Zwischen uns die Geschichte. Familie Niederkirchner – Ein widersprüchliches Erbe

Ausstellung

Sonderausstellung vom 19. März bis 20. September 2026, Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr (feiertags geschlossen) | Eintritt frei.
Museum Pankow – Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Raum 108, Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin

Käte Niederkirchner (1909–1944) galt in der DDR als eine Ikone des anti­faschisti­schen Wider­stands. Nach ihr wurden Betriebs­kollektive, Ferien­heime, Kinder­gärten und sogar ein Schiff benannt. Heute erinnern an sie noch zwei Straßen in den Bezirken Mitte und Pankow sowie eine 1989 eingeweihte Gedenk­tafel an ihrem ehe­maligen Wohn­haus in der Pappelallee 22.
Mit der Ausstellung über das wider­spruchs­volle Erbe der Niederkirchners beleuchtet das Museum Pankow die komplexe Geschichte der Familie und hinter­fragt zugleich die bis­herige Helden-Erzählung. Käte Niederkirchners Großneffe, der Künstler Ilja Niederkirchner, und die Historikerin Annette Leo nähern sich auf unter­schied­liche Weise den Über­lieferungen aus dem Familien­nachlass und den Archiv­materialien. Annette Leo zeichnet dokumen­tarisch die Lebens­linien der einzelnen Familien­mitglieder nach und bettet sie ein in den histori­schen Kontext von National­sozialismus und Stalinismus. Ilja Niederkirchner zer­schneidet, über­blendet und über­malt Fotos und schafft auf diese Weise neue Bilder, in denen Ver­schwiegenes frei­gelegt und Bekanntes in einem anderen Licht erscheint.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf das Zusammen­spiel von familiärem und gesell­schaft­lichem Erinnern und Ver­drängen entlang histori­scher Brüche. Sie regt an, über das Beispiel der Familie Niederkirchner hinaus, Traditionen, Instrumen­tali­sierungen und Legenden­bildungen zu hinter­fragen.

Faltblatt zur Ausstellung

  • Zwischen uns die Geschichte. Familie Niederkirchner – Ein wider­sprüch­liches Erbe

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Cover: Zwischen uns die Geschichte – Familie Niederkirchner. Ein widersprüchliches Erbe

Eröffnung

Donnerstag, 19.03.2026, 19.30 Uhr | Ort: Aula im Hauptgebäude

Ausstellungseröffnung

  • Begrüßung: Bernt Roder, Leiter Museum Pankow
  • Grußworte: Dr. Cordelia Koch, Bezirksbürgermeisterin
  • Einführung in die Ausstellung: Historikerin Annette Leo und Künstler Ilja Niederkirchner im Dialog – Begegnungen von Kunst, Geschichte und Erinnerung im Kontext der Familiengeschichte.
  • Der Abend wurde musikalisch begleitet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der für 11,00 € erworben werden kann.

Begleitveranstaltungen

Anna Franziska Schwarzbach, 2025

Gesprächsabend im April

Donnerstag, 23.04.2026, 19.00 Uhr

Gesprächsabend: »Arbeit am Bild des Widerstandskämpfers«
Von Käte Niederkirchners glänzender Rüstung bis zum Scheitel von Wassili Gojatskin.

Gespräch mit Franziska Schwarzbach über ihre Arbeit als Bild­hauerin in der DDR.

Franziska Schwarzbach wurde 1949 in Rittersgrün im Erzgebirge geboren. Sie studierte an der Kunsthoch­schule Berlin-Weißensee Architektur, wandte sich einige Jahre später jedoch der Porträtplastik zu. Als Kandidatin im Künstler­verband bekam sie als ersten Auftrag ein Porträt von Käte Niederkirchner für die gleich­namige Schule in der Bötzowstraße.
Die in Stein­kunst­guss und Bronze aus­geführte Klein­plastik aus dem Jahr 1979 zeigt den voll­plastischen Kopf der Kommunistin. Das Bild eines Widerstands­kämpfers (die weibliche Form war damals weniger geläufig) musste dabei bestimmten Normen entsprechen. Im Gespräch erläutert die Künstlerin ihre Konflikte und Vorgehens­weise.

Führung und Lesung im Juli

Donnerstag, 02.07.2026

18.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 108

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung mit Annette Leo und Ilja Niederkirchner

Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus zwei unter­schied­lichen Blick­winkeln. Der Nach­komme und Foto­graf Ilja Niederkirchner setzt sich künst­lerisch mit seinem Erbe aus­einander, indem er die über­lieferten Bilder zer­schneidet, über­blendet oder neu zu­sammensetzt. Die Historikerin Annette Leo zeichnet dokumen­tarisch die Lebens­linien der einzelnen Familien­mit­glieder zwischen Berlin und Moskau nach und bettet sie ein in den histori­schen Kontext des 20. Jahrhunderts.

19.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 111

LESUNG: »Hier waren wir alle«

So lautet der Titel des un­ver­öffent­lichten Romans von Ines Koenen (*1962), in dem sie die Geschichte ihrer zer­rissenen Familie erzählt, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hunderts zwischen Berlin, Prag, Moskau, New York, Tomsk und Kiel ereignet hat. Ines Koenens Urgroßvater, der kommunistische Reichstags­ab­geordnete Wilhelm Koenen, floh 1933 nach Prag, später nach London. Sein Sohn Heinrich emigrierte zusammen mit seiner Frau Friedel in die Sowjetunion. Heinrich sprang 1942 – ein Jahr vor Käte Niederkirchner – mit dem Fall­schirm hinter den deut­schen Linien ab. In Berlin geriet er in eine Falle der Gestapo, während Friedel – die frühere Tango-Königin von Moskau – in der sibirischen Ver­bannung ihre gemein­same Tochter zur Welt brachte. Heinrichs Schwester Johanna wurde als NKWD-Agentin in den USA in eine un­auf­lös­bare Täter-Opfer-Dynamik ver­strickt.
In ihrem Text erkundet die Urenkelin die Schick­sale dreier Genera­tionen und fragt, was aus deren kommunis­tischen Idealen wurde.

Moderation: Annette Leo

Führung und Vortrag im September

Donnerstag, 03.09.2026

18.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 108

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung mit Annette Leo und Ilja Niederkirchner

Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Nachkomme und Fotograf Ilja Niederkirchner setzt sich künstlerisch mit seinem Erbe auseinander, indem er die überlieferten Bilder zerschneidet, überblendet oder neu zusammensetzt. Die Historikerin Annette Leo zeichnet dokumentarisch die Lebenslinien der einzelnen Familienmitglieder zwischen Berlin und Moskau nach und bettet sie ein in den historischen Kontext des 20. Jahrhunderts.

19.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 111

Vortrag und Gespräch: »Fragen an die Gespenster«

Der Kurator und Urenkel Ilja Niederkirchner (*1980) spricht über die künstl­erische Aus­einander­setzung mit der Geschichte seiner Familie.

Nach dem Tod seiner Mutter erbte der Foto­graf und Grafiker Ilja Niederkirchner zahl­reiche Kartons mit Briefen, Fotos und Dokumenten, die ihm Ereignisse und Zusammen­hänge ent­hüllten, über die zuvor niemand mit ihm ge­sprochen hatte. Die über­lieferten Materialien stellten das durch­weg helden­hafte Bild, das er bis dahin von seiner Familie gehabt hatte, grund­legend in Frage. Im Zentrum dieser Irritation steht das Schicksal von Paul, dem Bruder von Käte, der während der stalinis­tischen Säuberungen um­gebracht wurde. Weniger der Tod selbst, als viel­mehr der Um­gang damit, wurde für Nieder­kirchner bedeutsam. Paul hatte im kollektiven Ge­dächtnis keinen Platz – er wurde nicht erwähnt, nicht erinnert, gewisser­maßen aus­ge­löscht. Die Arbeit mit diesen Hinter­lassen­schaften wurde für Niederkirchner so zu einem zwingenden Akt der Selbst­ver­gewisserung. Gleich­zeitig fragt er sich immer wieder, ob er ein Recht dazu hat, die bisherigen Geheim­nisse an die Öffentlich­keit zu bringen.

Finissage

Donnerstag, 17.09.2026

18.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Raum 108

Kuratorinnenführung mit Annette Leo und Ilja Niederkirchner

Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus zwei unter­schied­lichen Blick­winkeln. Der Nach­komme und Fotograf Ilja Niederkirchner setzt sich künst­lerisch mit seinem Erbe aus­einander, indem er die über­lieferten Bilder zer­schneidet, über­blendet oder neu zusammen­setzt. Die Historikerin Annette Leo zeichnet dokumen­tarisch die Lebens­linien der einzelnen Familien­mitglieder zwischen Berlin und Moskau nach und bettet sie ein in den histori­schen Kontext des 20. Jahr­hunderts.

19.00 Uhr | Ort: Hauptgebäude, Aula (3. OG)

IM GESPRÄCH: »Stalin ist wieder der Held?« – Erinnerungs­politik in Russland heute

Im April 2026 stuft das Oberste Gericht Russlands die Menschen­rechts­organisation „Memorial“ als extremis­tische Organi­sation ein und stellt ihre Unter­stützer unter Strafe. Seit der Gründung 1989 setzte Memorial sich mit den Ver­brechen der Stalin-Zeit aus­einander, sammelte Dokumente, befragte und betreute über­lebende Opfer. Wie kann diese Arbeit weiter­gehen? Konnte das Archiv gerettet werden? Und wie kann es sein, dass in Russland neuer­dings wieder Stalin-Denkmäler und -Büsten aufgestellt werden?

Irina Scherbakowa und Wladislaw Hedeler sprechen über ihre Er­fahrungen.

Irina Scherbakowa, geboren 1949 in Moskau, ist Germanistin, Kunst­wissen­schaft­lerin und Mit­be­gründerin von Memorial. Seit 2022 lebt sie im Exil in Deutschland und setzt hier ihre Arbeit fort.

Wladislaw Hedeler wurde 1953 im sibirischen Tomsk geboren, wohin sein Vater ver­bannt worden war. Er be­schäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Stalinis­mus und dem Schick­sal deutscher Emigranten in der Sowjetunion.

Moderation: Annette Leo

Open Air im Hof

Ort: Hof im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner – je nach Wetterlage im Hof oder in der Aula (3. OG)

Filmreihe: »Frauenschicksale«

Kuratiert und moderiert von Knut Elstermann

Filmprogramm im Juli und August

Donnerstag, 23.07.2026, 21.00 Uhr

»Und der Zukunft zugewandt« (2019)
Buch und Regie: Bernd Böhlich

Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Frauen, die Mitte der 1950er Jahre aus lang­jähriger sowjeti­scher Lager­haft frei­kommen und in der DDR zum Schweigen über das er­littene Un­recht ge­zwungen werden.

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Donnerstag, 30.07.2026, 21.00 Uhr

»In Liebe, Eure Hilde« (2024)
Regie: Andreas Dresen

Der Film führt uns in das Jahr 1942 in Nazi-Deutsch­land: Hilde Coppi, die zu­sammen mit ihrem Mann Hans Coppi, der später „Rote Kapelle“ genannten Wider­stands­gruppe an­gehörte, erlebt einen glück­lichen Sommer, bevor sie ver­haftet und zum Tode verurteilt wurde.

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Donnerstag, 06.08.2026, 21.00 Uhr

»Die Verlobte« (1980)
Regie: Günther Rücker, Günther Reisch

Auf der Grundlage des Romans von Eva Lippold »Haus der schweren Tore« (1971) erzählt der Film die Geschichte der jungen Kommunistin Hella Lindau, die wegen ihres anti­faschis­tischen Wider­stands 1934 zu zehn Jahren Zucht­haus ver­urteilt wird.

Museumsstandort Prenzlauer Allee

Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner

Verkehrsanbindungen

Fachbereichsleiter:
Bernt Roder

Sekretariat:
Vorderhaus, 2. OG | Zugang nicht rollstuhlgeeignet
Montag & Mittwoch, 9.00-11.00 Uhr sowie Dienstag, 14.00-16.00 Uhr
Tel.: (030) 90295-3917
E-Mail

Öffnungszeiten

Ausstellungen:
Halle und Haupthaus | Zugang rollstuhlgerecht
Dienstag bis Sonntag,
10.00 bis 18.00 Uhr
(feiertags geschlossen)

Archiv / Lesesaal

Haupthaus, Raum 208 | Zugang rollstuhlgerecht
Tel.: (030) 90295-3912
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