Nonnemacher: «Wir spüren eine große Impfbereitschaft»

Nonnemacher: «Wir spüren eine große Impfbereitschaft»

Vor dem Start der Impftermin-Vergabe an diesem Montag in Brandenburg sieht Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) eine große Bereitschaft der Menschen, sich gegen das Coronavirus zu schützen. «Wir spüren eine große Impfbereitschaft in der Bevölkerung und erhalten viele Anfragen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Sehr viele wollten sich am liebsten sofort impfen lassen, doch stünden zu Beginn nur begrenzte Impfstoffmengen zur Verfügung.

Ursula Nonnemacher (Grüne), Gesundheitsministerin

© dpa

Ursula Nonnemacher (Grüne), Gesundheitsministerin von Brandenburg.

In Brandenburg beginnt am Montag (4.1.) die telefonische Vergabe von Terminen für Corona-Impfungen. Sie wird landesweit über ein Call-Center geregelt, das unter der Rufnummer 116 117 zu erreichen ist. Zunächst sollen über 80-Jährige geimpft werden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg nehmen rund 150 Mitarbeiter die Anrufe entgegen; pro Woche könnten rund 40 000 Anrufe bedient werden. Welche Personengruppen wann geimpft werden, steht auf der Internetseite www.brandenburg-impft.de.
Die auch als Corona-Impf-Hotline genutzte Nummer 116 117 wird in Brandenburg nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg sehr in Anspruch genommen, ist aber erreichbar. Ihm seien aus Brandenburg keine Störungen bekannt, sagte Sprecher Christian Wehry am Sonntag auf Anfrage. Bei persönlichen Stichproben am Vormittag sei er sofort durchgekommen. Allerdings habe es über Weihnachten und zwischen den Feiertagen eine «hohe Inanspruchnahme» gegeben, so dass es zu Wartezeiten kommen konnte.
Dagegen ist laut einem Medienbericht die Nummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes teilweise schwer erreichbar. Den «sehr ernstzunehmenden Hinweisen auf eine Überlastung der Hotline gehen wir derzeit intensiv nach», sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums der «Welt am Sonntag». Erste Erkenntnisse deuteten auf eine technische Ursache hin.
Um die Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle möglichst schnell zu reduzieren, werden Nonnemacher zufolge zuerst Personen über 80 Jahre und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen geimpft. Diese seien besonders gefährdet. Nach Angaben ihres Ministeriums sind landesweit in fünf stationären Pflegeheimen bereits Bewohner geimpft worden: in Großräschen, Nauen, Cottbus, Forst und Premnitz. Nach einer Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) haben bislang 224 Pflegeheimbewohner Impfungen erhalten.
Gleichzeitig bekamen medizinisches Personal mit sehr hohem Ansteckungsrisiko und Mitarbeitende in der Altenpflege ein Impfangebot, wie die Ministerin weiter mitteilte. Alle anderen bitte sie um ein wenig Geduld. Sie erwarte aber, dass sich durch weitere Impfstoffzulassungen und ein Hochfahren der Produktion das Angebot bald verbessere. «Selbstverständlich lasse auch ich mich impfen, wenn ich nach den vorgegebenen Kriterien an der Reihe bin!», sagte die Grünen-Politikerin.
Da zwei Impfungen für den Schutz gegen das Coronavirus nötig sind, müssen zwei Termine in den Impfzentren vereinbart werden. Vom kommenden Dienstag an wird zunächst in Impfzentren in Potsdam und Cottbus geimpft. Bis Ende Januar sollen elf Impfzentren im Land eingerichtet werden.
Dem Gesundheitsministerium wurden am Sonntag 333 neue Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages gemeldet. Damit sank nach 573 bestätigten Fällen am Samstag deren Zahl zwar den zweiten Tag in Folge. Allerdings melden die Gesundheitsämter Daten zur Erfassung am Wochenende häufig verzögert. 25 neue Todesfälle kamen landesweit hinzu. Damit stieg die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf 1178. Die Zahl der derzeit Erkrankten ging leicht um 47 auf 15 014 zurück. Insgesamt haben sich seit März 47 539 Menschen in Brandenburg mit dem Coronavirus angesteckt.
Unterdessen warnte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nach Kritik an der Impfstoffbeschaffung von EU und Bundesregierung vor einer Verunsicherung der Bevölkerung. «Was wir jetzt brauchen, sind Plausibilität und Verlässlichkeit», sagte er der dpa am Sonntag. Da sei insbesondere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert. «Alles andere schafft Verunsicherung und das braucht niemand», so Woidke. «Besserwisserei hilft uns heute gar nichts», betonte er in Richtung Kritiker. Wer aus der Vergangenheit schlaue Ratschläge gebe, mache es sich zu einfach.
Unter anderem von SPD, aber auch Linken und FDP war Kritik geäußert worden, dass die EU und die Bundesregierung auf die falschen Impfstoffe gesetzt und zu wenig bestellt hätten und dass bei den Impfungen Chaos herrsche.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 3. Januar 2021 17:19 Uhr

Weitere Meldungen aus Brandenburg