Gleichstellungsreport: «Altersarmut ist weiblich»

Gleichstellungsreport: «Altersarmut ist weiblich»

Bei der Gleichstellung von Frau und Mann hat Brandenburg noch Nachholbedarf - das macht ein aktueller Bericht des Sozialministeriums deutlich. Demnach verdienen Frauen weniger als Männer, sie sind unterrepräsentiert in leitenden und politischen Positionen, haben überdurchschnittlich oft mit dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen und werden viermal häufiger Opfer von häuslicher Gewalt als Männer.

Eine Geschäftsfrau mit Aktenordner und Laptop

© dpa

Eine Geschäftsfrau mit Aktenordner und Laptop arbeitet an einem Stehtisch.

Die Ungleichheiten beträfen alle Lebensbereiche, Gleichstellung sei auch in Brandenburg noch nicht selbstverständlich, sagte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Freitag in Potsdam zum veröffentlichten Gleichstellungsreport. Dieser habe «schwarz auf weiß» die Punkte aufgezeigt, in denen das Land noch besser werden müsse. «Für uns sind das wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung einer geschlechtergerechten Politik.»
Der Report zeigt unter anderem, dass die Zahl der berufstätigen Frauen in Brandenburg wächst - im Vergleich zu Gesamtdeutschand fällt die Erwerbstätigenquote um gut vier Prozentpunkte höher aus. Der geschlechterbezogene Verdienstabstand beträgt allerdings nach wie vor 4,5 Prozent. Zudem arbeiten Frauen dem Bericht zufolge dreimal häufiger in Teilzeit als Männer.
Nur jeder zweite Mann in Brandenburg nimmt nach Angaben der Landesgleichstellungsbeauftragten Manuela Dörnenburg überhaupt Elternzeit in Anspruch. «Damit bleibt die Sorgearbeit an den Frauen hängen und Mehrfachbelastungen sind immer noch die Regel», schätzte sie ein. Zudem sei fast jeder zweite Alleinerziehenden-Haushalt laut dem Bericht armutsgefährdet. Die Rentenlücke beträgt laut Dörnenburg 21 Prozent zuungunsten der Frauen. «Das heißt: Altersarmut ist weiblich.»
Was der Gleichstellungsreport auch aufzeigt: In Brandenburg besteht ein erheblicher Handlungsbedarf zum Schutz von Frauen und Mädchen vor häuslicher Gewalt. So wurden im Jahr 2018 insgesamt 4466 Straftaten häuslicher Gewalt registriert. Drei Viertel der Tatverdächtigen sind männlich, drei Viertel der Geschädigten weiblich.
Die Auswertung ergab außerdem, dass Frauen seltener in politischen Gremien vertreten sind. So geht nach Angaben des Ministeriums auch im Landtag der Frauenanteil seit 2004 kontinuierlich zurück; aktuell sind nur noch 32 Prozent der Abgeordneten Frauen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 5. Februar 2021 14:40 Uhr

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