Beschäftige des Bergmann-Klinikums kritisieren Kommunikation

Beschäftige des Bergmann-Klinikums kritisieren Kommunikation

Die Kritik an der lückenhaften Kommunikation des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann zum schweren Ausbruch von Corona-Infektionen in der Einrichtung reißt nicht ab. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bezeichnete die Stimmung unter den Beschäftigten des Klinikums nach Angaben eines Sprechers als «derzeit sehr angespannt.» Besonders beklagt werde die intransparente Informationspolitik, da die Beschäftigten viele Informationen erst über die Medien erfahren hätten und nicht von der Klinikleitung, sagte der Gewerkschaftssekretär für den Fachbereich Gesundheit und Soziales, Torsten Schulz, der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam

© dpa

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum.

An dem größten Potsdamer Krankenhaus, das nach Angaben der Stadt etwa 500 000 Menschen auch in der Region versorgt, hatten sich seit Mitte März die Fälle von Corona-Infizierten und von Toten gehäuft - bislang wurden dort den Angaben zufolge 39 Todesfälle gezählt. Derzeit werden 64 Menschen stationär betreut, davon werden 10 intensivmedizinisch beatmet. Seit Aufnahme des ersten positiv auf Covid-19 getesteten Patienten wurden 135 Patienten stationär behandelt. (Stand: 20.4. 16.00 Uhr)
Beschäftigte berichteten laut der Gewerkschaft von der Angst vor Ansteckung mit Covid-19 und der Sorge über nicht ausreichende Schutzausrüstung. Schulz forderte die lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse der vergangenen Wochen. Aussagen von Beschäftigten deuteten darauf hin, dass es scheinbar zu falschen oder verspäteten Entscheidungen gekommen sei.
Am Samstag hatte die Geschäftsführung des Klinikums nach einer nichtöffentlichen Beratung im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung erstmals Versäumnisse eingeräumt. «Im Zeitraum vom 13. bis 26. März ist im Klinikum Ernst von Bergmann eine kritische Entwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie nicht ausreichend erkannt worden», hieß es. Die Stadt teilte zu dem Statement der Klinikleitung am Montag lediglich mit, man habe die Erklärung zur Kenntnis genommen.
Zum Schutz der Beschäftigten und Patienten am Klinikum forderte der Gewerkschaftssprecher eine konsequente Umsetzung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Zudem müsse genügend Personal in allen Bereichen des Krankenhauses eingesetzt werden - besonders in den Bereichen Pflege, Reinigung und Patientenversorgung, sagte Schulz.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft unterdessen eine formelle Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klinikums. Es geht laut Stiftung um den Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung. Geprüft werde derzeit, ob Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann am Montag. Auch die Ordnungswidrigkeitenverfahren der Stadt Potsdam gegen Klinikmitarbeiter wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz seien in der Prüfung.
Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) leitete drei Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen Ärzte und zwei gegen die Geschäftsführung ein. Grund sind nach Angaben von Stadtsprecher Jan Brunzlow die verspäteten Meldungen von Infektionszahlen und Fehler beim Management des Corona-Ausbruchs in der Klinik. Außerdem drohte die Stadt der Klinikleitung vergangene Woche ein Zwangsgeld an, weil die Klinik sich zunächst weigerte, eine vollständige Dokumentation zu dem Corona-Ausbruch zu übermitteln. Ob sie nun in vollem Umfang vorliegt, teilte der Stadtsprecher auf Anfrage zunächst nicht mit. «Die Unterlagen werden derzeit gemeinsam mit dem Klinikum besprochen», sagte Brunzlow.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 20. April 2020 18:03 Uhr

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