Waldumbau: Verzicht auf Millionen Euro Fördergelder

Waldumbau: Verzicht auf Millionen Euro Fördergelder

Der Umbau der Brandenburger Kiefernwälder zu einem naturnahen Mischwald kommt nur langsam voran. Die dafür bereit stehenden Fördergelder bieten offenbar zu wenig Anreiz. Die Waldbesitzer sehen das Problem jedoch anderswo.

Waldumbau in Brandenburg

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Kiefern wachsen in Monokultur in einem Waldstück bei Treuenbrietzen. Foto: Bernd Settnik/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Waldbesitzer haben in den vergangenen zehn Jahren auf rund 14 Millionen Euro EU-Fördergelder verzichtet. Von den etwa 50,2 Millionen Euro, die für den Waldumbau zur Verfügung standen, hätten private Waldbesitzer nur 33,8 Millionen Euro und Kommunen nur 2,5 Millionen genutzt, teilte das Umweltministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der SPD-Landtagsfraktion mit.
Brandenburg verfügt über rund 1,1 Millionen Hektar Wald. Das sind etwa 37 Prozent der Landesfläche. Mehr als 70 Prozent der Bäume sind schnell wachsende und genügsame Kiefern. Unter natürlichen Bedingungen würde ihr Bestand aber lediglich 13 Prozent einnehmen, so das Ministerium. Ziel der Landesregierung ist es, den Kiefernanteil zugunsten von Laubbäumen zu verringern. Damit soll der Wald weniger anfällig gegenüber schädlichen Insekten, Trockenheit, Sturm und Bränden werden.
Pro Jahr werden in Brandenburg etwa 1500 Hektar Kiefernwald in Landesbesitz sowie 640 Hektar Privat- und Körperschaftswald durch Saat oder Pflanzungen in Mischwald umgewandelt. Seit 1990 wurden mehr als 85 400 Hektar Kiefernwald mit Laubbäumen angereichert. Dafür wurden bis Ende 2018 laut Ministerium insgesamt 513 Millionen Euro EU-, Bundes- und Landesmittel eingesetzt.
Derzeit pflanzt die Brandenburger Forstverwaltung 30 Baumarten an. Gefördert werden den Angaben nach in der Regel Waldbestände in einem Alter von mehr als 60 Jahren. Im begrenzten Umfang könne auch der Umbau jüngerer Wälder unterstützt werden, hieß es.
Doch das Land verfügt über keine rechtlichen Möglichkeiten, um Waldbesitzer zu einem schnelleren Waldumbau zu zwingen, wie das Umweltministerium in der Antwort klar stellt. Gesetzliche Verpflichtungen seien bislang nicht in Betracht gezogen worden, um mildere Mittel auszuschöpfen - neben den Fördergeldern etwa kostenfreie Beratung und Anleitung für eine naturnahe Waldwirtschaft.
Sollten verbindliche Vorschriften zum schnelleren Waldumbau erwogen werden, stellen sich auch die Fragen, ob sie verfassungskonform seien und ob Entschädigungen gezahlt werden müssten. Eine solche Regelung wäre bundesweit einmalig und müsste sorgfältig geprüft werden, erklärte das Ministerium.
Für den Waldbesitzerverband Brandenburg ist der in den letzten Jahren gestiegene bürokratische Aufwand einer der Gründe, weshalb nicht alle Fördergelder abgerufen wurden. «Wenn man eine Eichenkultur anlegen will, muss man in der Regel weit über 20 Formularseiten ausfüllen», sagte Verbandsgeschäftsführer Martin Hasselbach der Deutschen Presse-Agentur. Das schrecke viele der etwa 100 000 Waldbesitzer in Brandenburg ab.
Ein «zentrales Problem seit vielen Jahren» sei die Vorfinanzierung von Maßnahmen. Bei der Aufforstung von drei, vier oder fünf Hektar Wald komme «schnell ein fünfstelliger Betrag zusammen». Dies überfordere die finanziellen Möglichkeiten vieler Waldbesitzer. Auch die Ziele des Landes beim Waldumbau seien nicht immer deckungsgleich mit den langfristigen wirtschaftlichen Interessen der Besitzer, so Hasselbach.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 25. August 2019 09:30 Uhr

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