Neue Chefs gesucht: Handwerksfirmen vor Generationenwechsel

Neue Chefs gesucht: Handwerksfirmen vor Generationenwechsel

In den kommenden fünf Jahren werden in Brandenburg rund 6600 Unternehmensnachfolger im Handwerk gesucht. Bis 2030 werden voraussichtlich etwa 12 500 Inhaber von Betrieben in den Ruhestand gehen, wie die drei Handwerkskammern in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. Damit wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren nahezu jeder vierte Betrieb seinen Chef wechseln.

Handwerksbetrieb

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In einer Motorenwerkstatt wird an einem Verbrennungsmotor geschraubt.

In Westbrandenburg suchen bis zum Jahr 2025 den Angaben zufolge rund 2500 Firmeninhaber einen Nachfolger. Bis zum Ende des Jahrzehnts steht bei etwa 5300 Unternehmen ein Besitzerwechsel an. In Ostbrandenburg werden in den kommenden fünf Jahren etwa 1500 Firmenchefs 60 Jahre alt oder älter, in Südbrandenburg rund 2600.
Viele Firmeninhaber, die heute 55 Jahre oder älter sind und sich auf eine Betriebsübergabe vorbereiten, hatten sich nach Angaben der Kammern in den ersten Jahren nach der Wende selbstständig gemacht. Ein großer Teil dieser Menschen sah sich dazu gezwungen, da viele Betriebe wegbrachen. Heute besteht in vielen Wirtschaftsbereichen ein Fachkräftemangel; der Schritt in die Selbstständigkeit erscheint jungen Leuten daher häufig unattraktiv.
In allen Kammerbezirken bestehe daher die Sorge, geeignete Nachfolger für die Handwerksfirmen zu finden, sagt der Präsident der Handwerkskammer Cottbus, Peter Dreißig. Bereits in den vergangenen Jahren seien Betriebe wegen fehlender Übernahmen geschlossen worden. Dies könne sich fortsetzen. «Wir arbeiten daher mit Hochdruck daran, Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, Qualifizierungen als Meister anzubieten und neue Chefs zu coachen. Firmeninhaber unterstützen wir durch Beratungen bei der Unternehmensnachfolge», sagte Dreißig.
Die Handwerkskammer Potsdam startet im kommenden Monat ein bis 2022 laufendes Projekt, um Firmeninhaber frühzeitig bei ihrer Nachfolgeplanung zu unterstützen. «In persönlichen Gesprächen versuchen wir Firmeninhaber ab einem Alter von 55 Jahren zu sensibilisieren», sagt der für Betriebsberatungen zuständige Abteilungsleiter der Potsdamer Handwerkskammer, Michael Burg. Dazu gebe es eine Reihe von Veranstaltungen. «Ein sogenannter Nachfolge-Check soll dem Betriebsinhaber bewusst machen, welche Aufgaben ihm noch vor einer Firmenübergabe an einen Nachfolger bevorstehen», betont Burg. Ziel sei es, so viele Handwerksbetriebe wie möglich zu erhalten.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Potsdam unterstützten auch EU, Bund und das Land Brandenburg Inhaberwechsel mit Beratungen und Finanzierungsprogrammen. Aus dem Bundesprogramm «Förderung unternehmerischen Know-hows» könnten kleinere und mittlere Betriebe sowie Angehörige der Freien Berufe Zuschüsse zu Beratungen auch bei Firmenübergaben erhalten, wie das Ministerium der AfD-Landtagsfraktion auf eine Anfrage mitteilte.
Beratungsangebote für Betriebsnachfolger beinhalten danach auch das von der EU kofinanzierte Bundesprogramm «unternehmensWert: Mensch» sowie die Existenzgründungsrichtlinie der Brandenburger Landesregierung. Ebenso gewährt das Brandenburger Wirtschaftsministerium Zuwendungen, um Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen frühzeitig für eine Nachfolge zu sensibilisieren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 20. April 2020 08:50 Uhr

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