Schule ohne Anwesenheitspflicht: Kritik an Umsetzung

Schule ohne Anwesenheitspflicht: Kritik an Umsetzung

Für die meisten Schüler in Brandenburg ist die Anwesenheitspflicht in den Schulen seit diesem Montag zum Schutz vor dem Coronavirus ausgesetzt. Sie sollen wenn möglich zuhause lernen, um Kontakte zu vermeiden, ausgenommen sind Abschlussklassen und Förderschulen. Der Brandenburger Landeselternrat kritisierte die kurzfristige Regelung. Gewerkschaften dringen auf weitergehende Schritte.

Dietmar Woidke (SPD)

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Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, mit Mundschutz.

«Auf der einen Seite war es richtig, dass man so schnell wie möglich gehandelt hat», sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, René Mertens, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Kontakte müssten reduziert werden. Er sprach aber von einem «Schnellschuss». «Wenn es für den aufmerksamen Beobachter sowieso klar war, dass der Tag X irgendwann kommt, hätte man ja schon etwas vorbereiten können.»
Seit diesem Montag ist die Präsenzpflicht in den meisten Schulen ausgesetzt. Dies hatten Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) am Sonntag angekündigt. Ernst sagte: «Ich hoffe, dass viele Eltern davon Gebrauch machen.» Wer keine Betreuungsmöglichkeit für sein Kind hat, soll es in die Schule bringen können. Nach den Weihnachtsferien soll ab 4. Januar für eine Woche nur Unterricht zu Hause stattfinden mit Notbetreuung.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Brandenburgische Pädagogen-Verband forderten schon ab Mittwoch nur noch häuslichen Unterricht. «Die jetzt getroffenen Maßnahmen für die Woche vor den Weihnachtsferien reichen nicht aus», kritisierte GEW-Landeschef Günther Fuchs. Der Vorsitzende des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Hartmut Stäker, erklärte in einem Brief an Ministerin Ernst, die Entscheidungen der Eltern über die Präsenz der Kinder in den Schulen unterstützten den Lockdown nicht konsequent. Der Regierungschef verteidigte die Pläne für Distanzunterricht erst im Januar. Dafür sei Vorlauf notwendig gewesen, sagte er.
Die AfD-Landtagsfraktion warf dem Ministerium fehlende Planung vor. «Da soll der Lehrer die Schüler unterrichten, die erschienen sind und gleichzeitig die, die nicht gekommen sind - wie soll das gehen?», fragte der schulpolitische Sprecher Dennis Hohloch am Montag. «Das Chaos, das wir schon vor den Sommerferien hatten, wird fortgesetzt.»
Das Bildungsministerium informierte die Schulen am Sonntag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch über die geplante Ausweitung der Maskenpflicht auf Schüler ab der ersten Klasse. Der Elternratsvorsitzende Mertens sagte: «Gerade für Kinder im Grundschulbereich ist das sehr belastend.» Der Mund-Nasen-Schutz soll aber für die erste bis vierte Klasse nicht im Schulhof Pflicht sein.
Das Brandenburger Kabinett beschloss am Montag einen harten Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen auch nachts, Ladenschließungen und einem Alkoholverbot in der Öffentlichkeit ab Mittwoch. Offen bleiben dürfen zum Beispiel Supermärkte, Drogerien und Apotheken.
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Die Zahl neuer Corona-Infektionen in Brandenburg bleibt auf hohem Niveau. Am Montag wurden 562 neue Fälle innerhalb eines Tages bestätigt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das sind 222 Fälle mehr als vor einer Woche. Nicht alle Kreise meldeten am Montag neue Zahlen. Derzeit werden 799 Patienten wegen einer Covid-19-Erkrankung in Krankenhäusern behandelt, davon 158 auf einer Intensivstation.
Inzwischen haben zwei Landkreise einen Wert von mehr als 500 neuen Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche erreicht: Im Corona-Hotspot Oberspreewald-Lausitz liegt das Niveau bei 550, gefolgt vom Kreis Elbe-Elster bei rund 523. Seit diesem Montag gelten in Oberspreewald-Lausitz noch schärfere Corona-Regeln - dazu zählen eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 20.00 Uhr bis 5.00 Uhr, die Schließung von Schulen für den Präsenzunterricht und ein Besuchsverbot in Krankenhäusern.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 14. Dezember 2020 19:35 Uhr

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