Fotograf Andreas Mühe hinterfragt Heldentum mit «Biorobots»

Fotograf Andreas Mühe hinterfragt Heldentum mit «Biorobots»

Die Auseinandersetzung mit der fragwürdigen Bedeutung von Helden steht im Zentrum einer dreiteiligen Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Andreas Mühe.

  • Hagiographie Biorobotica (1)© dpa
    Der Künstler und Fotograf Andreas Mühe steht neben seinem Bild "Biorobots 5" aus der Reihe "Biorobots, 2019/2020" in der Kirche St. Matthäus in Mitte.
  • Hagiographie Biorobotica (3)© dpa
    Die zwei Bilder "Sarkophag" (Altar) und "Biorobots 2" aus der Reihe "Biorobots", 2019/2020 des Künstlers und Fotografen Andreas Mühe hängen bzw. liegen schon in der Kirche St. Matthäus in Mitte.
  • Hagiographie Biorobotica (2)© dpa
    Das Licht, das durch die Kirchenfenster der Kirche St. Matthäus scheint, spiegelt sich auf einem Bild der Reihe "Biorobots", 2019/2020 des Künstlers und Fotografen Andreas Mühe.
  • Ausstellung „Hagiographie Biorobotica" von Andreas Mühe© dpa
    Der Künstler und Fotograf Andreas Mühe steht auf der Empore in der Kirche St. Matthäus.
In der St. Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum präsentiert der 40-Jährige seinen Blick auf jene Menschen, die nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl als «Biorobots» erste Folgen der atomaren Katastrophe bereinigen sollten. «Andreas Mühe - Hagiographie Biorobotica» ist von diesem Donnerstag (08. Oktober 2020) an bis zum 14. Februar zu sehen.
Sie waren als «Liquidatoren» unterwegs, als «Abwickler» sollten sie die gröbsten Trümmer der bis heute nicht beherrschbaren Folgen des Super-GAUs von 1986 beseitigen. Herkömmliche Roboter versagten ob der immensen Strahlung, also sollten «Biorobots» genannte Menschen die für viele mit tödlichen Folgen verbundene Arbeit erledigen.
Für Mühe, dem die «Liquidatoren» mit ihren als Schutz gedachten Panzerungen als Sechsjährigem wie Kreuzritter erschienen, kann es solche «vom Krebs zerfressenen Helden» gar nicht geben. Bei Bardaf werden sie «von Systemen stilisiert», sagt Mühe. Für den in der DDR geborenen Fotografen ergibt sich eine Reihe von Tschernobyl über das Ende der Sowjetunion bis zum Fall der Mauer. Selbst den «Helden der Wende» werde heute die Anerkennung geklaut, wenn Parolen wie «Wir sind das Volk» heute von Corona-Leugner genutzt würden, sagt Mühe.
Für die Ausstellung hat Mühe großformatige Fotos von zehn von ihm inszenierten «Biorobots» in Leuchtkästen in den Kirchenraum gelegt. Sie wirken wie aufgebahrt, die heldenhaften Posen werden durch Schutzanzüge, Uniformen, Messgeräte ins Absurde überführt. Als Altarbild dient das Foto einer sakrophargartigen Installation.
Die dreiteilige Ausstellung folgt im religiösen Bau dem Kirchenjahr. Zunächst sind die augebahrten «Biorobots» bis zum 19. November zu sehen. Anschließend sollen sie von Totensonntag an als Wandtafeln im Kirchenschiff dienen. Ihren Platz in den Leuchkästen nehmen dann Fotos aus Mühes Serie künstlerisch rekonstruierter Weihnachtsbäume ein, die von 1979 bis 2016 - also ebenfalls über die Wendezeit - die Feste der Familie zierten. Der dritte Teil der von Mühe als «Oper in drei Akten» bezeichneten Ausstellung ist mit «Die Auskehrung» betitelt.
EMOP 2020: Birk Alisch
© Birk Alisch

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 7. Oktober 2020 15:55 Uhr

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