Rasante Flucht vor der Polizei: Bewährungsstrafe

Rasante Flucht vor der Polizei: Bewährungsstrafe

Mehr als drei Jahre nach einer rasanten Flucht vor der Polizei quer durch Thüringen hat das Landgericht Gera einen heute 37-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die 3. Strafkammer sprach den vorbestraften Mann aus Neuruppin in Brandenburg unter anderem der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs in vier Fällen für schuldig. Sie verhängte am Mittwoch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ausgesetzt zur Bewährung. Trotz der wilden Verfolgungsjagd, die er sich damals auf der Autobahn mit der Polizei lieferte, verzichteten die Richter darauf, seine Fahrerlaubnis einzuziehen, sondern verhängten nur ein einmonatiges Fahrverbot.

Eine Statue der Justitia

© dpa

Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand.

Der Vater von vier Kindern war Anfang 2017 einer Polizeistreife auf der A4 bei Eisenach aufgefallen. Die Beamten wurden stutzig, weil die Kennzeichen als gestohlen gemeldet waren. Doch als sie ihn kontrollieren wollten, fuhr er ihnen davon. Bis zu zehn Polizeiwagen kamen laut Gericht zum Einsatz, um den Mann zu stoppen. Der stand unter Drogen, überholte andere Autos auch rechts auf der Standspur. «Die ganze Autobahn war seine Fahrspur», erinnerte sich am Mittwoch ein Polizist als Zeuge vor Gericht. Zeitweise raste er mit mehr als Tempo 160 durch einen Tunnel - erlaubt sind nur 80 Kilometer pro Stunde.
Die Polizisten versuchten vergeblich, ihn mit ihren Streifenwagen einzukesseln. Auch die geschlossene Schranke am Lobdeburgtunnel bei Jena konnte den Mann, dem damals die Vollstreckung einer Haftstrafe drohte, nicht aufhalten: Mit hohem Tempo schlängelte er sich durch die Rettungsgasse und durchbrach die Schranke. Die Flucht endete erst nach mehr als 100 Kilometern, nachdem er mit seinem Wagen von der Autobahn abgekommen und auf einem Feld gelandet war.
«Das war eine Amokfahrt ohne Rücksicht auf eigene oder fremde Verluste», konstatierte Staatsanwalt Axel Katzer in seinem Plädoyer. So habe der 37-Jährige zwei Mal Polizeiautos gerammt und dabei die Beamten «konkret gefährdet». Dieser Ansicht folgten die Richter nicht, sondern sahen «keine Schädigungsabsicht». Der Mann habe die Polizeiwagen, an denen ein Schaden von fast 10 000 Euro entstand, nicht bewusst gerammt, als er sich der Einkesselung entzog, sagte die Vorsitzende Richterin Christina Lichius in der Urteilsbegründung. «Es ging ihm nur um die Flucht, nicht um eine Kollision.»
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Sie verwies auch darauf, dass die Tat mehr als drei Jahre zurückliegt und der Mann seither nicht mit Verkehrsdelikten aufgefallen sei. Zudem habe er seine frühere Haftstrafe inzwischen verbüßt und bemühe sich um ein geregeltes Leben.
Staatsanwalt Katzer hatte sich für eine Verurteilung unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ausgesprochen und zwei Jahre und zwei Monate Haft gefordert. Für Verteidiger Uwe Meyer waren es eher die Polizisten, die mit ihren Autos den Wagen seines Mandanten bedrängt hatten, so dass es zu den Schäden kam. Er plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 10. Juni 2020 17:00 Uhr

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