Geboren in Blankenfelde

Frühling 1944 - Maria Jemez mit Tochter Viktoria vor einer Holzbaracke des Krankensammellagers Blankenfelde
Frühling 1944 - Maria Jemez mit Tochter Viktoria vor einer Holzbaracke des Krankensammellagers Blankenfelde
Bild: Viktoria Jemez, Repro/Privat

Donnerstag, 17.03.2016, 19.00 Uhr
Museum Pankow – Standort Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Im Gespräch: Viktoria Jemez (Poltava/Ukraine)

Begleitveranstaltung zur Ausstellung Rieselfelder, Liegekur und Runkelrüben. Das Stadtgut Blankenfelde im Norden Berlins

Verteilt über das Berliner Stadtgebiet waren 1944 ca. 400.000 aus dem Ausland ver­schlepp­te zivile Zwangsarbeiter in der Reichshauptstadt beschäftigt, darunter in der Rüstungsindustrie, bei Bauvorhaben, in Hand­werks­betrieben, in Haushalten und der Landwirtschaft.
Auch im Dorf Blankenfelde wurden nach Beginn des Zweiten Weltkrieges zivile Zwangs­ar­bei­ter unter­gebracht und zur Arbeit herangezogen, darunter auf dem Stadt­gut, den Bauern­stellen und in privaten Haushalten.
In unmittelbarer Nähe des Dorfes am Lübarser Weg errichtete die Reichsbahnbaudirektion 1941 ein großes Barackenlager. Seit Sommer 1942 wurde dieses Areal als Durchgangslager Blankenfelde Nord für russische und ukrainische Zwangsarbeiter genutzt. Bereits im Juli 1942 war ein Teil des Lagers als Krankensammellager für dauernd arbeitsunfähige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion eingerichtet worden. Ein abgetrennter Teil des Lagers diente zur Unterbringung von an Tuberkulose Erkrankten, die häufigste im Sterbe­re­gister verzeichnete Todes­ursache. Ohne ausreichende ärztliche Versorgung brachten Frauen hier ihre Kinder zur Welt.
Die Krankenschwester Maria Iwanowna Jemez, wurde im Juni 1942 zusammen mit anderen Bewohnern aus Konstantinowka im Kreis Donezk/Ukraine nach Deutschland verschleppt. Bis zum November musste sie in Liebenwalde in einer Fabrik Zwangsarbeit verrichten. Hochschwager kam Maria Jemez in das Krankensammellager nach Blankenfelde. Dort brach­te sie am 27. Dezember 1942 die Tochter Viktoria zur Welt. Bis zur Befreiung blieben beide im Lager und Maria Jemez unterstützte die dort aus der Ukraine und Polen stammen­den Ärzte. Aus Furcht, der Kollaboration mit den Deutschen bezichtigt zu werden, erzählte sie erst in den 1980er Jahren ihrer Enkel­tochter von der Liebe zu einem deutschen Offizier, dem Vater von Viktoria Jemez.