Die (de-)koloniale Spurensuche ergab: Im heutigen Stadtbezirk Pankow befanden sich zwar keine zentralen Orte und Institutionen der deutschen Kolonialzeit – weder Ministerien noch Forschungsinstitute, Lobbyorganisationen oder wichtige Firmensitze. Umso interessanter ist es, wie viele Spuren des deutschen Kolonialismus sich dennoch im Bezirk gefunden haben.
Über Biografien und Orte ließen sich Verflechtungen mit fast allen damaligen deutschen Kolonialgebieten aufzeigen. Es konnten Geschichten erzählt werden von wirtschaftlichem Profit durch Kolonialhandel und Plantagenwirtschaft. Es konnten Verbindungen zum Versklavtenhandel und zum Raub von Kulturgut aufgedeckt werden. Es zeigte sich, wie tief der Kolonialismus in der damaligen Alltags-, Konsum- und Populärkultur verankert war und wie präsent die Missionstätigkeit in den Kirchen war. Außerdem lebten und arbeiteten Menschen aus den Kolonialgebieten in Berlin, vor allem im Stadtteil Prenzlauer Berg. Sie erlebten hier Rassismus und Anfeindungen, aber sie gründeten auch Familien, heirateten und bekamen Kinder.
Die beiden hier vorgestellten Unterrichtseinheiten behandeln das Thema deutsche Kolonialgeschichte regionalgeschichtlich und epochenübergreifend. Zum einen werden konkrete Beispiele aus dem heutigen Berliner Bezirk Pankow aufgegriffen. Zum zweiten konzentrieren sich beide Unterrichtseinheiten nicht ausschließlich auf das Kaiserreich und die Zeit des Imperialismus, sondern sie nehmen auch die Weimarer Republik und vor allem den Nationalsozialismus mit ihren jeweiligen kolonialrevisionistischen Kräften und Tendenzen in den Blick. Darüber hinaus werden auch heutige Debatten über Entschädigungen und Wiedergutmachung angesprochen und das Erinnern an den Kolonialismus anhand konkreter Berliner Gedenkorte thematisiert.