Anklage gegen Lunapharm-Geschäftsführerin

Anklage gegen Lunapharm-Geschäftsführerin

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat gegen die Geschäftsführerin des Brandenburger Pharma-Unternehmens Lunapharm Anklage wegen des gewerbsmäßigen Handels mit gefälschten Arzneimitteln erhoben. Mitangeklagt seien ein deutscher Betreiber einer Apotheke in Griechenland und ein weiterer Beschuldigter wegen Beihilfe, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam am Mittwoch mit. Hintergrund seien falsche Angaben zu dem Vertriebsweg von Arzneimitteln, so die Anklage. Laut Gesetz würden diese Medikamente als gefälscht gewertet.

Lunapharm Deutschland GmbH

© dpa

Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH.

Vor mehreren Tagen hatten die «Potsdamer Neuesten Nachrichten» über die Anklage berichtet. Die Staatsanwaltschaft hatte dies zunächst jedoch nicht bestätigt.
Der Skandal um illegalen Handel mit Krebsmedikamenten war nach einem Bericht des ARD-Magazins «Kontraste» im Juli 2018 hochgekocht. Die damalige Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) hatte im August 2018 zurücktreten müssen, weil das Landesgesundheitsamt angeblich trotz frühzeitiger Hinweise auf einen illegalen Handel nicht eingeschritten sein soll.
Das Brandenburger Gesundheitsministerium wollte sich zu der Anklage nicht äußern. Dies sei nun Sache der Justiz, sagte ein Sprecher. Lunapharm hatte gegen das Landesgesundheitsamt im Juli Schadenersatz in Höhe von 70 Millionen Euro geltend gemacht, nachdem das Amt der Firma Anfang des Jahres die Herstellung von Medikamenten und den Handel verboten hatte. Dazu wollte sich der Ministeriumssprecher mit Hinweis auf das laufende Verfahren ebenfalls nicht äußern.
Die Apotheke soll laut Anklage zwischen Mai und Juli 2017 Medikamente an Lunapharm geliefert haben, obwohl sie über keine Großhandelserlaubnis verfügte. Die Geschäftsführerin von Lunapharm habe dem Brandenburger Landesgesundheitsamt vorher mitgeteilt, dass sie wegen der fehlenden Erlaubnis keine weiteren Medikamente von der Apotheke beziehen werde. Stattdessen seien weitere Lieferungen über Rechnungen eines nicht eingebundenen Großhändlers aus Zypern verschleiert worden, so die Anklage.
Der Gesamtwert der von Mai bis Juli gelieferten Medikamente habe 1,1 Millionen Euro betragen, berichtete die Staatsanwaltschaft. Diese seien von Lunapharm zum größten Teil mit Gewinn verkauft worden. Bei Lunapharm und weiteren Beteiligten seien Vermögenswerte in Höhe von rund 890 000 Euro vorläufig gesichert worden, das entspreche den erwirtschafteten Erlösen.
Lunapharm-Sprecher Klaus Kocks erklärte am Mittwoch auf Anfrage, das Landgericht Potddam habe die Firma um Stellungnahme gebeten, ob von einem Großhändler in Zypern Ware bezogen wurde. «Es ist unstrittig, dass Originalmedikamente in Originalverpackung bezogen wurden und dass keine Patientengefährdung vorgelegen hat», erklärte Kocks. «Strittig ist, ob Lunapharm arzneimittelrechtlich in Zypern hätte beziehen dürfen.» Vorwürfe der Kriminalität wie etwa Hehlerei würden nicht erhoben.
Lunapharm war im vergangenen Jahr auch in den Verdacht geraten, mit angeblich gestohlenen Krebsmedikamenten aus Griechenland gehandelt zu haben. Hinsichtlich dieses Vorwurfs seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, betonte die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung.
Über die Zulassung der Anklage und Eröffnung einer Hauptverhandlung muss nun das Landgericht Potsdam entscheiden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 23. Oktober 2019 14:01 Uhr

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