Verlegung von Covid-19-Patienten: Kliniken reagieren

Verlegung von Covid-19-Patienten: Kliniken reagieren

Die Lage ist ernst. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Brandenburg nimmt die Belegung mit Patientinnen und Patienten zu - darunter solche mit Corona-Symptomen und ohne. Immer mehr Häuser haben bereits ihre Isolierstation für Menschen mit einer Corona-Infektion wieder eröffnet, Besuchsverbote wurden eingeführt oder werden diskutiert. Verschiebbare, planbare OPs werden verschoben. Im Potsdamer Ernst von Bergmann-Klinikum wollte der wöchentliche Krisenstab am Mittwoch über ein Besuchsverbot abstimmen. Das Kreiskrankenhaus Prignitz öffnete seine Isolierstation am Mittwoch, wie Sprecherin Jacqueline Braun auf dpa-Anfrage sagte.

Intensivstation

© dpa

Ein Pfleger versorgt auf einer Covid-19-Intensivstation Corona-Patienten.

Die Region blieb lange Zeit von hohen Infektionszahlen verschont. Jetzt nehmen aber auch hier die Corona-Fälle stark zu. Derzeit liegen sechs Patienten mit Corona-Infektion in dem Kreiskrankenhaus, wie Braun sagte. Die Hälfte etwa sei wegen anderer Beschwerden ins Krankenhaus gekommen. Erst beim Test habe sich die Infektion mit dem Virus herausgestellt.
Noch hat das Krankenhaus kein Besuchsverbot eingeführt. Jeder, ob geimpft, genesen oder nichts von beidem, wird seit Montag getestet, wie es die derzeitige Umgangsverordnung vorsieht. In der Einrichtung darf ein Patient einen Besucher pro Tag empfangen. Zwei der sechs Corona-Patienten, die aktuell in dem Haus liegen, kämen aus umliegenden Landkreisen. Bei ihnen war die Infektion mit dem Virus ein Nebenbefund.
Im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus sind nach Angaben des Hauses Corona-Patienten aus anderen Landkreisen untergebracht. Auch hier kamen einige davon ohne typische Corona-Symptome in die Klinik. Das Klinikum hatte am Mittwoch ein Besuchsverbot eingeführt - allerdings mit Ausnahmen: Kinder sowie Sterbende dürfen weiterhin besucht werden. Auch auf der Intensivstation werden in Einzelfällen Ausnahmen gemacht, wie Klinik-Sprecherin Anja Kabisch sagte. Bei Entbindungen dürften Partner weiterhin mit in den Kreißsaal.
Auch im Evangelischen Krankenhaus Luckau (Dahme-Spreewald) gebe es einen Besucherstopp, wie Sprecher Alexander Schulz sagte. Auch hier gebe es Ausnahmen. Die Einrichtung sowie das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow seien an ihren Kapazitätsgrenzen. Wenn die Situation sich so weiter entwickle, müssten mehr Kapazitäten zulasten verschiebbarer Operationen geschaffen werden.
Im Potsdamer Ernst von Bergmann-Klinikum seien bislang noch keine Patienten verlegt worden, wie die Einrichtung mitteilte. Derzeit liegen sieben Corona-Patienten auf der Intensivstation des Klinikums, 17 weitere auf der normalen Station. Die Lage sei relativ «stabil» die letzten Tage, sagte Sprecherin Theresa Decker.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten Krankenhäuser in Südbrandenburg Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung verlegen. Dies umfasste insbesondere Verlegungen von kleineren Krankenhäusern zu Krankenhäusern höherer Versorgungsstufen, also solche der Schwerpunktversorgung, wie Sprecher Gabriel Hesse sagte. Schwerpunktkrankenhäuser haben mehr Betten und gehen über die Grundversorgung hinaus. Die Patienten seien innerhalb der Region beziehungsweise auch innerhalb des Landes verlegt worden.
Laut dem Divi-Intensivregister gibt es aktuell keine freien Intensivbetten mehr im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. In den Kreisen Elbe-Elster und Teltow-Fläming sowie der kreisfreien Stadt Brandenburg an der Havel war jeweils noch ein Intensivbett am Mittwoch frei.
395 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung werden laut Ministerium derzeit im Krankenhaus behandelt, davon befinden sich 81 in intensivmedizinischer Behandlung, hiervon müssen 68 beatmet werden (Stand: Dienstag). Dabei liegt die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die mit einer Covid-19-Erkrankung stationär behandelt werden, innerhalb der letzten sieben Tage pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern bei 2,88.
Landesweit sind 7,8 Prozent der theoretisch maximal verfügbaren Intensivbetten (das sind 1032) in Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt. Dabei werden alle Patienten, die positiv auf das Virus getestet worden sind, beispielsweise bei der Aufnahme ins Krankenhaus, laut Ministerium in der Statistik erfasst.
«Die Rettungsdienste und Häuser stimmen sich untereinander ab», sagte Michael Jacob, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft. Wenn die Entwicklung der vergangenen Wochen so weiterliefen, kämen die Kliniken bald an ihre Grenzen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 18. November 2021 17:00 Uhr

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