Corona-Lage in Brandenburg schärfer: Landkreis schlägt Alarm

Corona-Lage in Brandenburg schärfer: Landkreis schlägt Alarm

Die Situation in den Brandenburger Krankenhäusern spitzt sich wegen der steigenden Zahl von Corona-Patienten zu. Der Landkreis Oder-Spree stellte am Sonntag ein Großschadensereignis fest, um die Verlegung von Patienten mit Hilfe des Katastrophenschutzes besser koordinieren zu können. «Aus der zunehmenden Fallzahl ergibt sich aufgrund der hohen Auslastung der Kliniken, den steigenden Neuinfektionen, der täglichen Patienten-Zuströme sowie der begrenzten Personalkapazitäten in den Kliniken eine Gefährdung für eine erhebliche Anzahl von Personen», warnte der Kreis. Das Großschadensereignis - die letzte Stufe vor dem Katastrophenfall - tritt am Sonntag um Mitternacht in Kraft.

Eine Laborantin hält einen Corona-Test in der Hand

© dpa

Eine Laborantin hält einen Corona-Test in der Hand.

Der Landrat von Oder-Spree, Rolf Lindemann (SPD), zeigte sich besorgt und sprach angesichts der Lage von einer Katastrophe. «Die momentane Situation ist so zu beschreiben, dass Patienten aus Krankenhäusern in andere Krankenhäuser verlegt werden müssen, um eine dringende medizinische Notfallversorgung standortnah gewährleisten zu können», teilte Lindemann mit. Der Rettungsdienst könne die Verlegung von Patienten zwischen den Krankenhäusern und den Transport von Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen zu Behandlungen nicht länger leisten.
Potsdam hatte am Freitag bereits das Großschadensereignis eines sogenannten Massenanfalls von Erkrankten ausgerufen. Damit kann die Versorgung von Notfallpatienten besser gesteuert werden. Der Kreis Oder-Spree bezeichnete sein Großschadensereignis nicht konkret als Massenanfall von Erkrankten, es könne aber darauf zurückgeführt werden. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte bereits vor knapp zwei Wochen Hinweise zur Steuerung von Krankenhauskapazitäten über die Ausrufung des Massenanfalls gegeben.
Die beiden größten Krankenhäuser in Potsdam baten um Hilfe bei der Behandlung von Corona-Patienten. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), das Klinikum Ernst von Bergmann und das St. Josefs-Krankenhaus wandten sich im Internet an die Brandenburger und Berliner: «Wir stehen aktuell vor einer der schwierigsten Situationen der vergangenen Jahrzehnte», heißt es in einem Aufruf. Gesucht würden Helfer, Medizinstudenten, ausgebildete Pflegekräfte, Notfallsanitäter und Rettungsassistenten. «Die aktuelle Situation in den Krankenhäusern ist nur der Blick in den Rückspiegel», sagte Schubert der «Märkischen Allgemeinen» (Samstag).
Berliner Zeitung (1)
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Die Zahl neuer Corona-Infektionen in Brandenburg bleibt auf hohem Niveau. Am Sonntag kamen 707 neue Fälle innerhalb eines Tages hinzu, wie das Gesundheitsministerium berichtete. Das spiegelt allerdings nicht die tatsächliche Lage wider, denn aus drei Kreisen und der Stadt Potsdam waren keine Daten über neue Fälle vorhanden. Die meisten neuen Ansteckungen meldete der Kreis Oder-Spree mit 107. Landesweit kamen 20 neue Todesfälle im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit hinzu.
Der Hotspot des Landes ist Oberspreewald-Lausitz mit 490 neuen Ansteckungen je 100 000 Einwohner in einer Woche, dahinter kommt Elbe-Elster mit knapp 465. Wer wirklich an der Spitze steht, war unklar: Der Kreis Elbe-Elster hatte Oberspreewald-Lausitz erst am Freitag als Spitzenreiter abgelöst, aber für Sonntag keine neuen Corona-Zahlen gemeldet. In ganz Brandenburg liegt das Niveau neuer Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche nahezu stabil bei 265. Als aktuell erkrankt gelten laut Ministerium derzeit 13 394 Menschen, das sind fast 600 mehr als am Tag zuvor.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 20. Dezember 2020 15:26 Uhr

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