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Unerkannt durch Freundesland – РИЛОДЕД

Illegale Reisen durch das Sowjetreich und deren Fortsetzung in den 1990ern

Eine Ausstellung mit Fotografien, Schmalfilmen, Objekten und Zeitzeugeninterviews vom 17.01.2015 bis 15.03.2015

Museum Pankow – Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Kosmonauten, 1985
Kosmonauten, 1985
Bild: Robert Conrad

Sie nannten sich „Transitniks“ oder „UDFler“ – Jugendliche aus der DDR, die sich mit der Mauer und den Reise­beschrän­kungen nicht abfinden wollten, wählten als Ziel für ihr Fernweh trotzig den „Wilden Osten“. Mittels eines büro­kratischen Tricks, indem sie mit einem Transit­visum ein-, aber nicht gleich wieder aus­reisten, erkundeten sie die damalige Sowjetunion nach eigenem Gusto. Das Risiko einer Verhaftung, einer Ausweisung oder Reisesperre nahmen sie in Kauf, ging es doch vor allem darum, sich aus dem grauen Plan­quadrat DDR zu befreien, mal „richtige“ Berge zu erklimmen und hinter dem Ural den mittel­asiatischen Raum oder gar Sibirien für sich zu entdecken. Diese Reisen waren Abenteuer pur, Exkursionen in Regionen, wohin sonst kein Ausländer kam, aber auch Begegnungen mit den real existierenden sozialisti­schen Widrig­keiten jenseits der großen Propaganda­inszenierung vom „Mutterland des Kommunismus“.
Nachdem die Ausstellung seit 2010 erfolgreich durch Deutschland wandert, wird sie nun, um ein neues Kapitel erweitert und im Museum Pankow zu sehen sein.

Schiffsfriedhof in Savoika, 1993
Schiffsfriedhof in Savoika, 1993
Bild: Ulli Wannhoff

UDFРИЛОДЕД – Reloaded

Nach 1990 ändert sich alles. Gegen Devisen war der Erhalt eines Visums kein Problem mehr. Bislang aus militärischen Geheim­haltungs­gründen für Ausländer gesperrte Regionen wie Kaliningrad oder Kamtschatka wurden zugänglich.
Einige der „Transitniks“ reisten weiterhin nach Russland und in die nunmehr neu entstan­denen Staaten. In ihren Fotos dokumen­tieren sie den Umbruch, und wie ein zerfallendes Riesen­reich zwischen Aufbruch und Anarchie, Armut und Chaos versucht, sich neu zu erfinden. Die zum Teil erstmalig präsentierten Foto­serien von Steffen Bohl, Robert Conrad, Steffen Graupner Christian Hufen, Jan Oelker und Ulli Wannhoff zeigen das Spannungs­feld zwischen sozialistischen Rest­beständen und Privatisierung, Verwahr­losung und neuem Konsum, aber auch den Alltag in entlegenen, „abgehängten“ Regionen wie die Bering­insel oder Tschukotka.

Ein Projekt der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V., gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt durch das Museum Pankow.

Kuratorin: Cornelia Klauß | Ausstellungsdesign und Architektur: Karl Karau

Eröffnung der Sonderausstellung am 16.01.2014 | Pressemitteilung vom 12.01.2015

>>> Begleitprogramm zur Ausstellung

Plakat: Unerkannt durch Freundesland – РИЛОДЕД

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Einladung: Unerkannt durch Freundesland – РИЛОДЕД

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