Infektionsgefahr: Diskussion um Wechselunterricht an Schulen

Infektionsgefahr: Diskussion um Wechselunterricht an Schulen

Die Corona-Infektionszahlen in Brandenburg bewegen sich weiter auf hohem Niveau und machen nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft GEW auch vor den Schulen nicht halt. Sie schlägt deshalb Alarm und fordert das Bildungsministerium auf, den Wechselunterricht zwischen Schule und Zuhause wieder einzuführen. Hilferufe von Schulen und Lehrkräften nähmen zu, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft vom Dienstag. Auch der Landesschülerrat fordert Ergänzungen zu den Regeln im Corona-Schulbetrieb. Das Bildungsministerium hingegen hält am Unterricht in den Schulen fest und sieht sie weiter als «sichere Orte». Von den rot-schwarz-grünen Koalitionsfraktionen kommt die Forderung nach einem gestaffelten Unterrichtsbeginn.

«Das Pandemiegeschehen hat sich auch in den Schulen weiter verschärft. Es ist an der Zeit, landesweit einheitlich zu reagieren», erklärte GEW-Chef Günther Fuchs in Potsdam. Die Gewerkschaft sprach sich zudem für die Einführung und das strikte Einhalten des Abstandsgebotes von 1,50 Meter in Schulen und Kitas aus. In keinem anderen Ort kämen derzeit so viele Menschen in geschlossenen Räumen ohne Abstand und in den meisten Fällen ohne Masken zusammen, so Fuchs. Bisherige Maßnahmen und bestehende Hygienekonzepte reichten nicht aus, um die Pandemie wirksam eindämmen zu können. Deshalb sollte der Rat des Robert Koch-Instituts (RKI) angenommen werden, in den Schulen die Schüler-Zahl sofort zu reduzieren und in kleineren Lerngruppen zu unterrichten.
Vom Bildungsministerium in Potsdam hieß es am Dienstag hingegen: «Wir wollen den Präsenzunterricht, weil es die beste Form des Unterrichts ist.» Durch Unterricht in der Schule könnten auch die schwächeren Schülerinnen und Schüler am besten erreicht werden. Zudem hätten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten entschieden, dass 1,50 Meter Abstand an Schulen nicht gelte und das werde im Land umgesetzt.
Die Lehrkräfte hätten in den vergangenen Wochen mit großem Einsatz Maßnahmen zur Organisation des Unterrichts und zur Gewährleistung der Hygiene entwickelt und umgesetzt. Dazu gehörten das konstante Einhalten der Lerngruppen und das konsequente Lüften, hieß es weiter vom Ministerium. «Diese Maßnahmen sind wirksam und tragen dazu bei, dass unsere Schulen im Vergleich zu anderen Lebensbereichen von Kindern und Jugendlichen sichere Orte bleiben.» Die wenigen Infektionsfälle und die aktuell vorliegenden Daten bestätigten das.
Dass auch ganze Schulen zeitweilig in Quarantäne geschickt werden müssten, um das Infektionsgeschehen lokal einzudämmen, ist laut Ministerium nicht ausgeschlossen. Die Schulen seien aber darauf vorbereitet.
Vom Landesschülerrat kam unterdessen die Forderung, dass die Makenpflicht für alle weiterführenden Schulen gelten sollte. Für Schüler in Quarantäne müsse die Möglichkeit bestehen, sich kostenlos testen zu lassen. Mit einem negativen Testergebnis können die Betroffenen schneller in die Schulen zurückkehren, erklärte die Interessenvertretung. Der Landesschülerrat vertritt 280 000 Schülerinnen und Schüler.
Die drei Regierungsfraktionen von SPD, CDU und Grünen im Landtag fordern wegen der Corona-Pandemie die Prüfung eines gestaffelten Unterrichtsbeginns. Mit Schulen und Verkehrsunternehmen solle diskutiert werden, ob der An- und Abreiseverkehr durch öffentliche Busse und Bahnen sowie Schulbusse so weit entzerrt werden kann, dass Kinder und Jugendliche mehr Abstand während der Fahrt halten können, heißt es in einem gemeinsamen Entschließungsantrag, der am Dienstag vorlag.
Auch Luftfilter für schlecht belüftbare Räume in Schulen und Kitas und finanzielle Unterstützung des Landes hierfür sollten aus Sicht der drei Fraktionen geprüft werden. Die oppositionelle Linksfraktion hatte zuvor gefordert, mobile Luftfilter zumindest für Klassenräume und Kita-Aufenthaltsräume anzuschaffen sowie mehr Schulbusse durch freie Kapazitäten wegen der Corona-Krise einzusetzen, damit mehr Abstand möglich ist.
Die Regierungsfraktionen bekennen sich dazu, Kitas und Schulen trotz stark gestiegener Infektionen so lange wie möglich offen zu halten. Auch Grünen-Landtagsfraktionschefin Petra Budke schließt sich dem an. «Wir möchten dass Kitas und Schulen offen bleiben.» Eine Rückkehr zum Wechselmodell bringe sehr vielen Eltern sehr große Probleme. Die Rückkehr zur Aufteilung von Lerngruppen in Schulen sieht sie skeptisch. Sollten sich gerade Schulen als besondere Infektionsherde herausstellen, sei das aber ein nachdenkenswertes Modell.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 10. November 2020 17:34 Uhr

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