Land erwartet mehr Covid-19-Patienten in Krankenhäusern

Land erwartet mehr Covid-19-Patienten in Krankenhäusern

Die Corona-Krise wird die Krankenhäuser in Brandenburg nach Ansicht der Landesregierung noch stärker belasten. Seit Anfang Oktober habe sich die Zahl der Covid-19-Patienten, die dort behandelt werden müssen, mehr als verzwanzigfacht, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag in einer Videokonferenz der Fachpolitiker des Landtages. Sie rief die Klinken dazu auf, planbare Aufnahmen und Operationen bei Bedarf zu reduzieren. Eine Überlastung der Krankenhäuser sieht die Ministerin aber nach eigener Darstellung derzeit nicht.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne)

© dpa

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) spricht bei einer Pressekonferenz.

Der Anteil der Covid-19-Patienten an allen Intensivbetten in den Brandenburger Krankenhausstandorten nahm von Mittwoch auf Donnerstag leicht von 7,5 auf 7,8 Prozent zu. Von rund 800 Intensivbetten ist noch etwa ein Viertel frei, in Berlin sind es nur rund 13 Prozent. Nach Daten der Krankenhausplattform Ivena waren am Mittwoch in Brandenburg noch 668 von 1028 Betten mit Beatmung frei, 39 waren mit Covid-19-Patienten belegt. Das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer berichtete von einem hohen Aufkommen akut kranker Patienten und einer sehr hohen Belastung des medizinischen Personals in den Notaufnahmen.
Die Gesundheitsämter in Brandenburg sind nach Ansicht von Nonnemacher am Rand der Belastbarkeit. «Auch bei uns ist ein Drittel der Gesundheitsämter absolut am Limit», sagte sie. Ein weiteres Drittel sei deutlich überlastet, ein Drittel komme einigermaßen hinterher. Die Gesundheitsämter in den 14 Landkreisen und vier kreisfreien Städten kümmern sich - teils mit Hilfe der Bundeswehr - unter anderem um Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Nachverfolgung von Kontakten infizierter Menschen.
Die Zahl nachgewiesener neuer Corona-Infektionen erreichte in Brandenburg derweil einen Höchststand. Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 446 neue Fälle registriert, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Der bisherige Rekordwert lag bei 422 neuen Infektionen mit dem Virus am 30. Oktober. Nonnemacher nannte die Zunahme der Corona-Ansteckungen besorgniserregend.
«Wir müssen alles Erdenkliche tun, um dieses Infektionsgeschehen wieder abzubremsen», sagte die Ministerin. Sie verteidigte die drastischen Einschränkungen. «Wir können froh sein, wenn wir mit den beschlossenen Maßnahmen überhaupt auskommen.» Seit Montag haben Gaststätten, Kinos, Theater, Museen und Fitnessstudios geschlossen; Gaststätten können Speisen liefern oder abholen lassen. Im Nahverkehr gilt die Maskenpflicht weiter. Die Stadt Cottbus kündigte an, dass von Freitag an eine erweiterte Maskenpflicht in Schulen und Horten der Stadt gelten soll. Der Landkreis Spree-Neiße ordnete Masken an Haltestellen, auf Bahnhöfen und an Markttagen auf Märkten an.
Die Polizei, die Ordnungsämter und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) starteten gemeinsame Kontrollen zur Maskenpflicht und zogen eine positive Bilanz. «Die meisten Bürger halten sich an die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen, in Einkaufszentren und im Nahverkehr», sagte der Sprecher der Polizeidirektion Ost, Roland Kamenz. «Wir haben allerdings festgestellt, dass einige Bürger in Einkaufszentren die Maske erst beim Betreten der Geschäfte aufsetzten oder an Haltestellen, wo ebenfalls Maskenpflicht gilt, absetzten.»
Die gemeinsamen Streifen hatten am Donnerstag in der Stadt Frankfurt (Oder) und in den Landkreisen Oder-Spree und Barnim begonnen. Sie sollen bis Ende November auch in anderen Teilen des Landes fortgeführt werden. Nur in wenigen Fällen seien gegen hartnäckige Masken-Verweigerer Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen gestellt worden, hieß es.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 5. November 2020 18:11 Uhr

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