INGEBORG FLIERL – RUND UM DEN KOLLWITZPLATZ

Frühe Zeichnungen und Druckgrafiken

Sonderausstellung vom 12.06.2024 bis 02.02.2025
Museum Pankow – Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner | Haupthaus, Raum 108

Veränderte Öffnungszeiten am 22. Juni 2024

Am Samstag den 22. Juni 2024 ist die Sonderausstellung aufgrund einer Veranstaltung von 16.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.

Klettergerüst am Kollwitzplatz 1958, Lithografie

Klettergerüst am Kollwitzplatz, 1958, Lithografie

Zur Ausstellung

Die Sonder­ausstellung widmet sich einem beson­deren Zeit­raum im jahr­zehnte­währenden Schaffen einer Künst­lerin, die als gebür­tige Berlinerin seit 1952 in Pankow lebt – die Kunst­weberin Ingeborg Flierl, geb. Millies. In der Textil­kunst der DDR hat sie einen un­verwechsel­baren Platz inne. Ihr Werk um­fasst mehr als 200 Gobelins, zahl­reiche Appli­ka­tio­nen, Druck­grafiken und bau­ge­bun­dene Ar­beiten in Keramik.

Die Studentin Ingeborg Millies vor ihrem Gobelinentwurf »Harlekin«, 1951

Die Studentin Ingeborg Millies vor ihrem Gobelinentwurf »Harlekin«, 1951

Nach 1945 tritt Ingeborg Millies den gerade erlern­ten Beruf einer Land­wirtin nicht an. Es zog die passio­nierte Zeich­nerin zu einem Kunst­studium. Kurzer­hand imma­tri­kuliert sich die 20-jährige Auto­di­daktin an der traditions­reichen Hoch­schule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Sie studiert zu­nächst Malerei und Bild­hauerei, bis sie 1951 schließ­lich in die Abteilung An­ge­wandte Kunst wechselt. Hier wendet sie sich der Textilkunst zu.
1952 gehören Ingeborg Millies und ihr Freund, der Architek­tur­student Peter Flierl, zu den Unter­zeichnen­den einer Petition gegen den Deutschland­ver­trag zwischen der BRD und den drei west­lichen Alliierten. Dieser sah die Wieder­be­waffnung Deutsch­lands und seine Auf­nahme in die west­lichen Bünd­nisse vor. Da sie ihre Unter­schriften nicht zurück­ziehen, folgt die politisch motivierte Exmatri­ku­lation aus der Charlottenburger Hoch­schule.
Beide verlegen daraufhin 1953 ihren Wohn­sitz in den Ost­berliner Bezirk Pankow und heiraten. Um die Flierls bildet sich ein offener Freundes­kreis gleich­ge­sinnter Künst­ler*innen. Im Klima der staat­lich initiierten Formalis­mus-­Debatte gegen den west­lichen Kultur­betrieb rückt man zu­sammen. Der Aus­tausch mit Freund*innen und Kolleg*innen be­reichert und inspiriert die junge Ingeborg Flierl, die nun als Zeich­nerin, Grafikerin und Textil­künst­lerin frei­schaffend arbeitet und in den nächsten zehn Jahren „nebenher“ die vier ge­mein­samen Kinder großzieht.

Im Wohnzimmer – Besuch in der Knaackstraße 45, 26.09.1957

Im Wohnzimmer – Besuch in der Knaackstraße 45, 26.09.1957

Zwischen 1956 und 1961 lebte Ingeborg Flierl mit ihrer Familie mitten in Prenzlauer Berg, am Kollwitzplatz. Die Atelier­wohnung wurde ihr vom Künstler­verband zu­ge­wiesen und befand sich im Dach­ge­schoss des Hauses Knaackstraße 45. In der Um­gebung ist nach mühsamen Ent­trümmerungs­arbeiten der Kriegs­schutt beseitigt. Aber die Bäume auf dem Platz haben die kalten Nach­kriegs­winter ohne Ab­holzung über­standen. Der Platz wird zum Treff­punkt vieler Menschen. Ingeborg Flierl beob­achtet und porträ­tiert wieder nor­males, tägliches Treiben und auch den eigenen Alltag. Zugleich zeichnet sie auch entferntere Stadt­motive in Mitte und Friedrichs­hain, u. a. Ansichten von zerstörten Kultur­stätten wie dem Schinkel­schen Konzert­haus. Hierfür legt sie die Blei­stifte beiseite, greift zu Feder, Pinsel und Tusche, und wendet sich druck­grafischen Techniken zu, ins­be­sondere der Litho­grafie. So hält Ingeborg Flierl die besondere Atmos­phäre fest, wie sie typisch für die lange Ost­berliner Nach­kriegs­zeit war – zwischen über­standenen Kriegs­jahren und neuem Lebens­mut.

Die Sonder­aus­stellung stellt diese bisher un­be­kannten zeich­neri­schen und druck­grafischen Blätter vor. Sie kamen beim Er­stellen des Werk­ver­zeichnis­ses durch Theresa Flierl zum Vor­schein und werden hier erst­malig öffent­lich ge­zeigt.

Gefördert durch den Bezirkskulturfonds.

Gobelinweberin, 1957, Lithografie

Gobelinweberin, 1957, Lithografie

Ausstellungseröffnung

Dienstag, 11.04.2024, 19.00 Uhr

Museum Pankow
Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin | Aula, 3. OG

  • Begrüßung
    Bernt Roder, Leiter des Museums Pankow
  • Grußwort
    von Ingeborg Flierl durch Theresa Flierl
  • Einführung in die Ausstellung
    Dr. Gabi Ivan
  • Musikalische Begleitung
    „Swing & Sahne“ das Berliner Salon-Ensemble
Kartenspieler am Kollwitzplatz, 1959, Lithografie

Kartenspieler am Kollwitzplatz, 1959, Lithografie

Kurse der VHS- Pankow begleitend zur Ausstellung:

Einführung in die Lithographie – das magische Drucken vom Stein
Kurs: Pa2270F | Kursleiter: Alberto Gobber
29.06. bis 30.06.2024, Sa/So, 13.00-19.15 Uhr

Einführung in die Lithographie – das magische Drucken vom Stein
Kurs: Pa2270H | Kursleiterin: Mila Christina Albrecht
03.08. bis 04.08.2024, Sa/So, 13.00-19.15 Uhr

Urban Sketching am Kollwitzplatz
Kurs: Pa2177F | Kursleiter: Thomas Smorek
31.08.2024, Sa, 11.00-17.30 Uhr

Zeichnen mit der Feder
Kurs: Pa2140H | Kursleiterin: Simone Schneider
07.09. bis 08.09.2024, Sa/So, 10.00-15.45 Uhr

Urban Writing – Schreiben am Kollwitzplatz
Kurs: Pa2028H | Kursleiter: Dr. Johann Reißer
14.09. und 21.09.2024, Sa, 10.00-16.30 Uhr

Anmeldung unter: vhs.kultur@ba-pankow.berlin.de / Tel.: (030) 90295-3824

Publikation

Zur Ausstellung erschien der Katalog: »Ingeborg Millies Flierl – BERLIN – gezeichnet und gedruckt«
Redaktion und Gestaltung: Theresa Flierl
Texte: Gabriela Ivan und Martin Fitzenreiter
Hrsg: Museum Pankow
14,80 €