Rapoport-Park
in Erinnerung an ein Forscherpaar von Weltrang
Ingeborg Rapoport (1912–2017), geborene Syllm, kam in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun zur Welt, wuchs in Hamburg auf und absolvierte ein Medizinstudium. Die Verteidigung ihrer Doktorarbeit wurde ihr 1938 infolge der nationalsozialistischen Rassengesetze verweigert.
Mit Hilfe von Familienangehörigen in den USA gelang ihr im September 1938 die Ausreise. Da ihr deutsches Studium nicht anerkannt wurde, musste sie dort noch einmal von 1940 bis 1942 am Women’s Medical College of Pensylvania in Philadelphia Medizin studieren.
Nach dem Studium spezialisierte sie sich im Fachgebiet Pädiatrie (Kinderheilkunde). 1944 fand Ingeborg Rapoport eine Anstellung am Children´s Hospital of the University of Cincinnati, Ohio, wo sie ihren späteren Ehemann Samuel Mitja Rapoport kennenlernte.
Samuel Mitja Rapoport (1912–2004) wurde in Wolotschysk, einer russischen Grenzstadt in Wolhynien, geboren. Während des Ersten Weltkrieges lebte die jüdische Familie in Odessa und floh im November 1919 nach Wien. Dort studierte er Medizin und Chemie und promovierte 1936.
Das Angebot eines Stipendiums der Children‘s Hospital Research Foundation in Cincinnati nutzte er zu einem dauerhaften Aufenthalt in den USA und promovierte dort zum Doktor der Biochemie.
Sein besonderes Forschungsinteresse galt den roten Blutkörperchen. Er entdeckte einen nach ihm benannten Stoffwechselweg und verbesserte die Blutkonservierung.
Samuel Mitja und Ingeborg Rapoport, beide Mitglieder der Kommunistischen Partei der USA, erhielten im Juni 1950 die Aufforderung, vor dem sogenannten »Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten« zu erscheinen und mussten ihre Verhaftung befürchten. Zuvor waren sie bereits öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt gewesen.
Samuel Mitja Rapoport kehrte nach der Teilnahme an einem Kongress in der Schweiz nicht wieder in die USA zurück. Ingeborg Rapoport folgte ihm mit den Kindern nach Europa.
Samuel Mitja Rapoport erhielt 1952 ein Angebot aus der DDR. Die Familie bezog einen Neubau in der sogenannten Intelligenzsiedlung in der Kuckhoffstraße 45. Er übernahm die Leitung des Instituts für Physiologische Chemie an der Charité der Humboldt-Universität und setzte seine erfolgreiche Forschungs- und Lehrtätigkeit fort. Sein Lehrbuch für Medizinische Biochemie wurde zum Standardwerk für Mediziner in ganz Deutschland. Samuel Mitja Rapoport gilt als einer der bedeutendsten Biochemiker seiner Zeit.
Ingeborg Rapoport arbeitete zunächst als Oberärztin an der Kinderklinik des Hufeland-Krankenhauses in Berlin-Buch, erhielt 1952 ihre Anerkennung als Fachärztin für Kinderheilkunde und wechselte 1953 an die Kinderklinik der Charité, um zu habilitieren. 1969 wurde sie Inhaberin des ersten europäischen Lehrstuhls für Neonatologie (Erforschung von Krankheiten bei Neugeborenen).
Das Grab von Samuel Mitja und Ingeborg Rapoport befindet sich auf dem Ehrenhain des Friedhofs Pankow III.
2025 erfolgte in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Wohnhaus die Benennung der Grünanlage »Intelligenzberg« in Rapoport-Park.