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Von Treckschuten und verschwundenen Orten

Gemälde, Grafik, Plastik aus der Sammlung des Museums Pankow im Bestand der Kommunalen Kunstsammlung des Bezirkes Pankow

Ausstellung vom 11.12.2011 bis 31.05.2012 (verlängert bis 07.10.2012)
Museum Pankow – Standort Heynstraße

Von Treckschuten und verschwundenen Orten, Zirkuszelt in Pankow, Paul Kuhfuss
Abbildung: Paul Kuhfuss, Zirkuszelt in Pankow, 1911, Kreide auf grauem Papier, 27,0 x 36,5 cm

Die Kommunale Kunstsammlung des Bezirkes Pankow verwaltet Kunstwerke des Museums Pankow, die ursprünglich durch die ehemaligen Bezirks­museen bzw. musealen Samm­lungen und Archive von Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg erworben wurden. Dieser Samm­lungs­bestand umfasst 410 erschlossene Gemälde, Grafiken und Plastiken, von denen in dieser Ausstellung erstmalig eine Auswahl zusammen­hängend gezeigt wurde.

Ausstellungseröffnung am 8. Dezember 2011; Pressemitteilung vom 07.12.2011

Folder: Von Treckschuten und verschwundenen Orten

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Textauszug - Folder zur Ausstellung

Die Ursprünge der Region des heutigen Bezirkes Pankow reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Der Name Pankow lässt sich aus der slawischen Wort­herkunft der Panke als „Fluss mit Strudeln“ herleiten. Diese ländliche Gegend wurde unter der Lehns­herrschaft der Mark­grafen ursprüng­lich von Kossäten und Büdnern bewirt­schaftet. Nach dem Dreißig­jährigen Krieg siedelten sich in der Region zusätzlich Migranten, darunter Holländer, Hugenotten und Juden aus östlichen Provinzen an.

In früherer Zeit schwoll die Panke bei übermäßigem Nieder­schlag zusätzlich an. Friedrich I., König in Preußen, veran­lasste um 1704 die Erweiterung der Fluss­gräben rund um die Panke, um damit zugleich den Transport mit Treck­schuten, kleinen Holz­booten, welche vom Ufer aus von Tieren und Menschen gezogen wurden, zu befördern. Außerdem war die Schaffung eines direkten Wasser­weges zwischen den Schlössern Charlotten­burg und Schönhausen, in wel­chem ab 1740 Elisabeth Christine, die Gemahlin von Friedrich II. in den Sommer­monaten residierte, beabsichtigt.

In Weißensee entwickelt sich das alte Rittergut seit 1884 zu einem Vergnügungspark. Die Parklandschaft um den Weißen See wurde selten auf der Lein­wand dokumentiert, Lothar Gemmel ist einer der wenigen, der sich ihr widmete.

Seit dem Mittelalter durchzogen die späteren drei Bezirke mehrere Handels­wege aus der Innen­stadt Richtung Norden und Nord­osten. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts ließen Berliner Kaufleute, Bankiers und Fabrikanten ihre Vorstadt­villen in Pankow und angren­zenden Dörfern errichten. Die ländlichen Vororte Berlins wurden zunehmend als Ausflugs­ort mit Gast­wirtschaft, Kaffee­häusern und Lokalen für Groß­städter genutzt.

Eine der frühesten Arbeiten in dieser Ausstellung, das „Zirkuszelt auf dem Pankower Anger“ von Paul Kuhfuss, stammt aus dem Jahre 1911. Die jüngste gezeigte Arbeit ist eine Radie­rung der Weißenseer Malerin und Graphikerin Linde Bischof aus dem Jahre 1989. Sie porträtierte den Gründer und Leiter des legendären Malik-Verlages, Wieland Herzfelde.

In die Bezirksgeschichte führen uns auch die Arbeiten der „Künstler des Nordens“. Die Grün­dung dieser Vereinigung im Jahr 1926 war eine Initiative der in dieser Region ansässigen Künstler, die damit zur Belebung der „kulturell vernach­lässigten“ nörd­lichen Berliner Vororte bei­tragen wollten. Zu ihren Mit­gliedern zählten Paul Kuhfuss, Franz und Margarete Stock, Curt Jäger und Fritz Hildebrandt. Sie alle sind mit Arbeiten in der Ausstellung vertreten. Ihre Motive dokumentieren zugleich die Entwicklung des heutigen Bezirks Pankow, darunter An­sichten der länd­lichen Gebiete, das um 1857 einsetzende Markt­treiben bis hin zu Bau­vor­haben in der jüngsten Vergangen­heit, wie den Bau des Pankower Freibades im Jahr 1959.
Der künstlerische Einzelgänger und Chronist Heinrich Werrmann knüpfte in seinen Pankower Ansichten an die Milieu­schilderungen Heinrich Zilles rund um die Mühlen­straße in Pankow an. Von verschwun­denen Orten, wie den alten Kossäten­häusern um 1900, zeugen die Arbei­ten von Otto Cerny. „Die alte Mälzerei“ von Paul Schultz-Liebisch aus dem Jahr 1963 zeigt das Porträt eines bekannten und bis heute weithin sichtbaren Industrie­denkmals in Pankow.

Zu den städtebaulich interessanten Themen und Motiven gehört auch das Areal des ehe­ma­ligen Städtischen Gaswerkes in Prenzlauer Berg. Mit der Sprengung seiner Gasometer und dem Umbau ehemaliger Industrie­bauten beschäftigten sich zwischen 1985/86 in eindrucks­vollen Grafiken und Aquarellen Christine Perthen und Roland Nicolaus. Stadt­land­schaften, verfallene Hinterhöfe und Ruinen sind in allen drei Ortsteilen ein viel beschriebenes und gesammeltes Motiv.

Die Grafiken von Hanns Schimansky, Christine Donath, Robert Rehfeldt, Linde Bischof, Margot Sperling oder auch Eva Vent greifen diese Themen auf. Den Wasserturm in Prenzlauer Berg hat Klaus Roenspieß in zahlreichen Variationen dargestellt und die Straßen­züge um dieses bis heute erhaltene technische Denkmal der frühen Wasser­versorgung Berlins hat Monika Meiser in ihren Grafiken festgehalten. In dieser Ausstellung stehen die Intentionen der jeweiligen Regional­museen als Sammler im Mittel­punkt. Bei der Auswahl ihrer Erwerbungen wurde neben künst­lerischen Aspekten stets auch der regional­geschicht­lich-topo­grafische Bezug der Kunstwerke beachtet.

Projektleitung: Marina Rippin
Kuratorin: Heike Roßfeldt
Redaktion: Kathleen Krenzlin, Bernt Roder, Heike Roßfeldt
Technik: Jürgen Köhnke
Organisatorische Mitarbeit: Sabine Müller
Restaurierungen: Uwe Beckmann
Für die tatkräftige Unterstützung bedanken wir uns bei Franz Jobst und Isrun Beckmann
Ein Projekt des Bezirksamtes Pankow von Berlin, Abteilung Verbraucherschutz, Kultur, Umwelt und Bürgerdienste, Amt für Weiterbildung und Kultur – Museum Pankow in Kooperation mit dem FB Kunst und Kultur – Kommunale Kunstsammlung

Einladung: Von Treckschuten und verschwundenen Orten

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Plakat: Von Treckschuten und verschwundenen Orten

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