 2.0 liegen vor und werden aktuell weiter vertieft. Das DFK 2.0 kann voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 durch die Bezirke abgerufen werden und schafft zusätzliche Kapazitäten für das Schuljahr 2022/2023.

Holzmodulbau

Skizze Holzmodulschule außen
Holzmodul Perspektive aussen
Bild: Nemesis, Becker&Ohlmann

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg plant aktuell ebenfalls einen Holzmodulbau, der jedoch nicht mit dem DFK zu verwechseln ist. Als Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde die Verwendung von Holz für das dreigeschossige modulare Bausystem ausgewählt. Für die Erarbeitung der Leistungsbeschreibung wurde auf die Erfahrungswerte mit Holzmodulbauten aus Frankfurt/Main und Tempelhof-Schöneberg in Bezug auf die Anforderungen an technische Qualitäten, Grundrisse sowie im Hinblick auf die geforderten Materialien und die Einhaltung von DIN-Normen u. a. für Raum- und Luftqualität (z. B. die Verwendung von Brettsperrholz, Anforderungen an den Bodenbelag etc.) aufgesetzt.

Die Wirtschaftlichkeit ist durch die Versetzbarkeit der Module gegeben und durch eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung bestätigt. Durch das Prinzip der Modularität werden Einsparungen in Planung, Fertigung und Anlieferung erzielt. Die Anzahl der Module lässt sich beliebig erweitern. Eine Übertragbarkeit für andere Bezirke durch die Weiternutzung von Leer-Leistungsverzeichnissen für Holzmodule, Grundrisse etc. ist möglich, dabei sind jedoch die individuellen Standortanforderungen zu berücksichtigen.

Modulare Klassenräume

Der Bezirk Pankow kann aufgrund seiner vorwiegend kleinen Grundstücke die Möglichkeiten des DFK in seiner bisher angebotenen eingeschossigen Variante nicht nutzen. Deshalb ist er selbst aktiv geworden und hat Konzepte für dreigeschossige Varianten für ein modulares System temporärer Ausweich- und Zusatzflächen entwickelt. Die Ausschreibung erfolgte nicht implizit als Holzmodulbau, sondern systemoffen. Dies bedeutet, dass Hersteller von Holzmodulbauten und Anbieter sonstiger modularer Bauformen Angebote abgeben können.

Pavillons

Pavillon Grunewald GS
Pavillon Grunewaldschule
Bild: SenBJF

Dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ist es gelungen, doppelstöckige Containerbauten mit je 2 × 2 Klassenräumen kurzfristig in nur 4 bis 6 Monaten zu errichten. Er bietet für alle Bezirke eine zentrale Dienstleistungsfunktion an. Die daraus resultierenden Synergieeffekte könnten weiterhin zu einer Beschleunigung in der Schulplatzbereitstellung beitragen.

Nach der Verifizierung der bezirklichen Nachfrage wurde das Angebot der Pavillonbeschaffung durch die Steuergruppe der Taskforce Schulbau weiter konkretisiert. Das Angebot kann nach erfolgreicher Personalgewinnung zur Verfügung stehen und könnte für das Schuljahr 2021/2022 die Bezirke bei der Errichtung temporärer Schulplätze durch Pavillons entlasten.

Tempohome-Container

Bildvergrößerung: Tempohome Container
Tempohome Container in Tempelhof
Bild: SenBJF, Rolfes-Bursi

Um den aktuellen und zukünftigen Bedarf an Schulplätzen und Ausweichflächen zu decken, ist es unumgänglich, temporäre Schulerweiterungsbauten zu errichten. Anfang Februar 2020 wurde zwischen den Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Familie, für Finanzen und der BIM auf der Arbeitsebene die Übereinkunft erzielt, das Angebot der BIM zur Unterstützung bei der Nachnutzung von Tempohome-Containern für schulische Zwecke für die Dauer einer Pilotphase weiter zu verfolgen. In diesem Zusammenhang wird geprüft, inwieweit sich die vorhandenen Container aus der Flüchtlingsunterbringung (Tempohomes) für eine temporäre Weiternutzung innerhalb der Berliner Schulbauoffensive eignen.

Deshalb hat die Taskforce Schulbau am 16. Juni 2020 die Nachnutzung von Tempohome-Containern für schulische Zwecke beschlossen, soweit diese wirtschaftlich ist sowie die Beauftragung der BIM mit der Dienstleisterfunktion für alle Berliner Bezirke. Die Dienstleisterfunktion umfasst die folgenden Aufgaben: Pilotplanung, Pilotprojekt und Ausschreibung von Rahmenverträgen für Bau- und Planungsleistungen. Im Ergebnis der Pilotplanung werden drei Pilotentwürfe auf Grundlage des Taskforce-Beschlusses für Mindeststandards für Ausweich- und Zusatzmaßnahmen erarbeitet. Die Entwürfe sollen später einheitlich für alle Bezirke als Grundlage für ihre jeweiligen standortspezifischen Planungen und die Umsetzung dienen. Die Projektvereinbarung „Rahmenverträge“ hat die Ausschreibung der notwendigen Planungs- und Bauleistungen für eine standortkonkrete Umsetzung zum Gegenstand. Beide Projektvereinbarungen werden durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die BIM geschlossen. Die Durchführung des Pilotprojektes wird zwischen der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH und dem Bezirk Spandau über einen Geschäftsbesorgungsvertrag separat vereinbart.

Die Auswertung der Pilotphase soll Aufschluss darüber geben, inwiefern sich die umgerüsteten Tempohome-Container für schulische Nutzungen eignen und ob das Verfahren wirtschaftlich ist. Die Finanzierung der Pilotphase erfolgt aus SIWA-Mitteln. Die spätere Umsetzung von temporären Maßnahmen durch umgerüstete Tempohome-Containern ist durch die Bezirke gesondert aus dem 100 Mio. Euro – Schnellbauprogramm Klassenzimmer zu beantragen.

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