Experten sehen mit Energiewende große Jobchancen

Experten sehen mit Energiewende große Jobchancen

Der Strukturwandel in der Lausitz rückt in Brandenburg immer mehr in den Fokus. Ein Sonderausschuss, der sich in den kommenden Jahren mit der Strukturentwicklung dort beschäftigten wird, hat am Dienstag im Landtag seine Arbeit aufgenommen. Zum Vorsitzenden wurde der Lausitzer SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick gewählt, sein Stellvertreter ist der Cottbuser Michael Schierack von der Brandenburger CDU-Fraktion. Beide wurden einstimmig gewählt. Im August hatte der Landtag mehrheitlich für die Einsetzung des Gremiums gestimmt. Die Koalitionsfraktionen SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen hatten den Ausschuss beantragt.

«Ich bin mit dem Bergbau groß geworden, mein Vater war Bergmann, und jetzt kann ich direkt mitarbeiten, aus der Lausitz nach dem Bergbau auch eine lebenswerte Region zu machen», sagte Roick der Deutschen Presse-Agentur nach der Wahl.
Der Sonderausschuss soll den Prozess der Strukturentwicklung in der Lausitz begleiten und zugleich dessen Transparenz unterstützen. Themen und Fachfragen zur Strukturentwicklung sollen gebündelt und bearbeitet werden. Die Ausschusssitzungen sollen Roick zufolge weitestgehend in der Lausitz stattfinden und öffentlich sein.
Vom Strukturwandel der Braunkohleregion in Brandenburg und Sachsen sind nach Gewerkschaftsangaben rund 8000 Arbeitsplätze direkt im Tagebau und 12 000 indirekt betroffen - in der Verstromung und bei den Zulieferern.
Wissenschaftler und Experten sehen mit der Energiewende durch den Kohleausstieg ein großes Jobpotenzial auch in der Lausitz. Die Energieversorgung werde kleinteiliger und benötige mehr Handwerksarbeitsplätze, sagte Professor Dirk Uwe Sauer vom Lehrstuhl für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik an der Universität Aachen. «Die Arbeitsplätze im Energiesektor werden sich in Summe ausweiten», schätze er ein. Sauer war am Dienstag einer der Gäste der Lausitzrunde am Kraftwerksstandort und Industriepark Schwarze Pumpe in Spremberg.
Die Bürgermeister der Kommunen in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in Brandenburg und Sachsen hatten sich Wissenschaftler und Energieexperten eingeladen, um sich Perspektiven für die Energiewende aufzeigen zu lassen. Auch Simon Müller, Leiter Energiesysteme der europaweit tätigen Enertrag AG,. sieht in der Umstellung auferneuerbare Energien großes Potenzial für die Region. Die spezifische Chance der Lausitz sei, durch die Umstellung auf erneuerbare Energien und deren lokale Nutzung, die Jobs, die noch im «fossilen System» seien, in das 21. Jahrhundert herüberzuholen, so Müller. Hinzu komme noch die weitere Wertschöpfungstiefe im Wasserstoffbereich und der Elektrolyse-Herstellung.
Als eines von zahlreichen Projekten im Energiesektor soll im Industriepark Schwarze Pumpe in den Jahren 2023/2024 der Bau einer Demonstrationsanlage für ein wasserstoffbasiertes Speicherkraftwerk starten. Das Kraftwerk soll die künftige Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energieträger und mit Wasserstoff als chemischem Speicher sichern und so in Zukunft die fossilen Kraftwerke ersetzen. 2025 soll die Anlage in Betrieb gehen.
Laut einer Studie des Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbandes im Auftrag des Brandenburger Wirtschaftsministeriums könnten allein durch die Ansiedlung von Herstellern, die etwa zehn Prozent des deutschen Marktes bedienten, in Brandenburg 3500 bis 7000 Arbeitsplätze entstehen. Als «Jobmotor» werde es aber etwa fünf Jahre dauern, bis Unternehmen im Strukturwandel wirksam werden, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Das brauche Geduld.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 29. September 2020 18:26 Uhr

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