Milder Winter: Weniger Frostschäden und Streueinsätze

Milder Winter: Weniger Frostschäden und Streueinsätze

Die milden Winter der vergangenen Jahre haben in Brandenburg zu weniger Frostschäden, einer längeren Bausaison und weniger Winterdiensteinsätzen geführt. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Bauhöfen und Straßenmeistereien verbrauchten weniger Streusalz, wie der Landesbetrieb Straßenwesen erklärte. «Haben wir im Winter 2016/2017 etwa 37 000 Tonnen bis zum 22 Januar verbraucht, waren es in dieser Wintersaison bis zum 22. Januar nur rund 7000 Tonnen», sagte Sprecher Steffen Streu. Prinzipiell sei Material eingespart worden, das dann in der Folgesaison wieder eingesetzt werden konnte.

Winterdienst der Autobahnmeisterei

© dpa

Zwei Streufahrzeuge vom Winterdienst der Autobahnmeisterei Fürstenwalde stehen auf dem Gelände.

An Personal könne aber nicht gespart werden, weil nicht absehbar sei, wie sich eine Wintersaison entwickelt, sagte Sprecher Streu. «Wenn keine Winterdiensteinsätze notwendig sind, werden die Mitarbeiter mit anderen Aufgaben betraut, beispielsweise mit dem Schnitt von Gehölzen.» Die milden Winter schonten außerdem Bausubstanz und es gebe weniger Schäden auf Fahrbahnen und Brücken durch Frost- und Tauwechsel.
Das trifft auch auf die Kommunen zu. «Wir beobachten kaum noch klassische Frostschäden», sagte Potsdams Stadtsprecherin Christine Homann. Auch weil die Stadt in der Vergangenheit viel Geld für ihre Sanierung in die Hand genommen habe, blieben viele Straßen und Deckenbeläge nach dem Winter nahezu unversehrt. Hinzu komme, dass viele Baumaßnahmen in der Stadt oft zum Jahresende abgeschlossen werden konnten.
«Die milden Winter in den letzten Jahren zeigen sich allein durch die Anzahl der erteilten und ausgeführten Reparaturaufträge im Dezember», sagte Jan Gloßmann, Stadtsprecher von Cottbus. Die Anzahl der Aufträge habe sich verdoppelt: Im Dezember 2019 seien es nochmal 80 Aufträge mehr als im Dezember 2018 gewesen. Einsparen konnte Cottbus auch bei den Räum- und Streueinsätzen.
«In den Jahren 2014 bis 2018 gab es im Höchstfall 36 und als Minimum 17 Tage, an denen gestreut und geräumt werden musste», blickte der Stadtsprecher zurück. Im strengen Winter 2010 seien es 77 Tage gewesen. Nur ein Zehntel der 2010 benötigten Streugutmengen von 3350 Tonnen sei zwischen den Jahren 2014 bis 2018 verbraucht worden.
Für die Baubranche im Land bedeuten die milden Winter längere Arbeitszeiten. «Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum von bis zu zehn Prozent zum Vorjahr», sagte Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost. Grundsätzlich bedeute das aber nicht mehr Aufträge. «Das Bauvolumen verteilt sich nur anders innerhalb des Jahres», erklärte Momberg. Die Bausaison verlängere sich dann von neun auf zwölf Monate.
Durch das rasche Abarbeiten von Aufträgen fehlten Unternehmen jedoch zeitnahe Folgeaufträge. «Gerade im öffentlichen Bau erfolgen die Ausschreibungen häufig erst im zweiten Quartal, so dass in bestimmten Bereichen auch mit einem Auftragsengpass gerechnet werden muss.»
Negativ wirken sich die milden Winter auch auf den Wasserhaushalt und somit auf die Flora aus, wie Potsdams Sprecherin Christine Homann betonte. Es fehle nämlich Tauwasser. Durch die Trockenheit gebe es immer mehr Totholz und die Stadt müsse in Parks nachwässern. Im vergangenen Sommer sei Anliegern wegen der Trockenheit die Entnahme von Oberflächenwasser untersagt worden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 25. Januar 2020 10:59 Uhr

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