Nach Rassismusvorwürfen: Staatsballett überarbeitet Programm

Nach Rassismusvorwürfen: Staatsballett überarbeitet Programm

Nach Bekanntwerden von Rassismusvorwürfen aus dem Ensemble will das Staatsballett Berlin sein Programm überarbeiten.

Vorbeifahrende Fahrzeuge an der Deutschen Oper Berlin

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Vorbeifahrende Fahrzeuge an der Deutschen Oper Berlin

«Überholte und diskriminierende Aufführungsweisen» sollen demnach aufgedeckt und Traditionen neu bewertet werden, erklärte das Ballett am Montag auf seiner Website. «Wir sind uns bewusst, dass das Ballettgenre People of Color im Laufe seiner Geschichte marginalisierte.» Die Compagnie wolle auch ein Spiegel der Gesellschaft sein. Das Repertoire müsse Diversität abbilden.

Rassistische Kommentare von Trainingsleiterin

Im Oktober waren Vorwürfe einer Tänzerin bekanntgeworden. Sie habe wiederholt rassistische Kommentare von der Trainingsleiterin gehört. «Sie sagte, das Staatsballett hätte mich nicht engagieren sollen, weil ich eine Schwarze bin», sagte die Französin Chloé Lopes Gomes im «Tagesspiegel». Eine Schwarze in einem «Corps de ballet» sei nicht ästhetisch, nicht homogen. Für eine «Schwanensee»-Vorstellung sei sie aufgefordert worden, sich weiß zu schminken.

Untersuchung soll diskriminierendes Verhalten aufzudecken

Das Staatsballett erklärte nun, die Überzeugung, dass ein Ensemble mit 91 Tänzern und Tänzerinnen aus mehr als 30 Nationen ausreichend gegen Rassismus vorbereitet sei, habe sich als falsch erwiesen. Die Vorfälle zeigten, dass es an der nötigen Kompetenz fehle, um mit Diskriminierung umzugehen. Derzeit laufe in der Compagnie eine auch extern unterstützte Untersuchung, um diskriminierendes Verhalten aufzudecken. In Vorbereitung seien Workshops und Seminare.

Compagnie sucht neue Leitung

In der vergangenen Spielzeit hatten die beiden Ko-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman das Staatsballett überraschend verlassen. Seitdem sei die Compagnie auf der Suche nach einer neuen Leitung. Dies sei auch eine Möglichkeit, das Staatsballett neu auszurichten und eine geschützte Atmosphäre in Ensemble, Produktion und Verwaltung zu schaffen, hieß es weiter in der Erklärung.
Yanis Varoufakis
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 8. Dezember 2020 07:29 Uhr

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