Verzaubert in Nord-Ost

Die Geschichte der Lesben, Schwulen und Trans in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee

Ausstellung vom 19. Juni bis 12. Dezember 2010
Museum Pankow – Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Bildvergrößerung: Collage: Verzaubert in Nord-Ost
Bild: Museum Pankow/Sonntags-Club e.V.

Die Schau war ein Kooperationsprojekt zwischen dem Museums­verbund Pankow und dem Sonntags-Club e.V.. Sie wurde von einer Projekt­gruppe des Sonntags-Clubs unter Leitung des Berliner Historikers Dr. Jens Dobler erarbeitet und präsentiert hundert Jahre queere Geschichte im heutigen Bezirk Pankow, der vormals aus den Einzel­bezirken Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow bestand. Gezeigt wird die Geschichte der Lesben und Schwulen, der Bisexu­ellen und transidenten Menschen. Es ist die Geschichte einer verfolgten, unter­drückten und verschwie­genen Minder­heit, die sich durch die Kaiserzeit, Weimarer Republik, den National­sozialismus und die DDR zieht. Es ist eine Geschichte des Kampfes, des Wider­standes, der Kreativität, der Unange­passt­heit, des Mutes und der Lebens­freude. Besonders in Prenzlauer Berg war die Bevölke­rung mit Studierenden, KünstlerInnen, politisch Unangepassten und kritischen Sozialisten durchmischt. Hier entwickelte sich ein Milieu für Experimente und Freiräume, Bürger­ini­tia­tiven, Friedens- und Umwelt­gruppen, die schließlich wesent­lichen Anteil an der Fried­lichen Revolution 1989 hatten. Prenzlauer Berg war ein schwer regierbares Terrain und hatte eine über­regionale Bedeutung nicht nur für Ost-Berlin, sondern für die DDR generell. In diesem Bezirk gründete sich 1973 eine Organisation für Lesben und Schwule und entfaltete Aktivitäten zur Emanzipation und gesell­schaft­lichen Gleich­stellung. Der Staat reagierte zunächst mit Bespitzelung, Einschüchterung, Unter­drückung der Aktivi­täten und Verboten. In der Folge organisierte sich ein Teil der Aktiven zu Beginn der achtziger Jahre im Rahmen der Opposition innerhalb der Kirche. Der andere Teil versuchte als „Sonntags-Club“ im Rahmen der Möglichkeiten Aufklärungs­arbeit bei Behörden und Institutionen zu leisten. Beide Rich­tun­gen führten zu bescheidenen Erfolgen. Gegen die ablehnende Haltung der SED konnten erste Bücher und Aufklä­rungs­materialien gedruckt und schließlich der Film „Coming Out“ von Heiner Carow gedreht werden. Er hatte am 9. November 1989 Premiere. Insofern stellt dieses Datum für die Lesben- und Schwulen­bewegung der DDR ein beson­deres Jubiläum dar: Die Film­premiere als vorläufigen Höhe­punkt jahrelanger bürger­rechtlicher Arbeit und gleich­zeitig die Öffnung der Grenze!
Die Ausstellung stellt Menschen in den Vorder­grund, die mutig waren und sich nicht unter­kriegen ließen. Aber auch Menschen, die Opfer wurden, besonders zur Zeit des National­sozialismus.
In Erlebnis­räumen wurden Themen wie Kontakt­möglich­keiten, Kneipen und Gesellig­keiten, Unter­grund, Kunst und Musik gezeigt.

Pressemitteilung; Berlin, den 26.05.2010

Zur Ausstellung gab es ein Rahmenprogramm

10.06.2010

Vernissage
  • Auftakt: Schwuler Männerchor „Männer-Minne(Externer Link)“ singt Lieder von Bruno Balz
  • Begrüßung der Gäste: Michael Unger, Geschäftsführer Sonntags-Club e.V.
  • Grußworte des Schirmherren Stadtbezirksbürgermeister Matthias Köhne
  • Ansprache des Kurators der Ausstellung Dr. Jens Dobler
  • Ansprache von Jürgen Draeger, Lebensgefährten von Bruno Balz
  • Schwuler Männerchor „Männer-Minne“ mit Liedern von Bruno Balz

15.07.2010

Verzaubert in Nord-Ost: „Die wärmste Ecke im Osten …“
Zwei Dokumentarfilme von Andrea Scheuring und Rudolf Freundorfer über Leben und Aufbegehren von Lesben und Schwulen in der Hauptstadt der DDR und Frank Schäfer, dem Friseur von Prenzlauer Berg.

28.08.2010

Lange Nacht der Museen: Verzauberte Nacht in Nord-Ost
  • Alte Super-8-Filme aus dem Gründerzeitmuseum von Charlotte von Mahlsdorf
  • Musikprogramm mit Maria Marlene
  • Mitternachtslesung mt Michael Sollorz
  • Info-Stand vom Sonntags-Club und Pluspunkt/ManCheck

23.09.2010

Verzaubert in Nord-Ost präsentiert: „Die Freiheit des Erzählens. Das Leben des Gad Beck“
Dokumentarfilm von Robin Cackett und Carsten Does
Anschließend Diskussion mit den Filmemachern

14.10.2010

Vortrag
von Katja Koblitz über Gerda von Zobeltitz

November 2010

Dokumentarfilm: „Viel zu viel verschwiegen“
von Anette von Zitzewitz und Christina Karstädt
Gesang: von Maike Nowak

12.12.2010

Finissage

Erschienen ist der gleichlautende Begleitband, (Broschiert, Hrsg. Sonntags-Club),
320 Seiten, ISBN 978-3867871358, 20,- €
Das Nachwort schrieb Holger Siemann.

Das Projekt erfolgte mit Unterstützung der Bundestiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Hannchen-Mehrzweck-Stiftung, Paritätischer Wohlfahrtsverband.
Präsentiert von: Siegessäule – Berlins queeres Stadtmagazin