Antisemitische Vorfälle: Fachstelle veröffentlicht Zahlen

Antisemitische Vorfälle: Fachstelle veröffentlicht Zahlen

In Brandenburg sind im vergangenen Jahr 137 antisemitische Vorfälle bekannt geworden. Am meisten Übergriffe gab es demnach in Potsdam (23), wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in Brandenburg hervorgeht. Die wenigsten Fälle seien in Oder-Spree und Potsdam-Mittelmark mit jeweils zwei Straftaten gemeldet worden.

Blick auf das Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen

© dpa

Blick auf das Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Der Wert setzt sich aus Zahlen des Landeskriminalamts Brandenburg (103) und dem Monitoring des Rias (49) zusammen. Einige Fälle wurden von beiden Stellen aufgenommen, in der Statistik aber nicht doppelt ausgewiesen.
Bei über der Hälfte aller Vorfälle seien Stereotypen bedient wurden, die sich klar auf den Nationalsozialismus beziehen, erklärt Dorina Feldmann, die zuständige Mitarbeiterin bei der Rias. Dem gegenüber stünden Formen von Antisemitismus, die sich auf Verschwörungstheorien bezögen oder die Legitimität des Staates Israel in Frage stellten.
Den überwiegenden Teil der Vorfälle (82) machte verletzendes Verhalten aus. Darunter fasst die Rias-Statistik unter anderem diskriminierenden Schmierereien, Beschimpfungen und Mails. 29 Bedrohungsfälle wurden gemeldet. Zu körperlichen Angriffen kam es sechsmal.
Die Statistik weist außerdem 17 Fälle von gezielter Sachbeschädigung auf. Elfmal wurden demnach Gedenkorte und Gedenkstätten mutwillig beschädigt, sechs Taten richteten sich gegen Synagogen oder Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinden.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Zwischen 2014 bis 2018 hatte es nach Angaben einer ebenfalls von Dorina Feldmann durchgeführten Studie 492 antisemitische Vorfälle in Brandenburg gegeben. Darunter seien 433 polizeilich registrierte Straftaten gewesen. Die übrigen Vorfälle seien von Beratungsstellen gemeldet worden.
Durch das nun erstmalig durchgeführte Monitoring der Fachstelle Antisemitismus in Brandenburg sei die Dokumentation solcher Vorfälle verbessert worden, sagte Dorina Feldmann. Viele antisemitische Vorfälle blieben jedoch weiterhin im Dunkeln. Der Leiter der Fachstelle Antisemitismus, Peter Schüler, erklärt dazu: «Antisemitismus ist und bleibt in Brandenburg ein alltagsprägendes Problem, das belegen die Zahlen des Berichts.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 5. Mai 2020 10:49 Uhr

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